Streit um Sprachkurse beendet

Mit dem Projekt „Migranten in Teilhabe“ soll den Familien der Kinder mit Migrationshintergrund an der St. Nicolai-Schule in Westerland im Alltag geholfen werden.
Mit dem Projekt „Migranten in Teilhabe“ soll den Familien der Kinder mit Migrationshintergrund an der St. Nicolai-Schule in Westerland im Alltag geholfen werden.

Volkshochschule und Verein Integrationshilfe wollen künftig zusammen arbeiten – auch am Runden Tisch in einem Migrationsmodellprojekt

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05. Dezember 2014, 05:41 Uhr

Der Streit um die Sprachkurse für Asylbewerber auf der Insel ist beigelegt. Anfang dieser Woche trafen sich alle Beteiligten der Volkshochschule (VHS), des Vereins Integrationshilfe Sylt sowie der Verwaltung, des Kreises und des AWO-Landesverbandes zu einem Schlichtungsgespräch. Wie berichtet, standen Vorwürfe im Raum, dass der ehrenamtlich tätige Verein Schüler und auch Lehrkräfte von der VHS abwerben würde, um mit ihnen die eigenen Sprachkurse durchzuführen. Dadurch hätte die VHS auch nicht die Fördermittel des Landes und der EU für ein so genanntes Staff-Projekt zur Integration von Flüchtlingen abrufen können.

Für Bürgermeisterin Petra Reiber und auch für den Migrationssozialberater des Kreises, Peter Martensen, war es wichtig, dass sich die Akteure nicht gegenseitig behindern und dass unnötiges überflüssiges Misstrauen abgebaut wird. Um so mehr freut sich Reiber über die „sehr gute Gesprächsatmosphäre“ und über die vereinbarten Lösungen. „Alle Beteiligten haben überaus konstruktiv und kooperativ mitgewirkt.“ Als Ergebnis der Gesprächsrunde wurde vereinbart, dass künftig vier Sprachkurse in verscheidenen Niveaustufen von Anfängern bis Fortgeschrittenen stattfinden. Die Kurse werden zu festen Terminen zwischen der Volkshochschule und der Integrationshilfe aufgeteilt. Der Verein darf für seinen Unterricht weiterhin unentgeltlich Räume des Schulzentrums nutzen.

Unabhängig von den Ferienzeiten können dort die Kurse der Integrationshilfe immer montags bis freitags stattfinden. Die Nutzung soll durch einen, noch in Details auszuformulierenden Vertrag zwischen Gemeinde und Verein auf feste verbindliche Füße gestellt, so Bürgermeisterin Reiber. Gleiches gelte im übrigen für die Nutzung der Tinnumer Sporthalle. Auch zur Absicherung der sportlichen Aktivitäten der Asylbewerber soll es künftig eine Vereinbarung zwischen der Integrationshilfe Sylt und dem Turn- und Sportverein Tinnum 66 geben.

Beim Sprachunterricht soll es zwischen Integrationshilfe und Volkshochschule auch künftig keine Trennung dergestalt geben, dass der Verein sämtliche Kurse für Asylbewerber und die VHS ausschließlich Kurse für selbstzahlende Migranten durchführt. „Wir wollen doch nicht auf die Landes- und EU-Gelder aus dem Staff-Starterpaker verzichten“, sagt Petra Reiber. Ebenso wie mit den jährlich 12 000 Euro aus dem Gemeindehaushalt könnten damit allerdings nur Kurse an der VHS unterstützt werde. Mit dem „Friedensschluss“ zwischen der Verwaltung und dem Verein Integrationshilfe zum Thema Sprachunterricht wurde auch der Weg geebnet für die zukünftige Kooperation in Sachen Asylbewerberbetreuung überhaupt. Denn die Gemeinde Sylt ist einer von vier Modellstandorten für das Projekt „Willkommen in Nordfriesland“ des Kreises und des Landesverbandes Schleswig-Holstein der Arbeiterwohlfahrt (AWO). Mit knapp 8,8 Prozent hat Sylt den höchsten Ausländeranteil aller Städte und Gemeinden in Nordfriesland. Zum Stichtag 27. Oktober 2014 lebten von insgesamt 7 014 ausländischen Mitbürgern im Kreisgebiet 1 330 auf der Insel, darunter 792 aus EU-Staaten und 538 aus so genannten Drittstaaten. Zur Förderung des Modellprojekts hat das Land 20 000 Euro als Anschubfinanzierung zur Verfügung gestellt, die in die Arbeit von vier Runden Tischen fließen, erläutert Migrationssozialberater Martensen. Das Sylter Projekt soll Anfang 2015 starten. Sylt sei ausgesucht worden, weil Migration auf der Insel seit jeher einen hohen Stellenwert besitzt. Ausländische Mitbürger sind hier überwiegend im Bereich der Gastronomie tätig und somit laut Auskunft des Kreises das „Rückgrat des wichtigsten Wirtschaftsfaktors“. Trotz der angespannten Wohnraumsituation zeige die Inselverwaltung ein hohes Engagement, um neu zugewanderte Menschen willkommen zu heißen. Die Dialogbereitschaft zwischen Verwaltungsinstanzen, ehrenamtlichen Unterstützern und Migranten sei bemerkenswert. Jetzt komme es darauf an, das Engagement und die Hilfsbereitschaft aller Akteure in eine Form zu bringen, zielgerichtig zu bündeln und somit nachhaltig die Willkommensstruktur weiter zu entwickeln.

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