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Sylter Rundschau

11. Dezember 2017 | 07:20 Uhr

Sylter Köpfe : Susi und ihre Syltkantine

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

In unserer Serie geht es heute um Susanne Brammsen, die viele nur als Susi aus der Syltkantine kennen

shz.de von
erstellt am 25.Okt.2014 | 06:14 Uhr

Das Wort Kantine bekommt bei ihr einen völlig neuen Stellenwert: Weder ist die Kantinenchefin korpulent und trägt ein Haarnetzauf dem Kopf und einen weissen Kittel, noch arbeiten ihre Gäste alle in dem selben Betrieb.

In „Susi’s Sylt Kantine“ hat die Chefin wilde blonden Locken, trägt rockige Boots, viele große Ringe an den Fingern und eine Kette mit einer großen schwarzen Blüte eng um den Hals. Eigentlich heißt sie Susanne Brammsen, aber alle nennen sie Susi. Seit drei Jahren ist sie die Chefin von „Susi’s Sylt Kantine“ in Westerland, einer Anlaufstelle für viele Sylter und Urlauber, die richtige Hausmannskost zu fairen Preisen wollen.

Susi ist 47 Jahre alt und weiß, dass sie anders aussieht als der Durchschnitt: „Ich war schon immer individuell und sah besonders aus. So bin ich aber auch“ sagt sie nicht ohne Stolz. Sie kommt eigentlich aus Stedesand, einer kleinen nordfriesischen Gemeinde hinter Niebüll. Vor 20 Jahren brachte sie die Arbeit nach Sylt, nur ein Jahr später lernte sie ihren Freund kennen, mit dem sie glücklich zusammen in Tinnum lebt. Später einmal von der Insel zu gehen, kann sich Susi nicht vorstellen: „Ich liebe Sylt, ich möchte nie wieder aufs Festland zurück“ erzählt sie und findet es schade, dass immer mehr Insulaner die Insel verlassen.

Zehn Jahre arbeitete Susi in der Küche eines Sylter Restaurants als Mädchen für alles, dann sollte etwas Neues passieren. Sie zog umher, war Kellnerin, Zimmermädchen, hat als Floristin gearbeitet und war Verkäuferin in einer Boutique, bevor sie schließlich zum ersten Mal an der Kasse der Syltkantine unter dem damaligen Besitzer stand.

Sie kennt viele ihrer Stammgäste beim Namen. „Es macht mir einfach großen Spaß hier zu arbeiten“, sagt sie strahlend. Als der Vorbesitzer die Kantine verkaufen wollte, hat Susi zugegriffen: „Ich mache das nicht aus dem Aspekt, dass ich hier viel Geld verdienen kann, sondern einfach weil ich meine Gäste nicht hergeben wollte“, sagt sie.

Ihre Gäste könnten unterschiedlicher nicht sein und so treffen in „Susi’s Sylt Kantine“ alle aufeinander: die Mitarbeiter der Inselverwaltung, viele Handwerker, Urlauber, Polizisten, Versicherungsangestellte und Jungunternehmer. Viele ältere Menschen kommen jeden Tag, einige alleinstehende sogar zwei Mal täglich zum Frühstück und Mittagessen. Für sie ist Susis Sylt Kantine mehr als ein Lokal, es ist ihr Esszimmer, in dem Susi immer ein offenes Ohr für sie hat. Denn Susi kennt die meisten ihrer Gäste persönlich, grüßt sie mit Vornamen und verbreitet eine Herzlichkeit in der Kantine, die manchmal in Lokalen fehlt.

Als Mitarbeiter beschäftigt Susi vier Männer. Es hat allerdings einige Zeit gedauert, bis die aktuelle Belegschaft eingestellt war: „Es war schwierig, aber das Team steht jetzt und ich bin mit meinen Jungs sehr glücklich“, sagt sie und ergänzt: „Es lässt sich ja nicht jeder von einer Frau führen, vor allem in der Gastronomie. Ich hatte hier auch schon einige Mitarbeiter, die damit richtige Probleme hatten“.

Die weibliche Führung wird auch in der Dekoration der Kantine deutlich: Es stehen kleine Vasen mit Blümchen auf den Tischen, an den Wänden hängen Bilder und neben ihrer Kasse hängt eine Lampe in Form eines Kulgelfisches.

Zu ihrer Dekoration fällt Susi eine schöne Anekdote ein: Bei einer Party – man kann „Susi’s Sylt Kantine“ auch für Feiern mieten – wurde ein kleiner Dekofrosch geklaut. Susi fragte ein bisschen rum und der Klau des Frosches wurde zum Thema unter den Stammgästen. Das schlechte Gewissen schien an dem neuen Besitzer aber schwer zu nagen: Nach einiger Zeit bekam sie ein Päckchen mit dem Frosch und einer Karte aus Husum: „Ich hatte eine wunderschöne Zeit in der Kreishauptstadt, aber ich freue mich jetzt auch sehr wieder bei dir zu sein. Dein Frosch“ stand darauf, und auch Susi freute sich sehr.

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