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Naturgewalten : Sturmflut-Versicherung auf Sylt umstritten

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Mit dem Herbst kommen die Stürme und damit auch die Wassermassen: Die größten Schäden gehen meist vom Wind aus. Doch hier springt die Sturmflut-Versicherung nicht ein.

shz.de von
erstellt am 02.Okt.2014 | 05:13 Uhr

Sylt | Langsam nähert sich Sylt wieder der Sturm-Saison: Im vergangenen Herbst richten die Sturmtiefs Christian und Xaver auf Sylt hohe Schäden an. Da kann die Nachricht, dass eine Versicherung wie die Itzehoer auch Versicherungen gegen Sturmfluten anbietet, erst einmal gut klingen. Doch ob dieser Versicherungsschutz für Sylter wirklich sinnvoll ist, ist umstritten.

Laut Angaben der Versicherung gibt es statistisch alle 14 bis 15 Jahre eine Sturmflut an der Nordsee. Wie viel es auf Sylt allerdings kosten würde, sein Haus gegen Sturmfluten zu versichern, könne man nicht sagen, erklärt Thiess Johannssen, Pressesprecher der Versicherung: „Der Beitrag errechnet sich für jedes Gebäude individuell nach Wert und Lage.“ So viel kann man sagen: Je weiter ein Gebäude vom Meer entfernt ist, desto günstiger ist es. Die Versicherungsmathematiker der Itzehoer haben aus ihren Daten für die günstigste Tarifzone – also weit weg vom Meer – mit höchster Selbstbeteiligung ausgerechnet, dass ein 230.000 Euro teures Gebäude ohne Keller ab zehn Euro pro Jahr versichert wäre. Für das gleiche Gebäude auf Pellworm schlägt die Versicherung 137 Euro im Jahr an. Dies lässt vermuten, dass ein teureres, unterkellertes Sylter Gebäude deutlich höhere Versicherungskosten aufwerfen würde.

Lohnt sich die Versicherung also für die Menschen auf der Insel? Durch Überflutung hervorgerufene Schäden gibt es bei schweren und sehr schweren Sturmfluten eher selten. Ein Beispiel aus jüngster Vergangenheit fällt allerdings ein: Am Alten Kirchweg in Keitum brachen während des Hochwassers am 6. Dezember vergangenen Jahres einige der Schutzwälle, die die Anwohner als Hochwasserschutz um ihre Häuser gezogen hatten, Gärten und Keller liefen voll Wasser.

Doch der Alte Kirchenweg ist eher eine Ausnahme: „Aufgrund des guten Küstenschutzes auf Sylt kann man sich auf die Deiche der Insel verlassen“, erklärt Hendrick Brunckhorst vom Landesbetrieb Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN). Er erinnert daran: „Eine Sturmflut muss keineswegs zu Schäden führen.“ Wie auch die letzten Herbststürme zeigten, richtet meist der Wind, der die Flut zu einer Sturmflut macht, einen viel höheren Schaden an als die Überflutung selbst. Und bei abgedeckten Dächern, Regen-, Hagel und andere Sturmschäden springt die Sturmflut-Versicherung nicht ein. Sie greift lediglich bei Flut-Schäden.

Das Modell der Itzehoer ist offenbar dennoch auch für andere Versicherungen interessant: Die Provinzial denkt derzeit über ein ähnliches Modell nach und lässt ihrerseits Experten die Details prüfen, bestätigte ein Sprecher dem sh:z.

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