"Ramsch-Niveau" : Streit um Bildungspolitik

Stundenausfall und Lehrermangel: Die Lehrergewerkschaft GEW übt harsche Kritik an Bildungsminister Ekkehard Klug (FDP).

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16. August 2011, 09:49 Uhr

Kiel | Zu wenig Lehrer, zu viel befristete Verträge und unaus gegorene Vorschläge zum Lehrerstudium - die Lehrer gewerkschaft GEW übte gestern massive Kritik an Bildungsminister Ekkehard Klug (FDP). "Der Minister kann froh sein, dass es keine Rating-Agenturen für Bildungspolitiker gibt, er würde auf Triple C und damit auf Ramsch-Niveau landen", sagte GEW-Chef Matthias Heidn. Die Streichung von 300 Lehrerstellen führe dazu, dass in etlichen Kreisen Schüler weniger Unterricht erhalten als laut Stundentafel vorgeschrieben - so im Raum Kiel und im Hamburger Rand. Im Kreis Segeberg seien bei nur leicht gesunkenen Schülerzahlen 50 Stellen weggefallen. Zudem fürchtet die GEW, dass gut ausgebildete Lehrer abwandern, weil sie in Schleswig-Holstein nur befristete Verträge bekommen. Die GEW-Kritik sei "verfrüht, die Zahlen falsch", konterte das Ministerium. Vielmehr sei die Unterrichtsversorgung "stabil und tendenziell steigend", so Sprecher Thomas Schunck.
Harsche Kritik übte Gewerkschafter Heidn an den Plänen Klugs, die Ausbildung von Grund-, Regional- und Gemeinschaftsschullehrern in Flensburg wieder auf das Staatsexamen nach nur acht Semestern Regelstudienzeit umzustellen, während Gymnasiallehrer ein zehnsemestriges Bachelor-Master-Studium in Kiel absolvieren. "Dadurch erhalten wir Lehrer erster und zweiter Klasse", so Heidn. Unabhängig von der Schulform sollten Lehrer gleichlang studieren und dann auch alle gleich gut bezahlt werden. Die Mehrkosten für die dann nötige Anhebung der Vergütung von Nicht-Gymnasiallehrern - laut Ministerium 30 Millionen Euro - müssten woanders eingespart werden. "Schließlich ist Bildung das Wichtigste", so Heidn.
GEW zieht Klagen von Streik-Lehrern zurück
Wegen der disziplinarischen Verfolgung von streikenden Lehrern feuerte er zudem eine Breitseite auf den "vermeintlich liberalen Minister mit obrigkeitsstaatlicher Linie" ab. Heidn gab bekannt, dass die GEW mehrere Klagen von Lehrern, die sich an dem Streik beteiligt hatten und deshalb bei Bewerbungen für Schulleiterposten nicht berücksichtigt wurden, bei Gericht zurückgezogen habe.
Es bestünden Zweifel, dass das von der europäischen Rechtsprechung eingeräumte Streikrecht für Beamte auch für Pädagogen in Leitungsfunktionen gelte. "Wenn jetzt Klagen von Feld-, Wald- und Wiesenlehrern nach geschoben werden, zeigt dieses kleinmütige Taktieren, wie dünn das Eis ist, auf dem sich die GEW bewegt", kommentierte Schunck den Vorgang. Das Ministerium bleibt dabei: Beamtenstreik sei ein Rechtsverstoß.
(kim, shz)

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