Radfahren auf Sylt : Streit um Sylter Radwege

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Gemeindevertreter warten auf Radverkehrskonzept der Gemeindeverwaltung.

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24. Mai 2018, 05:30 Uhr

Gut ausgebaute Radwege auf Sylt? Da kann Christian Thiessen nur müde lachen. „Wir haben den Trend zum Fahrrad verschlafen“, glaubt der Sylter Gemeindevertreter von der Piratenpartei. Der Engpass auf den Hauptverkehrswegen der Radfahrer, über den unsere Zeitung gestern berichtete – für Thiessen steckt dahinter vor allem ein Versäumnis der Inselverwaltung.

Schon die letzte Gemeindevertretung habe die Verwaltung beauftragt, ein Radwegkonzept vorzulegen, doch darauf warte man nun seit über fünf Jahren. „Wir brauchen ein Konzept, um Zuschüsse für den Radwegbau beantragen zu können“, erläutert Thiessen. „So wurden fünf Jahre lang Zuschüsse verschenkt.“ Stattdessen sei der Radweg entlang der Landesstraße 24 zwischen Westerland und Hörnum vor zwei Jahren erneuert worden – mit allen alten Fehlern. Mit einer Breite von 1,6 Metern dürften sich nicht einmal zwei Radfahrer mit Anhängern begegnen, ohne dass es brenzlig wird. Die dünne Asphaltdecke sei schon wieder brüchig und weil die Bankette nicht angeglichen wurde, gebe es zu beiden Seiten gefährliche Absätze.

Die Radwege auf Sylt seien durchweg zu schmal, kritisiert Thiessen. Daher seien Radfahrer auch nicht an die Radwegepflicht gebunden und dürften auf die Straße ausweichen. Drei Meter Radwegbreite wären das Minimum, an stark frequentierten Stellen auch vier Meter.

Lothar Koch von den Sylter Grünen stößt ins gleiche Horn: „Mit zunehmender Saison wird deutlich, dass wir dringend das Radverkehrskonzept umsetzen müssen, damit die Verkehrsdichte von Fußgängern und Radfahrern nicht zu mehr Unfällen führt.“ Fördertöpfe stünden bereit, der Kieler Koalitionsvertrag sehe Zuschüsse für alternative Verkehrskonzepte und den Bau von Radwegen vor.

Margot Böhm, frischgewählte Gemeindevertreterin der Lister Grünen, mahnt dazu, auch die Fußgänger zu berücksichtigen. „Die sollen ja nicht jedes Mal zur Seite springen müssen, wenn Radfahrer vorbeikommen.“ Für sie ist es unverständlich, dass der Autoverkehr an einigen Stellen auf Sylt, wo er den Radverkehr kreuzt, Vorrang hat. „Wir müssen dafür sorgen, dass die Radfahrer wieder Spaß an der Fortbewegung haben, und nicht darüber nachdenken müssen, wie sie aus dem Gedränge wieder herauskommen.“

Doch das Radverkehrskonzept der Gemeinde Sylt lässt auf sich warten, ein zuständiger Mitarbeiter hat im letzten Jahr gekündigt. „Bedingt durch Personalengpässe in der Abteilung Tiefbau war und ist die Erstellung des Radverkehrskonzeptes nicht so schnell möglich, wie eigentlich beabsichtigt“, hieß es in einer Verwaltungsvorlage für den Umweltausschuss am 30. April.

Bürgermeister Nikolas Häckel verweist darauf, dass „in den zwei vergangenen Jahren im Zentrum schon vieles“ für den Radverkehr getan worden sei. „Kurzfristig soll nun noch der Radweg im Trift verbessert und der Kiesbereich gegenüber dem Kleinen Trift gepflastert werden.“

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