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Küstenschutz : Sturm „Barbara“: Wo die Folgen auf Sylt sichtbar werden

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Weihnachtssturm „Barbara“ hat an der Sylter Küste erhebliche Schäden hinterlassen. Vor allem an der Hörnum-Odde hat es Abbrüche gegeben.

shz.de von
erstellt am 30.Dez.2016 | 05:34 Uhr

Sandverluste, Dünenabbrüche und Unterspülungen: Sturm „Barbara“, der an Weihnachten über Norddeutschland fegte, hat an der Sylter Küste erhebliche Schäden hinterlassen. Diese wurden am vergangenen Mittwoch von Mitarbeitern des Landesbetriebs für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN) dokumentiert und kartiert. Ihre Ergebnisse verdeutlichen die Kraft, mit der Wind und Wasser immer wieder auf die Insel treffen.

Nach LKN-Angaben wurden an der Westküste auf über 14 Kilometern Länge Vordünenabbrüche festgestellt, so dass auf rund einem Drittel der gesamten Strecke zwischen Hörnum und List Schäden aufgetreten sind. Mit Ausnahme der Hörnum-Odde seien dabei allerdings keine Randdünenverluste zu verzeichnen. Im Einzelnen ergeben sich nach Angaben des LKN unter anderem folgende Situation:

  • Der Südteil der Insel weist größere Schäden an den Vordünen als der Nordteil auf.
  • Im Bereich Rantum, Dikjen Deel, Westerland und Wenningstedt sind die Strände nach dem Sturm besonders tief.
  • Bis auf den Strandübergang 78 in Hörnum-Nord (Aralsteg) sind die Überwege unbeschädigt; allerdings sind auch die untersten Stufen der Treppe an der Strandoase (Übergang 54) in Westerland ramponiert.
  • Vor der Ufermauer Westerland liegen die Granitblöcke frei.
  • Die Vordünen vor der nördlichen sogenannten Panzermauer in Westerland sind stark abgetragen.
     

Die Westerländer Abbruchkante  ist zwei Meter hoch, Steine wurden freigespült. Spätestens nach den Vorspülungen 2017 sollen die Schäden verschwunden sein.
Die Westerländer Abbruchkante ist zwei Meter hoch, Steine wurden freigespült. Spätestens nach den Vorspülungen 2017 sollen die Schäden verschwunden sein. Foto: Syltpicture

Die hellen Verfärbungen am unteren Drittel der Holzbalken zeigt deutlich, bis wohin der Sand noch vor einigen Tagen reichte.
Die hellen Verfärbungen am unteren Drittel der Holzbalken zeigt deutlich, bis wohin der Sand noch vor einigen Tagen reichte. Foto: Syltpicture
 

Hörnum-Odde ist weiter geschrumpft

Die Hörnum-Odde ist aufgrund der Randdünenverluste durch den Sturm erneut weiter geschrumpft. Aber nicht nur am vergangenen Wochenende, bereits in den vergangenen Monaten hat sich die Sylter Südspitze massiv verändert: Alleine im Zeitraum zwischen August 2015 und der Kartierung am vergangenen Mittwoch hat sie knapp fünf Hektar an Dünen verloren. Vom 26. September bis zum 28. Dezember dieses Jahres betrug der Verlust der Dünenfläche rund 1,3 Hektar. Während der diesjährigen Weihnachtsfluten wurden schließlich 1,1 Hektar abgetragen. Eine unmittelbare Hochwassergefährdung sei im Bereich der Ortslage durch den Rückgang der Hörnum-Odde aber nicht zu befürchten, schreibt der LKN in seinem Bericht, da im nördlichen Teil der Südspitze aufgrund der errichteten Wellenbrecher keine Dünenrückgänge mehr zu verzeichnen seien.

Luftbild vom 26. Dezember 2016: Die Veränderungen, die Sturm „Barbara“ bis zum 28. Dezember hinterließ, sind blau eingezeichnet.
Luftbild vom 26. Dezember 2016: Die Veränderungen, die Sturm „Barbara“ bis zum 28. Dezember hinterließ, sind blau eingezeichnet. Foto: Grafik: LKN
 

„Wir haben den einen oder anderen Bereich an der Westküste, der beim Sturm ‚Barbara‘ mehr in Mitleidenschaft gezogen wurde“, weiß auch Manfred Ueckermann, Vorsitzender des Landschaftszweckverbands (LZV) Sylt. Dazu zählt er auch die Punkte, an denen der Strand etwas tiefer liegt, wie an der Strandoase oder in Dikjen Deel. „Dort hat sich aber positiv ausgewirkt, dass bei den letzten Aufspülungen auch der Riffbereich mit aufgefüllt wurde“, so Ueckermann. „Unser größtes Problemkind ist aber natürlich die Hörnum-Odde, an der es zum Ende der Wellenbrecher erneut zu massiven Auskolkungen kam.“ Dort, wo die Tetrapoden stehen, hätten diese allerdings ihre Funktion erfüllt: „Auf Höhe der Ortslage Hörnum hat es keine weiteren Sandverluste gegeben – und das ist entscheidend.“

Die Granitblöcke, die der Sturm „Barbara“ vor der Ufermauer in Westerland freigespült habe, sollen nach Angaben von Manfred Ueckermann bei den Sandaufspülungen im kommenden Jahr wieder aufgeschüttet werden. „Außerdem ist der Sand sehr dynamisch. Es kann sein, dass sich der eine oder andere Bereich im Winter sogar von selbst regeneriert“, erläutert Ueckermann. Generell sei er nach dem ersten Sturm der Wintersaison mit der Situation an Sylts Westküste jedoch zufrieden: „Wir sind gut aufgestellt und es gibt keine größeren Schäden. Außerdem sind die Ortsrandlagen geschützt und dementsprechend sicher.“
 

Höchste Sturmflutwasserstand wurde 1981 gemessen

Im Vergleich mit den Sturmfluten der vergangene Jahre und Jahrzehnte befindet sich „Barbara“ im Mittelfeld: Der bisher höchste Sturmflutwasserstand am Pegel „List-Hafen“ seit 1900 trat am 24. November 1981 auf und lag mit +4,05 Meter über Normalhöhennull (NHN) um 106 Zentimeter höher als bei der Weihnachtsflut in diesem Jahr. Die Sturmfluten am 3. Januar 1976 (NHN +3,94 m), 16. Februar 1962 (NHN +3,65 m) und 3. Dezember 1999 (NHN +3,61 m) liefen ebenfalls deutlich höher auf.

Bei den Verweildauern am Pegel List-Hafen liegen die Sturmfluten vom 26. Dezember 2016 auf Rang 21 und bei der Höhe des eingetretenen Wasserstandes auf Rang 31 aller seit 1900 aufgetretenen Sturmfluten. Es stelle damit eine Sturmflut dar, die im Mittel der letzten 116 Jahre etwa alle vier bis fünf Jahre auftreten würde, so das LKN. Allerdings wies die Sturmflut am zweiten Weihnachtstag eine relativ lange Verweilzeit auf – und einen hohen Wellengang: Die Wellenhöhe vor Sylt erreichte am 26. Dezember gegen 23 Uhr mit rund 5,5 Metern den höchsten Wert.

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