Jugendarbeit auf der Insel : Streit um Förderung Sylter für Kings Kids

Inselweite Aktivität:  Auch in der ehemaligen  Hörnumer Kirche St. Josef veranstalteten die  Kings Kids 2010 Musikevents. Foto: saf
Inselweite Aktivität: Auch in der ehemaligen Hörnumer Kirche St. Josef veranstalteten die Kings Kids 2010 Musikevents. Foto: saf

Der Sylter Jugend-, Kultur- und Sportausschuss hat die Förderung für den christlichen Verein King’s Kids auf ein Minimum heruntergefahren. Der Grund: Einige Politiker vermuten aggressive Missionsarbeit.

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26. April 2013, 08:59 Uhr

Sylt | Sie singen, tanzen und beten - doch missionieren sie auch mit Zwang? Der Verein King’s Kids engagiert sich seit Jahren in der insularen Jugendarbeit und ist Mitglied im Inseljugendring. Doch regelmäßig werden die Verantwortlichen mit dem Vorwurf konfrontiert, die Organisation würde allzu offensiv christliche Ideologie verbreiten. Öffentliche Fördergelder fließen mittlerweile kaum noch.

Bereits in den vergangenen Jahren hatte die Gemeinde Anträge auf Zuschüsse für den Verein abgelehnt. Während die Kommunalpolitiker die Gelder bisweilen mit Verweis auf formale Gründe verwehrten, wurden den King’s Kids die Mittel vom Sport-, Jugend- und Kulturausschuss jetzt aus Vorbehalten gegenüber der Vereinsausrichtung nicht zugesprochen. In diesem Jahr erhalten die "Königskinder" damit nur einen Grundbetrag von rund 120 Euro - beantragte Gelder für eine Freizeitfahrt nach Chemnitz in Höhe von 2684 Euro wurden nicht bewilligt.

"Es handelt sich hier um eine extrem-christliche Organisation"

Schon in den vorangegangenen Jahren hatte es im Jugend-, Kultur- und Sportausschuss Diskussionen über die richtige Einordnung des christlichen Vereins gegeben. Deutliche Worte fand diesmal Andreas Eck, Gemeindevertreter des SSW: "Es handelt sich hier um eine extrem-christliche Organisation, die auf den Spielplätze der Gemeinde Sylt aggressive Missionsarbeit leistet. Solche Leute halte ich nicht dafür geeignet, Jugendarbeit zu machen."

Diese Vorwürfe hält der Vorsitzende der King’s Kids, Andreas Koesling, für haltlos: "Wir sind überkonfessionell und arbeiten mit Jugendlichen aller Gaubensrichtungen - keiner wird bei uns in ein bestimmtes Weltbild gezwungen. Alles andere ist eine Unterstellung." Dass der Verein sich immer wieder gegen die gleiche Kritik wehren müsse und von Förderung ausgeschlossen werde, sei verwunderlich, denn "wir leisten seit Jahren sehr gute Arbeit für die Insel", so Koesling. "Wir sind Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend (AEJ) und haben damit den Nachweis erbracht, dass wir ein anerkannter und ganz normaler Träger sind." Als weitere Mitglieder des AEJ finden sich Vereine wie der CVJM oder die Christliche Pfadfinderschaft Deutschlands (CPD).

Herr Eck würde auch eine Mutter Theresa (...) des Landes verweisen"

Die King’s Kids sind über das "Netzwerk-m", einen Dachverband von 70 selbstständigen Einrichtungen mit etwa 2700 haupt- und 30.000 ehrenamtlichen Mitarbeitern, die in Deutschland vor allem jugendmissionarische Aufgaben wahrnehmen, im AEJ gelistet. Als "aggressiv missionarisch" sind die King’s Kids Pastor Jörg Pegelow von der Arbeitsstelle Sekten- und Weltanschauungsfragen der Nordelbischen Ev.-Luth. Kirche in Hamburg bisher nicht aufgefallen: "Darüber liegen mir keine Erkenntnisse vor." Der Verein sei von seiner Ausrichtung her zu dem Spektrum der charismatischen neupfingstlichen Bewegungen zu zählen - aber nicht als Sekte klassifizierbar, so der Experte. Seit Ostern ist der Verein immer freitags von 15 bis 17 Uhr auf dem Spielplatz zwischen Seedeich und Jap-Peter-Hansen-Wai zu finden. Im Winter weichen die King’s Kids auf den Tennis-Club Westerland aus. Aber was passiert auf diesen Veranstaltungen, die nach Angaben von Andreas Koesling bis zu 70 Eltern und Kinder anziehen? "Ich war positiv überrascht, bin nicht missioniert worden und fand das Kinder-Programm als Mutter angenehm", berichtete Andrea Dunker während der Ausschusssitzung von ihren persönlichen Eindrücken vor Ort.

Gemeindevertreter Andreas Eck bekräftigte daraufhin seine Einschätzung, der Verein dränge Kinder zur Teilnahme an seinen Aktivitäten und versuche sie auf diesem Wege zu missionieren. Gegenüber der Sylter Rundschau wehrte sich Andreas Koesling gegen diesen Vorwurf: "Herr Eck würde auch eine Mutter Theresa wegen Missionsarbeit des Landes verweisen."

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