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Kampen auf Sylt : Straßenausbau aus der Privatschatulle

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Das gibt es wahrscheinlich nur in Kampen: Einen Ferienhausbesitzer, der eine öffentliche Straße ausbauen lässt - und die Kosten von rund 350.000 Euro komplett übernimmt.

shz.de von
erstellt am 19.Mär.2011 | 08:33 Uhr

Kampen | So geschieht es derzeit am Norderende West, einer knapp 330 Meter langen Straße mit gerade einmal sechs Anliegern. Diese sind über die Straßensanierung natürlich hoch erfreut. Denn: Erstens müssen sie keinen Cent dazubezahlen (in Kampen tragen sonst die Anlieger 75 Prozent der Kosten für den Ausbau einer reinen Anliegerstraße). Zweitens war nach Meinung der Zweit- und Erstwohnungsbesitzer am Norderende eine neue Asphaltdecke sowie das Aufstellen einer bislang fehlenden Straßenbeleuchtung schon lange fällig. Über 15 Jahre hätte man immer wieder bei der Gemeinde nachgefragt, ob denn irgendwann Laternen aufgestellt würden. Die Antwort von Bürgermeisterin Steffi Böhm: "Straßenbeleuchtung stellt man generell erst auf, wenn die ganze Straße erneuert wird."
Der spendable Anwohner, der sich zum Ausbau des Norderendes bereit erklärte, ist Eigentümer des 1933 erbauten "Klenderhofs": Unternehmer Thomas Straumann. Der Mitinhaber einer der führenden Herstellerfirmen von Zahn-Implantaten mit Sitz in Basel erwarb die "Baldner-" oder auch "Springerburg" - wie das Anwesen am Watt wegen seiner Vorbesitzer Max Baldner und Axel Springer auch genannt wird - vor vier Jahren.
"Sie wollten damit ihre Verbundenheit zu dem Ort verdeutlichen"
Inzwischen ließ er den Klenderhof aufwendig renovieren und ausbauen. So verband er beispielsweise Haupt- und Nebengebäude mit einem Tunnel. Die Baufahrzeuge hätten den Zustand des Norderendes weiter verschlechtert, so dass Straumann der Gemeinde den Straßenausbau quasi als Wiedergutmachung anbot, wie Nachbarn zu berichten wissen.
Fest steht: Ein ähnlicher Fall von Großzügigkeit bei der Instandsetzung öffentlicher Straßen ist selbst auf Sylt bislang nicht bekannt. "In den 80er Jahren haben Zweitwohnungsbesitzer in Rantum den Deichbau mitfinanziert", erinnert sich Inselbaumeister Wolfgang Knuth an den einzigen vergleichbaren Fall. "Sie wollten damit ihre Verbundenheit zu dem Ort verdeutlichen." Am Ende sind nun alle zufrieden: Die Gemeinde, weil ihre Straße ohne eigene Beteiligung (immerhin fast 90.000 Euro) ausgebaut wird. Die Anlieger, weil sie endlich eine ordentliche Straße mit Laternen bekommen. Und Thomas Straumann, weil er in Kampen mehreren Menschen eine Freude macht.
(rik, kko, shz)

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