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Sylter Rundschau

19. Oktober 2017 | 10:06 Uhr

Streiten für die Zukunft der Gemeinde

vom

Kommunalpolitiker fordern Begrenzung des Tourismus / Fusion gilt als Erfolgsmodell / Kritik an der Bebauung des Fliegerhorstes

shz.de von
erstellt am 10.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Westerland | Welchen Tourismus braucht die Insel, können Sylts Grundschulen erhalten werden und wie kommen die Insulaner zu mehr Wohnraum? Über diese und weitere Themen diskutierten zwei Stunden lang Vertreter der bei der Kommunalwahl in der Gemeinde Sylt antretenden Parteien und Wählergemeinschaften. Rund 140 Besucher verfolgten die von der Sylter Rundschau organisierte Podiumsdiskussion im Alten Kursaal. Auf der Bühne: Maria Andresen (Grüne), Dirk Ipsen (SWG), Gerd Nielsen (SPD), Klaus Jensen (SSW), Oliver Sippel (Piraten), Wolfgang Jensen (CDU) und Lars Schmidt (Insel-Liste Zukunft Sylt).

Absolute Priorität für die Diskussionsteilnehmer - das war nach der ersten Vorstellungsrunde klar - nimmt im Wahlkampf das Thema Wohnungsbau ein: Nur bei der Frage nach der Umsetzung gibt es unterschiedliche Ansätze. Lars Schmidt bekam für seinen umstrittenen Vorschlag, den Fliegerhorst mit 2 500 Wohnungen zu bebauen, unerwartete Schützenhilfe aus dem Lager der Christdemokraten - sowie von der Piratenpartei: "Die CDU ist in der Frage des Fliegerhorstes gespalten", sagte Wolfgang Jensen. Er signalisierte, dass die CDU dem Plan nicht im Wege stehen würde, wenn der Wähler die Bebauung wolle und es in der neuen Gemeindevertretung entsprechende Mehrheiten gebe. "Wenn wir es schaffen, die Insel verkehrstechnisch zu entlasten, dann stehe ich voll hinter dem Konzept von Herrn Schmidt", schloss sich ein gut vorbereiteter und eloquent auftretender Oliver Sippel von der Piratenpartei an. Harte Kritik für das Gedankenspiel Fliegerhorst kam daraufhin von SPD, SSW, SWG und Grünen: Abgesehen von der offenen Finanzierungsfrage - für das Grundstück würde eine millionenschwere Nachzahlung an den Bund fällig werden - sei das Grundstück generell schützenswert. "Einen neuen Stadtteil aufzumachen ist schlicht Unfug. Wir sollten die Fläche für städtebauliche Maßnahmen der nächsten Generationen erhalten", plädierte Gerd Nielsen für einen nachhaltigen Umgang mit dem Gelände.

Ist die Gemeinde-Fusion ein Erfolgsmodell? Diese Frage beantworteten SPD, SWG, CDU und Piratenpartei mit einem deutlichen "Ja". Als einziger warb Lars Schmidt für die Einführung eines Amtsmodells mit eigenständigen Gemeinden und einem direkt gewählten Inselparlament. Die übrigen Kandidaten drangen stattdessen auf eine Ausweitung der Fusion: "Die Insel ist über Jahrzehnte fremdbestimmt worden - die Fusion ist die Lösung", sagte Dirk Ipsen. Auf die Frage nach seiner Zukunftsprognose für die nächsten fünf Jahre sagte Gerd Nielsen: "List wird bei uns anklopfen, Kampen und Wenningstedt niemals und bei Hörnum mache ich mal ein Fragezeichen."

Deutlich verhaltener wurden die Aussagen der Kommunalpolitiker, als Moderator und Leiter der Lokalredaktion Jörg Christiansen die Frage nach der Zukunft der Grundschulen stellte. Nur Gerd Nielsen fasste das Thema hart an: "Sechs Grundschulen werden nicht zu halten sein. 2025 werden wir vielleicht nur noch zwei haben." Mit Blick auf den demographischen Wandel sei es besser, die Einsparungen durch Schließungen in andere Förderung der Kinder zu stecken, "als in alte Schulgebäude zu investieren". Auf dem Podium herrschte Einigkeit darüber, dass die Insel dringend ein gemeinsames Grundschulkonzept benötigt. Konkrete Vorschläge blieben jedoch aus.

Auch über zusätzliche Angebote für Jugendliche wurde debattiert. Zum Stichwort Funsporthalle, das seit über einem Jahrzehnt regelmäßig durch die Debatte geistert, schlug Maria Andresen vor: "Wenn die Mehrheit der Selbstverwaltung die Halle nicht bezahlen will, dann ist das ein Teil des touristischen Angebotes, dass der ISTS zu schultern hat." Dem Eindruck einer mangelnden Förderung von Jugendlichen widersprach dagegen Klaus Jensen: "Wir nehmen viel Geld in die Hand, um die Vereine der Insel zu unterstützen." Welche Aktivitäten aber Jugendlichen, die nicht in Vereinen organisiert sind, in Zukunft angeboten werden sollen, blieb damit unbeantwortet.

"Viele Sylter haben ein gespaltenes Verhältnis zum Tourismus - wie soll er in Zukunft gestaltet werden?", fragte anschließen Michael Stitz, Chefredakteur des Medienhauses Sylt, und traf damit einen wunden Punkt. Klaus Jensen bezog daraufhin deutlich Stellung gegen den "ausartenden Massentourismus": " Zehn Prozent weniger Urlauber würden der Insel vielleicht mal ganz gut tun", brachte der SSW-Kandidat seine Meinung zum Ausdruck. Auch Dirk Ipsen wählte klare Worte: "Es ist so etwas wie ein Aldi- oder Lidl-Tourismus entstanden, der unsere Straßen verstopft." Wenn man weiterhin Erfolg haben wolle, so müsse Sylt verstärkt auf Qualität setzen. Auch Gerd Nielsen fand: "Wir sollten mehr den Gast ansprechen, der zu uns passt." Lars Schmidt forderte daher klare Markenleitbilder für die einzelnen Inselorte, "eine schöne Natur haben auch andere Orte". Und Maria Andresen von den Grünen wünschte sich vor allem eines: "Balance zwischen Einheimischen und Touristen". Bu

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