Gastronomie auf Sylt : Streit um Strandrestaurant „Wonnemeyer“ eskaliert

Das Strandrestaurant „Wonnemeyer“ in Wenningstedt soll am 1. Januar 2018 für immer geschlossen und abgerissen werden.

Das Strandrestaurant „Wonnemeyer“ in Wenningstedt soll am 1. Januar 2018 für immer geschlossen und abgerissen werden.

In Pressemitteilungen nehmen jetziger Betreiber und Tourismus-Service erneut Stellung. Es gibt kaum noch Chancen auf eine Einigung zum Erhalt der beliebten Location in Wenningstedt.

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31. Dezember 2017, 17:28 Uhr

Der auf offener Bühne ausgetragene Streit um eine Verlängerung des Pachtvertrages für das Restaurant „Wonnemeyer am Strand“ geht weiter, nimmt an Schärfe sogar noch zu. Am Freitag hatten die Betreiber des beliebten Sylter Beachrestaurants angekündigt, die Location bereits zum 1. Januar 2018 für immer zu schließen – der Grund laut Geschäftsführer Rüdiger Meyer: Der für die Verpachtung zuständige Tourismus-Service Wenningstedt-Braderup (TSWB) habe einer Verlängerung des Pachtvertrages für nur vier Jahre zugestimmt, gleichzeitig aber eine aufwendige, 400.000 Euro teure Erneurung des von Stürmen schwer geschädigten Podestes gefordert, welche die Betreiber aus eigener Tasche zahlen sollten. Dies sei wirtschaftlich nicht umsetzbar, deshalb der Entschluss, „Wonnemeyer“ in Wenningstedt zu schließen sowie das Restaurant in den kommenden Wochen abzureißen und der Gemeinde ein „besenreines Grundstück“ zu übergeben.

Henning Sieverts, Chef des Wenningstedter Tourismus Service (TSWB), erklärte am Freitag, „ohne jede Rechtspflicht dazu hätte der TSWB ein nach seiner Auffassung wirtschaftlich faires und für den derzeitigen Pächter tragfähiges Angebot für eine ‚ausschreibungsfreie‘ Verlängerung von vier Jahren unterbreitet. Mit den Konditionen hätte sich Meyer auch inhaltlich schon Anfang November einverstanden erklärt, es habe nur noch die rechtsverbindliche Umsetzung ausgestanden.“

In neuen Pressemitteilungen äußerten sich beide Seiten am Wochenende zu den Vorgängen: Rüdiger Meyer erklärt darin, „es ist sicher nachvollziehbar, dass sich eine Investition von 400.000 Euro innerhalb von vier Jahren nicht amortisieren lässt, insbesondere dann, wenn man nach vier Jahren quasi enteignet wird.“ Der Familie Wonneberger/Meyer und der Firma „Wonnemeyer“ falle es „unendlich schwer“, das Ende ihrer „Strandbude“ zu erleben. „Wir haben alles versucht, mit der TSWB zu verhandeln.“ Abschließend schreiben die jetzigen Betreiber: „Wir hoffen noch immer auf eine einvernehmliche Lösung mit der TSWB und mit den Gemeindevertretern. Eine Verlängerung der Pachtzeit oder eine faire Vergütung bei einem späteren Verkauf unseres Restaurants wurde von uns vielfach vorgeschlagen. Für eine angemessenen Erhöhung der Pachtgebühr für ‚unser‘ Stück Strand und der Lagerflächen in der Strandkorbhalle haben wir Verständnis.“

In einer, ausdrücklich von allen Mitgliedern des Aufsichtsrates unterzeichneten Erklärung des Tourismus-Service Wenningstedt-Braderup heißt es dazu, dass von Pächterseite versucht worden sei, „über die Ankündigung einer Öffentlichkeitskampagne Druck auf die Geschäftsführung des TSWB aufzubauen, um in letzter Minute nun doch eine Vertragsverlängerung zu erreichen, und zwar zu für den vom Pächter gewünschten Konditionen.“ Aufsichtsrat und Geschäftsführung des TSWB würden „diese Art der Verhandlungen und einen solchen taktischen Zickzack-Kurs“ strikt ablehnen. „Es wird keine Nachverhandlungen zu einer Verlängerung des Pachtverhältnisses mit Herrn Meyer geben. Der Vertrag endet mit dem Ablauf des heutigen Tages.“

Die Sylter Rundschau dokumentiert nachfolgend im Wortlaut die Erklärungen von „Wonnemeyer“ und des Tourismus-Service Wenningstedt-Braderup. Wir werden in unserer ersten Ausgabe im neuen Jahr 2018 erneut ausführlich über dieses Thema berichten, das weit über die Grenzen der Insel hinaus – insbesondere auch in den sozialen Netzwerken – für Schlagzeilen und große Resonanz sorgt.

