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Wassersport auf der Insel : Strengere Regeln für Kitesurfer auf Sylt

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Große Freiheit ade: Eine neue Verordnung soll beliebten Trendsport im Nationalpark Wattenmeer einschränken.

shz.de von
erstellt am 07.Okt.2015 | 05:06 Uhr

Sylt | Momentan ist das Kitesurfen im schleswig-holsteinischen Nationalpark Wattenmeer fast überall erlaubt. Das soll sich nun jedoch ändern, denn ab 2016 soll Kitesurfen auch hier grundsätzlich verboten werden. Doch für Insulaner und Urlaubsgäste, die diesen Trendsport ausüben, gibt es beruhigende Nachrichten: Kitesurfen an den Sylter Küsten soll auch zukünftig erlaubt bleiben – allerdings mit Einschränkungen.

Diese Einschränkungen dürften für Sylter Kiter allerdings keine sein – denn bereits bisher galten sie auf der Insel auf freiwilliger Basis und wurden von den Sportlern weitgehend eingehalten. Darüber sind sich auch die Mitglieder des Umwelt- und Küstenschutzausschusses einig, der am vergangenen Montag tagte und sich mit dem Thema aus aktuellem Anlass beschäftigte: Das Verbot des Kitens sieht eine geplante Novellierung einer Verordnung vor, die sich mit den Wasserstraßen im Nationalpark beschäftigt. An der Novellierung arbeitet derzeit das Bundesverkehrsministerium gemeinsam mit den Küstenländern Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein. Auch künftig sollen, insbesondere für touristische Regionen, Ausnahmeregelungen möglich sein, berichtete Norbert Grimm vom Amt für Umwelt, Landschaft und Küste während der Ausschuss-Sitzung. Das beträfe sowohl einzelne Gebiete, in denen das Kitesurfen weiterhin erlaubt sein soll, als auch zeitliche Einschränkungen, die zum Beispiel in der Badesaison im Sommer gelten könnten. Um rechtzeitig die Interessen der Insel, aber ebenso die anderer Urlaubsregionen der Westküste in das Gesetzgebungsverfahren einzubringen, habe es in den vergangenen Wochen erste Gespräche bei der Nationalparkverwaltung (NPV) in Tönning gegeben, teilte Grimm mit. Übereinstimmender Tenor: Nicht das Verbot dürfe im Vordergrund stehen, vielmehr soll eine klare Ausweisung von Kitesurfzonen mehr Sicherheit und Verlässlichkeit für alle Beteiligten bringen. Die Nationalparkverwaltung wurde beauftragt, in den notwendigen Abstimmungsprozess alle Gemeinden und Ämter, aber auch Fachbehörden, Organisationen wie Kitesurfklubs sowie Naturschutz- und Tourismusverbände einzubinden.

Eine Novellierung der Verordnung sei dringend erforderlich, weil es seit Ende der 1990er Jahre im Nationalpark Wattenmeer ganz unterschiedliche Bestimmungen für Schutzzonen von Robben und Vögel gebe, sagte Kirsten Boley-Fleet. „Die Neuregelungen betreffen aber nur das Kitesurfen“, betonte die zuständige NPV-Fachbereichsleiterin. „Es geht nicht um’s Windsurfen oder andere Surfsportarten.“ Derzeit sei das Kitesurfen an der Küste Schleswig-Holsteins völlig frei, bis auf kleinere Rast- und Brutgebiete von Vögeln. „Wir haben das bisher großzügig behandelt – und so soll es auch bleiben.“ Die Nationalparkverwaltung wolle Kitesurfen nicht verbieten, sondern vielmehr „proaktiv ausweiten“, erklärte Boley-Fleet.

Ähnlich sehen dies die Sylter Kommunalpolitiker: „Das Kitesurfen an unseren Küsten ist grundsätzlich unproblematisch“, sagte Manfred Uekermann (CDU). „Wir haben das alles gut im Griff auf Sylt.“ Er freue sich, dass alle Naturschutzverbände mit im Gespräch seien, erklärte Roland Klockenhoff. Allerdings plädierte der Grünen-Politiker dafür, bestimmte Regionen an den Badestränden der Westküste vom Kitesurfen künftig auszuklammern.

Beteiligt an den Gesprächen war auch die Arbeitsgemeinschaft Naturschutz und Wassersport Sylt – eine Interessenvertretung von Kitesurfern, die mittlerweile den Kite Club Sylt gegründet haben. „Kitesurfen im Einklang mit Natur und Umwelt – das ist unser Credo und das haben wir auch bisher schon sehr gut geschafft“, sagt der Vorsitzende Dirk Effler. Er setzt sich dafür ein, die bisherigen Kitesurf-Spots auf Sylt zu erhalten und in die neuen Ausnahmeregelungen aufzunehmen. Im Norden der Insel sind das der Bereich Königshafen vor List am Ellenbogen, im Süden das so genannte Möwennest an der Hörnumer Ostküste. Kitesurfen soll weiterhin auch an der gesamten Westküste von der Strandhalle in List bis hinunter nach Kap-Horn vor der Hörnum-Odde erlaubt sein.

Ganz ohne Änderungen wird die Übernahme dieser Spots aber wohl nicht möglich sein: So sollen zum Beispiel Kite- von Badezonen getrennt werden und bei der Planung die sogenannten Korridore im Brandungsbereich zu den Kitesurf-Gebieten berücksichtigt werden. Außerdem gelte es, rechtliche Fragen und Zuständigkeiten zu klären – zum Beispiel, wie Kitesurfgebiete kenntlich gemacht werden und wer dafür verantwortlich ist. Der Kite Club Sylt schlägt vor, an den Insel-Spots Hinweistafeln aufzustellen und in einem weiteren Schritt vor allem für Ortsunkundige spezielle Reviereinweisungen vorzunehmen. „Aber das sind alles Ideen für die Zukunft“, sagt der Vereinsvorsitzende Dirk Effler. „Erst müssen wir ja mal sehen, wann die neuen Bestimmungen überhaupt in Kraft treten.“

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