Sylter Strandversorgung : Streit um neues Strandrestaurant

Die Gemeinde List möchte die am Weststrand geplante Strandversorgung weiter nördlich an den Textilstrand verlegen.
Die Gemeinde List möchte die am Weststrand geplante Strandversorgung weiter nördlich an den Textilstrand verlegen.

200 Meter neben der Lister Weststrandhalle soll eine weitere Strandversorgung entstehen / Sylter Bauausschuss lehnt Pläne ab

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14. März 2018, 05:07 Uhr

Krach um Pläne für ein drittes Strandrestaurant in List: Die Gemeinde will etwa 200 Meter südlich der Weststrandhalle eine weitere Strandversorgung aufbauen, weil sie durch den Lanser Hof mit mehr Besuchern rechnet. Gegenwind kommt von der Naturschutzgemeinschaft Sylt und seit Montagabend auch von der Nachbargemeinde Sylt. Im Bauausschuss stimmte eine Mehrheit mit Nein.

Dabei versteht Lists Kurdirektor Boris Ziegler die ganze Aufregung nicht: Der dritte Standort für eine Strandversorgung, neben der Weststrandhalle und der Austernperle am Lister Oststrand, steht schon seit 2011 im gemeinsam verabschiedeten Strandversorgungskonzept. Am Strandübergang 19 zum FKK-Strand Süd erkannte das Konzept eine Unterversorgung und empfahl daher den Bau einer 400 Quadratmeter großen Podestanlage mit Gaststätte, öffentlicher Toilette und Erster Hilfe-Station. Umgesetzt wurde der Bau dort allerdings nie, weil der Dünengrund nicht der Gemeinde gehört. Eigentümer sei die Erbengemeinschaft Listland – und mit der sei trotz mehrerer Anläufe kein Einvernehmen erzielt worden, erläutert Ziegler. Weil aber die Zahl der FKK-Freunde abnimmt, möchte die Gemeinde List den geplanten Standort für die dritte Strandversorgung einige Kilometer nach Norden verlegen. „Wir wollen keinen Quadratmeter mehr“, stellt Boris Ziegler klar, „wir möchten die Strandversorgung nur vom FKK-Strand an den Textilstrand verlegen.“ Auf Grund und Boden, über den die Gemeinde ja bereits verfüge.


Ein Parkplatz mit zwei Strandübergängen

Dafür sprächen auch praktische Gründe: An Strandübergang 19 müssten Leitungen für Strom, Gas und Wasser erst noch kilometerweit verlegt werden. Am Textilstrand reiche dafür eine Stichleitung vom Übergang 17 bei der Weststrandhalle, der künftig 17a heißen soll. 17b wäre dann der neue Strandübergang, der vom selben Parkplatz ausgeht. Der Strandübergang 18 (FKK Nord) soll geschlossen werden.

„Hier wird die Strandversorgung pervertiert“, wehrte Roland Klockenhoff (Bündnis 90/Grüne) im Bauausschuss die Lister Änderungswünsche ab. Mit dem nur 200 Meter entfernten Wonnemeyer in der Weststrandhalle sei der Strandabschnitt ausreichend versorgt, eine zweite Vollgastronomie gar nicht nötig. Zudem sei der Lanser Hof doch für das Fasten berühmt. Hier werde durch die Hintertür versucht, ein feines Restaurant an bester Stelle zu errichten. „Das ist nicht der Geist des Strandversorgungskonzeptes, wie wir ihn diskutiert haben.“

Seine Fraktionskollegin Maria Andresen mutmaßte sogar, dort solle „etwas für den neuen Pächter der Weststrandhalle geschaffen werden, weil er nicht weiß, wo er mit dem ganzen Mobiliar hin soll.“ Diese Strandversorgung im Inselnorden hatte Ostern 2017 die Wonnemeyer GmbH übernommen.

Zweifel äußerte auch John Bourne (CDU): „Man regt sich immer über diesen Wildwuchs im Sylter Süden vor K4 auf, mit Sansibar, Seepferdchen und Strandmuschel, und will jetzt trotzdem im Norden wieder etwas genehmigen. Dann hätte man sich das Konzept auch sparen können.“

Holger Flessau (CDU) zeigte Verständnis für die Lister Pläne, wunderte sich aber, dass die Gemeinde Sylt nach ihrer Meinung gefragt wird. „Beim Abtragen von 70 000 Kubikmeter Dünen für 70 Suiten wurden wir nicht gefragt.“

„Es muss nicht überall rundum Gastronomie geboten werden“, befand Katrin Krahmer (Grüne). „Es gibt gerade in List sehr viele Gäste, die es lieben, mal nur mit Handtuch und Apfel an den Strand zu gehen.“

Bei der Abstimmung folgten die elf Mitglieder des Bauausschusses nicht der Empfehlung der Inselverwaltung. Nur zwei votierten mit Ja, sieben mit Nein und zwei enthielten sich.


Kritik aus List an Westerländer Votum

„Sehr schade“, kommentierte Lists Kurdirektor Boris Ziegler am Dienstag das Abstimmungsergebnis aus Westerland. Die Gegner hätten sich inhaltlich nicht mit der Änderung beschäftigt. Das Konzept verlange, dass Strandversorgungsbetriebe nur auf Gemeindegrund errichtet werden dürfen. Ziegler will nun dem Sylter Bürgervorsteher anbieten, den Gemeindevertretern bei ihrer April-Sitzung die Pläne zu erläutern.

Kritik gab es auch vom amtierenden Lister Bürgermeister Manfred Koch: „Ich hätte mir gewünscht, dass der Bauausschuss das Thema mit der nötigen Ernsthaftigkeit angegangen wäre.“ Einen solchen „Eingriff in die Belange einer Nachbargemeinde auf absonderliche Vermutungen und Spekulationen zu stützen, ohne sich bei den Betroffenen zu informieren, ist der insularen Zusammenarbeit nicht gerade förderlich. Es wirkt eher belehrend und rüpelhaft.“

Keinen Widerstand gegen die Lister Änderungswünsche gab es eine Woche zuvor im Bauausschuss von Wenningstedt-Braderup. „Da mischen wir uns nicht ein“, erklärte der Vorsitzende Gerhard Hausen.

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