Wonnemeyer – Pressemitteilung die Zweite vom 30. Dezember 2017

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Im Nachgang zu unserer Presseerklärung vom 29.12.2017 und zur Erwiderung der Tourismus Service Wenningstedt Braderup GmbH &Co KG (TSWB) möchten wir mit den folgenden Informationen zur Transparenz beitragen und etwas näher erläutern, warum es uns nicht möglich ist, dem bisher nicht verhandelbaren Vertragsangebot der TSWB zuzustimmen.

Wie inzwischen in der Presse in Erinnerung gerufen, hat die Bürgermeisterin der Gemeinde Wenningstedt-Braderup und Aufsichtsratsvorsitzende der TSWB Frau Katrin Fifeik bereits im September 2016 eine Ausschreibung für den Betrieb eines Strandrestaurants an der „Wonnemeyer-Location“ öffentlich angekündigt. Diese Ausschreibung ist in den Jahren 2016 und 2017 nicht erfolgt, obwohl die terminliche Situation bekannt war.

Die TSWB brachte nunmehr die Frage der Statik des südlichen, nach dem letzten großen Sturm noch nicht erneuerten Podests auf und bot uns eine Verlängerung des Pachtvertrags um 4 Jahre an. Eine Auflage für diesen Vertrag ist die Ertüchtigung der Pfahlgründung auf Basis einer Stahlkonstruktion. Die Option einer Ausschreibung war von der TSWB fortan nur noch für den Fall eines Scheiterns der angebotenen Vertragsverlängerung um vier Jahre im Gespräch.

Für die Erneuerung der Pfahlgründung des südlichen Teils unseres Restaurants und weiterer Sicherungsmaßnahmen sind 400.000 Euro veranschlagt.

Die TSWB bestand auf einer aufwändigen Lösung mit Stahlbohrpfählen. Eine einfachere, kostengünstigere Lösung – statisch vollkommen gleichwertig und von uns im September 2017 vorgeschlagen – wurde mit Hinweis auf einen TSWB-Aufsichtsratsbeschluss vom August 2017 abgelehnt. Die von uns vorgeschlagene Lösung wäre für die vorgeschlagene Vertragslaufzeit ausreichend gewesen. Die TSWB bestand auf einer „Jahrhundertlösung“.

Der Beschluss des TSWB-Aufsichtsrates ist uns – trotz mehrfacher Nachfrage – bis heute nicht vorgelegt worden. Wir waren bereit, auch die hohen Investitionskosten allein zu tragen, wenn nicht weitere von TSWB geforderte Vertragsklausen einer betriebswirtschaftlichen Tragfähigkeit vollkommen entgegenstünden:

>Der vom TSWB vorgelegte Vertrag sieht bei einer Verlängerung der Pachtzeit um 4 Jahre weiter vor, dass das neue Bauwerk und alle vorhandenen Aufbauten am Ende der Vertragslaufzeit (4 Jahre) unentgeltlich an die Gemeinde zu übereignen sind.

>Eine Restwertzahlung durch die Gemeinde ist anteilig nur für die Reparaturmaßnahmen infolge des Sturm Xaver am Nikolaustag 2013 vorgesehen. Diese Reparaturmaßnahmen betrafen im Wesentlichen die WC-Anlage und den nördlichen Bereich des Podestes.

>Die Reparaturkosten infolge des Sturmes haben wir vollumfänglich allein finanziert.

Es ist sicher nachvollziehbar, dass sich eine Investition von 400.000 Euro innerhalb von vier Jahren nicht amortisieren lässt, insbesondere dann, wenn man nach vier Jahren quasi enteignet wird.

Uns, der Familie Wonneberger/Meyer und der Firma „Wonnemeyer“ fällt es unendlich schwer, das Ende unserer „Strandbude“ zu erleben. Wir haben alles versucht, mit der TSWB zu verhandeln. Der offenbar umfassende Beschluss des Aufsichtsrates der TSWB ließ dem Geschäftsführer Herrn Henning Sieverts nach seiner Auskunft keinen Verhandlungsspielraum.

