zur Navigation springen
Sylter Rundschau

19. Oktober 2017 | 07:45 Uhr

Tiere auf Sylt : Süße Schädlinge

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Angenagte Bäume und zerstörte Beete: Kaninchen sind Teil der Natur. Auf Sylt werden die putzigen wilden Nager für einige zu Störenfrieden

shz.de von
erstellt am 10.Apr.2015 | 05:30 Uhr

Niedliche Gesellen mit flauschigem Fell: Als Haustiere sind Kaninchen beliebt – in der freien Natur können die Wildkaninchen auf Sylt für einige zu Störenfrieden werden. Die graubraunen Tiere fressen Bäume an, buddeln unter Gehwegplatten und bedienen sich am Salatbeet.

Bei Manfred Uekermann, stellvertretendem Kreisjägermeister auf Sylt, gehen zahlreiche Beschwerden von Eigenheim-Besitzern ein: Unterhöhlte Wege und durch Kaninchen verwüstete Gärten seien dann meist der Grund für die Anrufe.

Sobald es warm wird, werden die ersten Jungen geboren, rund sechs pro Wurf. Bis zu sieben Mal im Jahr können die Weibchen werfen, nach drei Monaten sind ihre Kinder geschlechtsreif und werden bis zu neun Jahre alt, so der Jäger. Zusätzlich hoppelten inzwischen auch ausgesetzte Hauskaninchen frei auf Sylt umher.

Ein paar Karnickel sind schön anzusehen, wenn aber bis zu 100 Tiere vor dem heimischen Fenster 50 Meter lange Gänge buddeln, wandelt sich bei manch einem das Empfinden von Begeisterung zu Resignation.

Das bestätigt auch Jennifer Daberkow von der Appartementvermietung Maike Ossenbrüggen in Keitum. „Es sind auf jeden Fall mehr geworden - das ist extrem auffällig.“ Die Tiere würden alles anfressen – nur die Blumen würden verschont. Die Stämme der frisch gepflanzten Apfelbäume hat sie sicherheitshalber eingepackt. Aber: Die Kaninchen gehören für Daberkow zu Sylt –und die Feriengäste fänden die pelzigen Gesellen liebenswert.

Das Problem sei, dass die Kaninchen in die Vegetation eingreifen, sagte Uekermann. Krankheiten wie die Chinaseuche, auch die Myxomatose genannte Kaninchenpest oder natürlichen Fressfeinde wie Habicht, Fuchs und Marder sowie Haushunde und Katzen, reichen laut Experten nicht aus, die Population in Schach zu halten. Eine Bedrohung für den Menschen durch die Übertragung von Krankheiten durch die Wildtiere bestehe jedoch nicht, heißt es von den Jägern.

Selbst können die Hausbesitzer nichts ausrichten gegen die Kaninchen: Gift könnte auch Hund oder Katze töten, für das Aufstellen von Fallen braucht es einen extra Lehrgang. Auch die Jäger sind hier die Hände gebunden, auf Privatgrund darf nicht geschossen werden.

Seitdem die Jagdsaison 2014 von einer ganzjährigen Erlaubnis, auf drei Monate (1.10. bis 31.12.) verkürzt wurde, wächst die Population stetig, sagte Thomas Blanck, Hegeringleiter auf Sylt. Bei der Beurteilung warnt er zur Vorsicht: Früher habe es wesentlich mehr Kaninchen auf der Insel gegeben. Der jetzige Bestand auf Sylt sei völlig normal.

Das Umweltministerium Schleswig-Holstein hält an der verkürzten Jagdzeit fest: „Nach wie vor gilt jedoch: die Jagdbehörden können in einzelnen Jagdbezirken Abschüsse außerhalb der Schonzeiten anordnen, wo dies zur Verhinderung übermäßiger Wildschäden erforderlich ist“, teilte ein Sprecher auf Anfrage mit.

Rund 2000 Kaninchen wurden im letzten Jahr auf der Insel geschossen - „nur töten und nicht verwerten geht aber nicht“, sagte Blanck. Die Menschen wüssten heute nicht mehr, wie man ganze Tiere zubereitet und würden statt der ganzen Kaninchen vom Jäger lieber küchenfertige aus dem Supermarkt kaufen. „Die Leute müssten wieder mehr Kaninchen essen - dann könnte das Problem kleiner sein.“ Auch Manfred Uekermann schwärmt: „Das Fleisch ist fettarm, hat wenig Cholesterin und sei mit seinem hellen Fleisch eine gesunde, schmackhafte Speise.“

Wenn frisch ausgesetzter Grünkohl und Spinat zerfressen sind,die er lange gehegt und gezüchtet hat, endet für den Braderuper Biobauer Eckehard Volquardsen, der ökologische Gedanke. „Die Schäden in der Landwirtschaft sind teuer “, viele Restaurants konnte er wegen der Schäden im letzten Jahr nicht beliefern. Das Freilandgemüse schützt er mit Netzen und Zäunen, die er einen halben Meter tief eingräbt: „Die Tiere können bis zu einem Meter hoch springen“, sagte der Landwirt. Gurken und Tomaten ließen sie zum Glück in Ruhe.

Der milde Winter und die gute Ernährung würden dafür sorgen, dass sich die Tiere rapide vermehren, so der Biobauer. Er lebe schon lange mit den Kaninchen, hat aber mittlerweile große Probleme mit den kleinen Nagern - nicht zuletzt finanziell.

 

 

 

 

 

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen