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Tödlicher Konflikt auf Sylt : Streit um Essen: Prozessauftakt nach Tod von japanischem Koch

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Das Essen hat nicht geschmeckt – das sollen zwei Sylter zum Anlass genommen haben, Miki Nozawa tödlich zu verletzen. Was genau passierte, bleibt am ersten Prozesstag unklar.

shz.de von
erstellt am 06.Mär.2015 | 07:00 Uhr

Flensburg | Musste ein Sylter Koch sterben,  nur weil zwei seiner Kunden das Essen nicht schmeckte? Unter anderem über diese Frage wird seit gestern vor dem Flensburger Landgericht im Prozess gegen zwei Inselbewohner verhandelt. Angeklagt sind ein 38-Jähriger wegen Körperverletzung mit Todesfolge und ein 51-Jähriger wegen versuchter Nötigung. Ihr Opfer sollen sie im Verlauf einer Auseinandersetzung so brutal misshandelt haben, dass es wenig später verstarb.

Die Angeklagten schwiegen gestern. Fest steht bis jetzt: Der 57-jährige japanische Imbissbetreiber Miki Nozawa war in der Nacht zum 12. Mai 2013 mit den beiden Männern in einer Table-Dance-Bar in der Innenstadt von Westerland in Streit geraten. Laut Staatsanwaltschaft ging es dabei um eine Mahlzeit, die die Angeklagten am Tag zuvor im Lokal des Kochs zu sich genommen hatten. Der Ältere habe im Verlauf des Streits wegen seiner Unzufriedenheit mit dem Essen zehn Euro vom  Imbissbesitzer gefordert und diesen während der verbalen Auseinandersetzung geschubst.

Im Treppenhaus vor dem Eingang der Bar sei der Streit fortgesetzt worden. Dabei gerieten demnach zunächst erneut der 51-Jährige und der Koch aneinander, wobei beide zu Boden gestürzt seien. Der jüngere Angeklagte habe zu Beginn deeskalierend eingewirkt und die Männer getrennt. Dann aber soll er dem Opfer mehrere Schläge verpasst und schließlich noch auf den schon am Boden liegenden Mann eingetreten haben. Beide waren laut Staatsanwaltschaft stark alkoholisiert, 2,54 Promille waren beim jüngeren und 1,81 Promille bei dem älteren Angeklagten festgestellt worden. Das Opfer verstarb einen Tag nach der Tat an einer Hirnverletzung.

Eine am Einsatz beteiligte Polizistin schilderte im Zeugenstand, wie sie vor dem Eingang zur Bar das Opfer in einer großen Blutlache ohne Puls und Atmung vorgefunden und mit Wiederbelebungsversuchen begonnen habe. Der ältere Angeklagte habe ihr mitgeteilt, dass er nichts zum Tatablauf sagen werde, weil er sonst tot sei. Laut Vernehmungsprotokoll hatte er zudem gesagt,  man solle sich doch die Schuhe des anderen Angeklagten angucken.

Ein weiterer Zeuge, der damals Gast in der Bar war,  will die drei Männer zu Beginn der Auseinandersetzung am Tresen gesehen haben. Nach seiner Beobachtung habe der Ältere den Koch während des Streits am Kragen gepackt und gefordert: „Die zehn Euro gibst du mir zurück“. Der Japaner habe auf ihn „klein und schmächtig“ gewirkt und den Eindruck gemacht, er sei „nervlich am Ende“ gewesen. „Wenn ich die Situation richtig eingeschätzt und gewusst hätte, dass der allein ist, dann hätte ich den beschützt.“ Der Mann habe einen völlig teilnahmslosen Eindruck gemacht.

Der Aussage dieses Gastes, ein anderer ihm flüchtig bekannter Stammgast, der eng mit den Besitzern der Bar befreundet sei, habe auf seinen Hinweis hin die drei Männer der Bar verwiesen und sie bis zum Ausgang begleitet, widerspricht der Betreffende kurz darauf im Zeugenstand  vehement. Er will nach Erkennen der Streitigkeit zu den drei Männern gegangen sein, um die Situation zu schlichten. Demnach hat sich der ältere Angeklagte sogar bei dem späteren Opfer entschuldigt. „Ich habe die Sache dann als erledigt gesehen“, so dieser Zeuge. Später hätten die Männer gemeinsam und friedlich die Bar verlassen. Seine Einlassung bei der ersten Vernehmung direkt nach der Tat, dass er durch die offene Tür hindurch vor dem Ausgang eine erneute Rangelei wahrgenommen habe, bestreitet der Zeuge.  Später will er vor die Tür gegangen und den Tatort gesehen haben: „Das hat für mich nicht nach einer Schlägerei sondern nach einem Unfall ausgesehen.“ Den jüngeren Angeklagten schilderte er als stark betrunken, „der konnte kaum stehen“. Dennoch soll jener es nach Angaben eines Barmanns gewesen sein, der ihn aufforderte, einen Arzt zu rufen.

Keiner der Zeugen will laut eigener Aussage etwas vom Geschehen vor dem Eingang mitbekommen haben. Der Prozess wird am Montag fortgesetzt.

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