Wir hoffen noch immer auf eine einvernehmliche Lösung mit der TSWB und mit den Gemeindevertretern. Eine Verlängerung der Pachtzeit oder eine faire Vergütung bei einem späteren Verkauf unseres Restaurants wurde von uns vielfach vorgeschlagen.

Für eine angemessene Erhöhung der Pachtgebühr für „unser“ Stück Strand und der Lagerflächen in der Strandkorbhalle haben wir Verständnis.

Über die vielen Vertrauens- und Solidaritätsbekundungen aus dem In- und Ausland bedanken wir uns von ganzem Herzen. Wir freuen uns, dass Wonnemeyer bei vielen Gästen ein fester Bestandteil des Urlaubs geworden ist.

Die Wonnemeyers

Tourismus-Service Wenningstedt-Braderup (TSWB) – Pressemitteilung vom 31. Dezember 2017

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Tourismus-Service Wenningstedt-Braderup lehnt Nachverhandlungen über Verlängerung des Pachtvertrages mit Wonnemeyer ab

Aufgrund der vom bisherigen Pächter des Strandlokals „Wonnemeyer“, Herrn Rüdiger Meyer, durch seine „Pressemitteilung die Zweite“ vom 30.12.2017 bedauerlicherweise in die Öffentlichkeit getragenen Vorgänge um die Verhandlungen zur Verlängerung des Pachtvertrages sieht sich der Tourismus-Service Wenningstedt-Braderup ergänzend zu seiner ersten Pressemitteilung vom 30.12.2017 zu der vorliegenden Stellungnahme veranlasst:

In seiner ersten Pressemitteilung vom 30.12.2017 hatte der TSWB bereits erläutert, dass er bis zum 21.12.2017 noch von Herrn Rüdiger Meyer in dem Glauben belassen wurde, dass Einigkeit über die Verlängerung des Pachtvertrages über 4 Jahre zu den ausgehandelten Konditionen bestand. Dies dokumentiert sich u.a. in einem hierzu von Herrn Meyer eingereichten Bauantrag zur Erneuerung der südlichen Podesthälfte, in entsprechender einvernehmlicher Korrespondenz zum Vertragstext mit dem Rechtsanwalt des Pächters sowie auch in der Information hierzu im gerade erschienenen Magazin des TSWB.

Völlig überraschend hatte Herr Meyer wie berichtet am 21.12.2017 in einem Gespräch erklärt, die ausgehandelte Verlängerung nun doch nicht mehr zu wollen. In einem Gesprächstermin mit dem Pächter am 28.12.2017 in den Räumlichkeiten des TSWB, bei dem über den Rückbau und die Räumung gesprochen werden sollte, wurde dann von Pächterseite versucht, über die Ankündigung einer Öffentlichkeitskampagne Druck auf die Geschäftsführung des TSWB aufzubauen, um in letzter Minute nun doch eine Vertragsverlängerung zu erreichen, und zwar zu für den vom Pächter gewünschten Konditionen.

Da hierauf seitens des TSWB nicht eingegangen wurde, versucht die Pächterseite nunmehr in durchsichtiger Weise, über die Öffentlichkeit ihre wirtschaftlichen Interessen durchzusetzen. Aufsichtsrat und Geschäftsführung des TSWB lehnen diese Art der Verhandlungen und einen solchen taktischen Zickzack-Kurs strikt ab. Es wird keine Nachverhandlungen zu einer Verlängerung des Pachtverhältnisses mit Herrn Meyer geben.

Der Vertrag endet mit dem Ablauf des heutigen Tages. Der TSWB widerspricht auch einer stillschweigenden Fortsetzung. Der TSWB wird, wie bereits angekündigt, die Podestanlage am Strand erneuern, für die Saison 2018 eine Interimslösung zur Strandversorgung organisieren und für die Jahre ab 2019 in einem öffentlichen Wettbewerbsverfahren einen Pächter für die Strandversorgung suchen. Hiermit wird sowohl dem aktuellen Pächter wie auch anderen Interessenten die Möglichkeit gegeben, sich mit einem attraktiven Konzept für unsere Gäste zu bewerben und gleichzeitig sichergestellt, dass eine Verpachtung zu fairen Konditionen erfolgt.

In Erwiderung auf die Presseerklärungen des Pächters möchten wir abschließend noch einige Fakten nennen, damit es auch unseren Gästen und Einwohnern, denen eine attraktive Strandversorgung zu Recht am Herzen liegt, möglich ist, sich eine Meinung zu bilden.

