Projekt "Meer leben" auf Sylt : Surf-Therapie für chronisch kranke Kinder und Jugendliche

Surfen hat einen positiven Effekt auf die körperliche Fitness, aber auch auf das seelische Gleichgewicht.
1 von 3
Surfen hat einen positiven Effekt auf die körperliche Fitness, aber auch auf das seelische Gleichgewicht.

Mit ihrem Projekt „Meer leben“ bieten Florian Gränert und Angelo Schmitt Kindern und Jugendlichen in schwierigen Lebenssituationen ein auf Sylt einmaliges Therapieangebot.

shz.de von
05. Juli 2015, 05:44 Uhr

Für Florian Gränert und Angelo Schmitt ist es ein richtiges Herzensprojekt. Die beiden Sylter Freunde, passionierten Wellenreiter und Sport-Therapeuten, haben mit „Meer leben - Surf Therapie“ ein Surf-Projekt ins Leben gerufen, das sich speziell an junge Menschen in schwierigen Lebenssituationen richtet. Ansprechen möchten die beiden vor allem Kinder und Jugendliche, die sich mit körperlichen, psychischen oder sozialen Beeinträchtigungen auseinandersetzen müssen.

Eine große Herausforderung, aber Schmitt und Gränert können auf einen großen Kenntnisschatz zurückgreifen: Beide haben mehr als acht Jahre praktische Erfahrung im therapeutischen Wellenreiten und kennen die positiven Auswirkungen, die der Sport auf erkrankte Kinder und Jugendliche haben kann. Bereits seit 2007 wird in der AWO Sylt Klinik die von dem gelernten Erzieher Gränert ins Leben gerufene Surf-Therapie mit krebskranken jungen Patienten sowie deren Geschwister mit großem Erfolg praktiziert. Bisher war die Therapieform aber nur den jungen onkologisch erkrankten Kindern der Sylt Klinik vorbehalten, mit der Gründung des Projekts „Meer leben“ möchten die Leiter Schmitt und Gränert das Therapieangebot nun auch privat surfbegeisterten Kindern und Jugendlichen anbieten.

Vom positiven Effekt sind die Leiter, aber auch ihre Partner überzeugt: Ein großes Team, bestehend aus Ärzten, Physiotherapeuten, Psychologen und Pädagogen, steht den beiden Gründern zur Seite. Der erfolgversprechende Effekt bei den Kindern zeige sich laut Gränert zum einen körperlich, denn „Gleichgewicht, Kraft, Ausdauer, Körperspannung und Koordination werden beim Surfen positiv beeinflusst“, erklärt der Surf-Lehrer, „aber auch die Körperwahrnehmung wird verbessert.“ Zum anderen verbessert sich das seelische Gleichgewicht der Kinder. „In den Kids passiert unglaublich viel, wenn sie auf dem Brett stehen“, so Gränert, „vor allem steigt ihr Selbstbewusstsein. Außerdem setzt Surfen Glücksgefühle frei, wodurch neue Kräfte für die Bewältigung des Alltags aktiviert werden können.“ Das seien Erfahrungen, die dazu beitragen, die Lebensqualität der Kids enorm zu verbessern, so der Surf-Lehrer.

Mit ihrem Programm sprechen sie sowohl onkologisch erkrankte Kinder und Jugendliche an, deren Familien, aber auch Kids mit anderen chronischen Erkrankungen, Handicaps oder Verhaltensauffälligkeiten.

Dabei verstehen sich die beiden Projektleiter nicht als klassische Surfschule. Zwar werden die wichtigsten Basics vermittelt, allerdings steht die körperliche und seelische Stabilisierung an erster Stelle, eine Einheit ist abhängig vom Gesundheits- und Fitnesszustand der Kids – jeder hat sein eigenes Tempo. Um einen möglichst hohen Therapieerfolg zu erzielen, kombinieren sie Surf- und SUP Einheiten, weil sich beide Sportarten gut ergänzen. Zwei Therapeuten kümmern sich immer um vier bis zehn Teilnehmer, um auf die besonderen Bedürfnisse der Kinder individuell eingehen zu können.

Auf die Idee, Surfen als Therapieform für krebskranke Kinder und Jugendliche anzubieten, kam Gränert aufgrund seiner eigenen Leidenschaft für den Sport, die er auch bei den jungen Patienten beobachtet: „Viele packt es schon nach der ersten Welle und lässt sie nicht mehr los.“

Die ersten drei Surf-Therapie-Camps finden im Spätsommer auf Sylt statt. Alle Informationen auf www.meerlebensurf.com. Das Projekt ist noch auf der Suche nach Partnern und Sponsoren, die die Arbeit unterstützen möchten.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen