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Festlandfirmen auf der Insel : Streit um Sylter Gewerbesteuer

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Zahlen alle Betriebe vom Festland, die sechs Monate am Stück auf der Insel tätig sind, auch ordnungsgemäß Gewerbesteuer auf Sylt? Die Diskussion um die Steuerehrlichkeit von Festland-Firmen wird erneut geführt. Die Gemeinde schreibt bereits Firmen an.

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erstellt am 14.Sep.2013 | 16:35 Uhr

Es ist kein Geheimnis, dass Sylt auf der Landkarte von Handwerks-Firmen vom Festland eine feste Größe ist. Besonders am Ende der Arbeitswoche verlassen unzählige Firmenwagen mit dem Autozug die Insel und belegen damit eine attraktive Auftragslage für nicht ortsansässige Unternehmen.

Bereits in der Vergangenheit fragten sich Beobachter, ob diese Firmen auch ihren ordnungsgemäßen Beitrag zu den Gewerbesteuereinnahmen der Gemeinde leisten (2012: 14,6 Millionen Euro). Denn gemäß der Abgabenverordnung ist Gewerbesteuer von allen Firmen zu zahlen, sobald sie länger als sechs Monate am Stück innerhalb der Gemeinde Sylt arbeiten. Dass Dachdecker, Gärtner und andere Handwerker ihren Inselumsatz aber oft an der Gemeindekasse vorbeischleusen, davon ist der Sylter Immobilienmakler Reinhold Riel überzeugt: „Es gibt Firmen, die seit 30 Jahren für mich arbeiten und von denen ich verbindlich weiß, dass sie hier noch keine Gewerbesteuer abgeführt haben.“ Dies sei ein Zustand, so der Unternehmer, der Sylter Firmen im Wettbewerb benachteilige und deswegen schnellstens abgestellt gehöre. „Das Geld liegt auf der Straße. Man muss es nur aufsammeln.“

Gemeindekämmerer Harro Johannsen bestätigt, dass aufgrund der immer wieder aufbrechenden Diskussion, „aktuell einige auswärtige Firmen angeschrieben“ worden seien. Doch statt steuerlicher Mehreinnahmen für die Gemeinde, hätten die Anwortschreiben belegt, dass „überwiegend die einzelnen Bauausführungen nicht durchgehend länger als sechs Monate gedauert haben“, so Finanzexperte Johannsen.

In den Augen von Reinhold Riel betreibt die Gemeinde jedoch zu wenig Aufwand, um den Steuersündern auf die Spur zu kommen. Er plädiert daher für mehr Kreativität: „Es gibt viele Wege, um diese Firmen zu erfassen – allerdings setzt dies auch den vollen Willen zur Erfassung voraus.“ So könnte beispielsweise Politessen für diese Arbeit eingesetzt werden, so Riels Vorschlag.

Solchen Überlegungen erteilt Kämmerer Johannsen mit Verweis auf die Zuständigkeit des Finanzamtes eine Absage: „Die Frage, welcher Gemeinde der Gewerbesteueranspruch zusteht, wird durch das zuständige Finanzamt entschieden.“ Zudem fehle der Gemeinde ein Instrument, um Steuerflüchtlinge zu überführen. „Rechtlich nachhaltige Überprüfungsmöglichkeiten“, wo und wann eine auswärtige Firma zu welchem Zeitpunkt tätig war, gebe es nicht.




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