1) In dem bestehenden Pachtvertrag wurde mit 1925 Euro netto pro Monat eine sehr moderate Pacht für den Strandbereich, die dortige Toilettenanlage, und darüber hinaus noch ca. 100 qm Lagerhalle in der Strandkorbhalle des TSWB sowie 5 Pkw-Stellplätzen vereinbart. Dies konnte angesichts der sonst üblichen Mieten auf Sylt nur unter der Bedingung als marktgerecht vertreten werden, dass für die Erstellung und den Erhalt der Podestanlage und der dortigen Räumlichkeiten einschließlich nötiger Erneuerungen der Pächter verantwortlich ist.
So ist es bislang auch gehalten worden und so wäre es auch bei einer Vertragsverlängerung für die nächsten vier Jahre gehalten worden.

2) Als Ausnahme hiervon hat der TSWB nach dem Sturmschaden am Podest im Jahr 2014 dennoch Herrn Meyer vor dem Hintergrund der begrenzten Restlaufzeit seines Pachtvertrages ohne Rechtspflicht zugesichert, bei Beendigung des Pachtvertrages11/15 der nachgewiesenen Investitionskosten für die Erneuerung des nördlichen Podestteils zu erstatten. Bei einer Verlängerung des Vertrages um vier Jahre ohne vorherigen öffentlichen Wettbewerb hätte Herr Meyer, wenn er in vier Jahren im Bewerbungsverfahren unterlegen wäre, immer noch 7/15 bekommen. Insoweit ist die Aussage von Herrn Meyer, man habe die Reparaturkosten infolge des Sturmes vollumfänglich allein finanziert, nur die halbe Wahrheit.

3) Die von Herrn Meyer in seiner jüngsten Pressemitteilung angesprochene, „einfachere Lösung“ zur Erneuerung des südlichen Podestteils wäre nicht in der Dauerhaftigkeit und Qualität wie die vorgenannte Erneuerung des nördlichen Podestteils gewesen. In den Verhandlungen war bis dahin auch immer von der Lösung mit Stahlbohrpfählen analog dem nördlichen Podestteil gesprochen worden. So ist auch der Bauantrag von Herrn Meyer eingereicht worden.

4) Das – wie gesagt längst verhandelte – Angebot zur Vertragsverlängerung sah vor, die sehr günstige Pacht auch über die nächsten vier Jahre nicht zu erhöhen. Angesichts dessen war es nur fair, vom Pächter zu verlangen, dass dieser seiner Investitionspflicht im Interesse einer sicheren Benutzung der Anlagen nun nachkommt. Eine Rosinenpickerei – einerseits von der niedrigen Pacht zu profitieren, andererseits auch noch eine Abstandszahlung für fällige Investitionen bei Vertragsende zu erhalten – kam aus Sicht des TSWB nicht in Betracht.

5) Der Aufsichtsrat hat sich in vier Sitzungen intensiv mit den Vorschlägen von Herrn Meyer zur Vertragsverlängerung befasst und wurde dazwischen vom Geschäftsführer laufend über die Verhandlungen informiert. Er hat sich zu der Thematik eingehend juristisch beraten und ist einstimmig zu dem Entschluss gekommen, dass über das gemachte Angebot hinausgehende Zugeständnisse auch gegenüber anderen Pächtern und potentiellen Neubewerbern nicht vertretbar sind. Durch die Zusage von Herrn Meyer, das Angebot des TSWB annehmen zu wollen und die Einreichung eines entsprechenden Bauantrages seinerseits hierzu, mussten Aufsichtsrat und Geschäftsführung bis zum 21.12.2017 auch davon ausgehen, dass die Strandversorgung für die nächsten vier Jahre dort sichergestellt ist.

gez. Katrin Fifeik, Bürgermeisterin und Aufsichtsratsvorsitzende

gez. Henning Sieverts, Geschäftsführer und Tourismusdirektor

gez. Rainer Frankenberg, Mitglied des Aufsichtsrates

gez. Gerd Hausen, Mitglied des Aufsichtsrates

gez. Sabine Koppelt, Mitglied des Aufsichtsrates

gez. Thomas Rix, Mitglied des Aufsichtsrates

gez. Marc Welsch, Mitglied des Aufsichtsrates

gez. Ulrich Wilke, Mitglied des Aufsichtsrates

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