Surfen für die Seele

Surfen wirkt positiv auf die körperliche Fitness und das seelische Gleichgewicht.
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Surfen wirkt positiv auf die körperliche Fitness und das seelische Gleichgewicht.

In zwei Wochenendcamps in Hörnum lernen krebskranke Jugendliche das Surfen und gewinnen neue Kraft für den Alltag

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31. August 2018, 17:17 Uhr

Über die Wellen gleiten, eins mit den Elementen sein – Surfen ist ein ganz besonderer Weg, den Alltag hinter sich zu lassen. Die Sorgen und Nöte, den Stress mit der Krankheit. An diesem Wochenende kommen wieder acht krebskranke Jugendliche nach Sylt, um das Surfen zu lernen. Und ein Stück Selbstvertrauen mit nach Hause zu nehmen.

Am vergangenen Wochenende besuchten acht junge Onkologiepatienten zwischen 14 und 18 Jahren das erste „Stay Strong“-Surfcamp dieses Jahres, an diesem Wochenende sind unter den acht Teilnehmern auch Geschwisterkinder. Das Surfcamp findet im zweiten Jahr in Hörnum statt, geleitet von dem Sporttherapeuten Florian Gränert. Der 38-Jährige Sylter arbeitet seit 2004 in der Wenningstedter Syltklinik für krebskranke Kinder und ihre Familien. Schon seit 2006 hat sich therapeutisches Surfen dort als Angebot bewährt. Die deutschlandweit einzigartige Therapie fördert Gleichgewicht, Muskulatur und Konzentration. Die Sporttherapeuten der Syltklinik konnten seitdem ein enormes Fachwissen aufbauen.

Die Teilnehmer des Wochenendcamps reisen freitags aus ganz Deutschland nach Sylt an. Am ersten Tag lernen sie ihre Unterkunft – das Möwennest in Hörnum – und die Umgebung kennen, können vielleicht schon raus aufs Wasser. Der Standort ist ideal, entweder an der Ostseite oder an der Westseite herrschen fast immer gute Bedingungen zum Surfen oder Stehpaddeln. Vier therapeutische Surfeinheiten gehören zum Wochenendprogramm, wobei Florian Gränert von seinen Kollegen Jan Lindemann-Rathjen und Sönke Becker unterstützt wird. In der übrigen Zeit können die jungen Leute zum Beispiel mit Florians Frau Danielle Gränert nähen – Beanie-Mützen und Handytaschen mit dem „Stay Strong“-Label des Surfcamps stehen hoch im Kurs. Es gibt Grillabende, und am Sonnabend hat Wirt Jan Scharfe die Mädchen und Jungs zum Essen in sein Beachhouse nach Westerland eingeladen. Jüngstes Mitglied in der Surfcamp-Familie ist Emil – ein Portugiesischer Wasserhund, der den Kindern als Therapiehund treu zur Seite steht.

„Alles in allem ein schönes Programm, um die Kids für den Alltag fit zu machen“, ist Florian Gränert überzeugt. Die Teilnehmer können sich über ihre Probleme, Ängste und Sorgen mit den anderen austauschen und merken, dass sie mit ihren Erfahrungen nicht alleine sind. Für das Wochenende zahlen sie einen Unkostenbeitrag von 50 Euro, der Rest wird aus Spenden getragen. Für die medizinische Betreuung der jungen Krebspatienten steht die Syltklinik in Wenningstedt bereit, ein Arzt ist jederzeit ansprechbar.

Der Wassersport in der Nordsee hat gleich eine ganze Reihe positiver Wirkungen: Kraft und Kondition sowie Gleichgewicht und Koordination werden gefördert, das Vertrauen ins eigene Können hergestellt und die Lebensqualität und damit das Selbstwertgefühl der Patienten gesteigert. Das „Stay Strong“-Surfcamp wurde gemeinsam mit der Deutschen Kinderkrebsstiftung ins Leben gerufen.

Florian Gränert hofft, in den kommenden Jahren noch mehr Wochenendcamps für therapeutisches Surfen anbieten zu können. „Der Bedarf ist vorhanden.“ Dabei hat er sich ein Zitat der dänischen Schriftstellerin Karen Blixen zum Motto gemacht: „Salzwasser heilt alles – Schweiß, Tränen oder das Meer.“

www.meerlebensurf.com

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