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Hörnum : Streit um Sylter Crêpes-Bude: Pächter will vor Gericht ziehen

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Sylt Crêpes ist bei Hörnumern beliebt. Jetzt aber soll der Betreiber gehen - völlig zu Unrecht, sagt der 53-Jährige.

Hörnum | Die Hand, in der Dirk Werk seine Zigarette hält, zittert. Er ist verzweifelt und empört. In drei Monaten – also zu Beginn der Sommersaison – muss der Betreiber von Sylt Crêpes in Hörnum seine Bude am Hafen verlassen. Der Pachtvertrag mit der Gemeinde Hörnum soll nicht verlängert werden. Das hatten die Gemeindevertreter im Inselsüden vor rund einer Woche einstimmig beschlossen. Ein neuer Pächter soll den Laden übernehmen. Völlig zu unrecht, findet der 53-Jährige. Allein persönliche Probleme, die der Hörnumer Bürgermeister von der Allgemeine Wählergemeinschaft (AWGH) mit ihm habe, seien der Grund dafür. „Rolf Speth will meine Existenz zerstören – er mag mich und meine Frau nicht und will uns loswerden“, sagt der Mann mit dem braun gebrannten Gesicht.

Das ganze Jahr über ist sein Laden, in dem er neben der bretonischen Form des Eierkuchens auch Kaffee und Getränke verkauft, geöffnet. Im Jahr 2012 hatte er ihn von seinem Vorgänger Peter Mähr übernommen, der die Crêpes-Bude 30 Jahre betrieben hatte.

Der Vertrag für das rund fünf mal drei Meter große Areal sollte bis 2017 laufen, so steht es in einem Schreiben des Amt Landschaft Sylt vom April 2012. „Danach müssten neue Verhandlungen aufgenommen werden“, heißt es dort weiter. Diese Gespräche hätten jedoch nie stattgefunden, klagt Werk.

Im Januar dieses Jahres habe er aus der Zeitung erfahren, dass die „Fläche zum Betrieb eines Crêpe-Standes am Hafen“ – wie es in der Tagesordnung der Gemeindevertretung heißt – öffentlich neuen Pächtern angeboten wurde.

„Diese Ausschreibung hätte es so nicht geben dürfen“, sagt der Crêpe-Produzent. Zudem sei das Prozedere „juristisch falsch“. Die Gemeinde würde sein Eigentum ausschreiben, denn allein die Fläche, auf der das Verkaufshäuschen steht, gehöre der Gemeinde. Die Holzaufbauten inklusive gemauerter Treppen sowie Gas-und Wasseranschlüsse stünden auf dem Boden des Wasserschifffahrtsamtes und würden ihm gehören. „Das werde ich alles abreißen, wenn hier jemand neues herkommt“, sagt er. Zudem wolle die Gemeinde zukünftig eine Pacht verlangen, die „weit über dem vergleichbaren Marktwert liegt“. 700 Euro zahle er im Moment monatlich – demnächst sollen es über 2000 Euro sein, behauptet Werk.

Ein Anruf bei Rolf Speth sei bisher ohne Erfolg geblieben. Die Gründe, weshalb der Bürgermeister „ihn loswerden will“, sind für Werk klar: Bereits in der Vergangenheit habe es immer wieder Attacken des Bürgermeisters gegeben. Unter anderem habe dieser ihm untersagt, auf dem gepachteten Gelände Lesungen zu halten sowie Kinderfeste zu feiern. Zwei Mal habe seine Frau Bürgermeister Rolf Speth außerdem bei Gericht „vorgeführt“. Deshalb sei die Kündigung jetzt, „ein reiner Racheakt, der greift zu allen Mitteln“.“

Werk will sich jetzt wehren. Viel Zeit bleibt ihm dazu nicht: Am 30. Juni läuft der Pachtvertrag aus. Jetzt will er vor Gericht ziehen, um zu verhindern, dass er den Laden verliert. „Hier werden Straftatbestände erfüllt“, sagt er. Auch eine Unterschriftenaktion soll demnächst starten. Unterstützt werden Dirk Werk und seine Frau zudem in den sozialen Netzwerken. „Ich kann es nicht glauben“, schrieb Sylvia Schmidtmann unter einen Facebook-Post von Werks Frau Uschi Menning.

Einen Tag nach der Sitzung der Gemeindevertreter, auf der im nicht-öffentlichen Teil entschieden worden war, dass ein anderer den Zuschlag für die Crêperie am Hafen bekommt, hatte sie dort ihrem Ärger Luft gemacht. „Das ist Hörnum: Korrupt, strafrechtlich bedenklich, ... wir sind traurig und fassungslos ob solcher Machenschaften eines Mannes, der eigentlich absolut ohne Bildung sein Amt erlangt hat“, schreibt sie.

Dass es sich bei der Neuausschreibung um ein gängiges Prozedere handelt – wie es in zahlreichen anderen Orten auf der Insel gang und gäbe ist – und kein Angriff gegen eine Person, spielt in den Gedanken des erzürnten Paares keine Rolle.

„Das ist ein normaler Vorgang: Wenn ein Pachtvertrag ausläuft, wird dieser neu ausgeschrieben“, sagt Bürgermeister Rolf Speth, der durchaus Verständnis für die Situation von Dirk Werk hat, aber diese Entscheidung nicht selbst getroffen hat, sondern die Gemeindevertretung. Als gesetzeswidrig sieht er sein Handeln nicht. Persönliche Differenzen, die dazu geführt hätten, Werk nicht als weiteren Betreiber der Fläche zu wählen, streitet er vehement ab. Stets „gut und sauber“ habe dieser den Laden geführt – hier gäbe es nichts zu beanstanden. Auch wenn er zugibt, dass es in der Vergangenheit Zwist gegeben habe.

„Wir und die Inselverwaltung haben eine sachliche Entscheidung getroffen“, beteuert er. Bezüglich der – laut Werk – falsch angegebenen Pachtfläche sowie der Pachtsumme möchte er sich nicht äußern. Bewerbungsgespräche mit drei verschiedenen Interessenten hätten bereits stattgefunden. „Wir haben uns für jemanden entschieden, der ebenfalls Crêpes verkauft“, sagt Speth. Namen wollte er nicht nennen.

Bis ein neuer Betreiber kommt, will Dirk Werk weiter kämpfen. Aber auch für den Fall, dass seine Bemühungen scheitern, hat er schon einen Plan. „Wir werden uns einen neuen Standplatz suchen – allein aus der Verantwortung heraus, die wir unseren Angestellten gegenüber haben.“

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erstellt am 03.Apr.2017 | 05:13 Uhr

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