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Zukunftsplanung Für Sylt : Strategien in der Warteschleife

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Die Sylter Politik tut sich schwer mit der Formulierung von Zielen für die Gemeindeverwaltung. Deshalb wollen die Fraktionen in einem Workshop weiter beraten.

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erstellt am 15.Jan.2016 | 05:30 Uhr

Es klang nach einem großen, nach einem geradezu visionären Thema. Doch es verlor sich in kleinteiligen Auseinandersetzungen, die letztendlich ohne jedes Ergebnis blieben. Im Hauptausschuss beschäftigten sich die Mitglieder Anfang dieser Woche mit den strategischen Ziele der Gemeinde Sylt für die kommenden Jahre. Ursprünglich sollte es um die Jahre 2015 und 2016 gehen – so stand es zumindest in der Beschlussvorlage, die Hauptamtsleiterin Monika Kuhn und Bürgermeister Nikolas Häckel für die Sitzung eingereicht hatten. Nun ist das Jahr 2015 allerdings schon seit zwei Wochen Geschichte und es ist naturgemäß eher schwierig bis unmöglich, sich Ziele für die Vergangenheit zu setzen.

Wie schwierig es jedoch sein kann, überhaupt zu formulieren, was denn ein strategisches Ziel ist, zeigte die Diskussion im Rathaussaal, die mit der bei solchen grundsätzlichen Tagesordnungspunkten üblichen Abfrage der Fraktionen begann. Für die CDU wollte sich Wolfgang Jensen inhaltlich noch zu keinerlei Details äußern. Vielmehr seien vor einer Beratung oder sogar einer Beschlussfassung in öffentlicher Sitzung weitere interfraktionelle Gespräche erforderlich. Bereits Mitte August 2015 hatte Bürgermeister Nikolas Häckel dem Hauptausschuss erläutert, warum er es für dringend notwendig erachtet, dass die Selbstverwaltung endlich strukturelle Ziele für die Arbeit seiner Verwaltung festlegt. Daraufhin wurde allerdings nur beschlossen, dass diese Strategieziele erst in den einzelnen Fraktionen vereinbart, dann in einem Workshop unter Leitung von Bürgervorsteher Peter Schnittgard zusammengeführt und als Ergebnisse der Verwaltung mitgeteilt werden.

Sehr ins Detail gingen dagegen die Vorsitzenden der meisten anderen Fraktionen. Sie verloren sich dabei jedoch in mehr oder minder längeren Aufzählungen der Forderungen und Erwartungen für 2016, die sie in einer Umfrage der Sylter Rundschau formuliert hatten. Dieser Artikel vom 7. Januar war sogar als Anlage in den Sitzungsunterlagen enthalten, was dazu führte, dass die „Wunschlisten“ für das neue Jahr noch einmal wiederholt und sogar erweitert wurden. Das Spektrum reichte dabei querbeet vom Thema Flüchtlinge über die Sicherung von Dauerwohnraum und die Zentralisierung der Verwaltung bis hin zu den geplanten Abrissen der Halle 28 auf dem Fliegerhorst sowie der Keitumer Thermenruine.

Alles richtig und wichtig – so die Ansicht von Wolfgang Jensen und auch von SPD-Fraktionschef Gerd Nielsen. „Wir müssen diese einzelnen Wünsche aber auf Ziele runterbrechen“, forderte Jensen, „und deshalb zunächst unseren Workshop weiterführen.“ Insbesondere gelte es zu prüfen, welche Umsetzungen realistisch und unter finanziellen Aspekten tatsächlich umsetzbar seien. Die strategische Ausrichtung der Gemeinde müsse in Globalziele und Unterziele aufgeteilt sein, betonte Gerd Nielsen. Die Zielformulierung sei eine der wichtigsten Aufgaben der Selbstverwaltung, also der Politiker: „Ich kann deshalb gut verstehen, dass die Verwaltung genau wissen will: Wo wollen Sie eigentlich hin mit uns in den nächsten Jahren?“, so der SPD-Fraktionsvorsitzende. „Denn die Umsetzung dieser Ziele ist ja dann wiederum Sache der Verwaltung.“

Christian Thiessen von der Fraktion Insulaner/Piraten kritisierte, dass die gesamte Diskussion für ihn am Thema völlig vorbeigehe: „Vieles von dem, was hier genannt wurde, sind gar keine Ziele. Sondern nur Mittel, nur einzelne Schritte, um Ziele zu erreichen.“ Ziele sollten vor allem nachvollziehbar und kontrollierbar sein. Deshalb legte er seinen Ausschusskollegen die Anwendung der so genannten SMART-Methodik ans Herz, die im Projekt- und Personalmanagement gebräuchlich sei (siehe unten).

Dafür oder auch für andere zielführende Ideen haben die Gemeindevertreter jetzt drei Monate Zeit. Denn das Thema wurde auf die Sitzung am 30. April verschoben. Dann allerdings ist ein Drittel des Sylter Strategiejahres 2016 schon wieder abgelaufen ...

 

SMART ist ein Akronym für „Specific Measurable Accepted Realistic Timebound“ und dient  im Projektmanagement oder im Rahmen von Mitarbeiterführung und Personalentwicklung als Kriterium zur eindeutigen Definition von Zielen. Ins Deutsche kann man es zum Beispiel wie folgt übersetzen:

Spezifisch – die Ziele müssen eindeutig definiert sein. Nicht vage, sondern so präzise wie möglich.

Messbar – die Ziele müssen messbar sein, es muss dafür entsprechende Kriterien geben.

Akzeptiert – die Ziele müssen von allen Empfängern akzeptiert werden. Kann aber auch für abgestimmt, ausführbar oder anspruchsvoll stehen.

Realistisch – die Ziele müssen möglich und in der Praxis auch umsetzbar sein.

Terminiert – zu jedem Ziel gehört eine klare Terminvorgabe, bis wann das Ziel erreicht sein muss.

Ein Ziel ist nur dann S.M.A.R.T., wenn es alle fünf Bedingungen erfüllt. Bei konsequenter Anwendung ergeben sich klare mess- und überprüfbare Ziele. Die Ziele und Aufgaben sind unbedingt für sämtliche Beteiligten und Betroffenen schriftlich festzuhalten. Daraus wird dann ein Projektplan erarbeitet. Die Umsetzung und der Projektfortschritt sind regelmäßig zu überprüfen: Was ist erreicht? Hat sich an den Zielen etwas geändert? Der Projektplan ist gegebenenfalls zu korrigieren. Quelle: Wikipedia

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