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Sylter Rundschau

21. Oktober 2017 | 03:55 Uhr

Stillstand oder Kompromisse?

vom

Folgenutzung für die Lister Fahrbereitschaft noch immer ungeklärt: Kritik von Unternehmerseite / Bürgermeister will auf Investoren zugehen

shz.de von
erstellt am 09.Aug.2013 | 04:59 Uhr

List | Die vor zehn Jahren mit der Umgestaltung des Hafens so ambitioniert begonnene Ortsentwicklung von List ist seit dem Bau des A-Rosa Hotels kräftig ins Stocken geraten. "Eigentlich waren wir auf einem guten Weg, doch mittlerweile herrscht an vielen Stellen Stillstand", bekannte Bürgermeister Wolfgang Strenger auf der jüngsten Sitzung der Gemeindevertretung. "Obwohl wir früher losgelegt haben, hat uns der Inselsüden mittlerweile überholt."

Projekte, bei denen es derzeit hakt, fallen Strenger viele ein - vom gescheiterten Nordsee-College über die Folgenutzung des seit 2007 leer stehenden Offizierheims bis hin zu den stockenden Wohnungsbauprojekten am Hermannshain und der Zollfenne. Auslöser für Strengers ernüchterndes Fazit war jedoch die unbefriedigende Situation auf dem Gelände der ehemaligen Fahrbereitschaft der Bundeswehr am Anfang der Hafenstraße. Anders als bei den übrigen Projekten hat es die Gemeinde hier jedoch mit in der Hand, den Stillstand zu beenden. Strenger: "Wir können es beschleunigen, wenn wir wollen." Hauptproblem: die unterschiedlichen Auffassungen von Gemeinde und Investoren über die künftige Nutzung des Geländes.

Der Wunsch der Gemeinde, einen architektonisch ansprechenden Platz zu schaffen für den am Ortseingang nicht entwicklungsfähigen Edeka-Markt, weitere Nahversorgungsangebote sowie Mitarbeiterwohnraum und einen öffentlichen Parkplatz mit 250 Stellplätzen, wäre nach Aussage des Investoren-Trios Höft, Rose und Paulsen wirtschaftlich nur darstellbar, wenn die Gemeinde entweder selbst die Parkplätze baut oder eine zusätzliche Nutzung zulässt. Die Idee eines trendigen 38-Zimmer-Hotels im 2-Sterne-Bereich für ein junges Publikum wurde von der Politik vor einem Jahr mehrheitlich abgelehnt.

Seither hat sich wenig bis nichts getan. Den Unmut vieler Gewerbetreibender darüber brachte Michael Voelmy zum Ausdruck. Der Unternehmer (Strandkorb & Co.) verwies auf die dritte touristisch schwierige Saison mit sinkender Kaufkraft nacheinander und stellte an die Politiker gerichtet die Frage: "Bekennen wir uns zu einem modernen Tourismus, der vom ständigen Wandel lebt?" Er appellierte an alle Lister, aktiv mitzuwirken, die Infrastruktur und Lebensqualität aufrecht zu erhalten. Voelmy: "Wir können entweder gestalten oder mit uns machen lassen." Das von Paulsen, Höft und Rose vorgelegte Projekt inklusive Hotel sei "eine Chance". Bei 70-prozentiger Auslastung bringe es zusätzliche 20 000 Übernachtungen im Ort, ohne anderen Vermietern Konkurrenz zu machen. Indirekte Unterstützung bekam Voelmy von Kurdirektor Boris Ziegler, der darauf verwies, dass List in den letzen sieben Jahren 16 Prozent seiner Gästebetten verloren habe - vor allem durch die Umwandlung in Zweitwohnsitze.

Während Alfred Riechelmann (CDU) die Position vertrat, dass es nach der Hotel-Ablehnung Sache der Investoren sei, mit neuen Vorschlägen zu kommen, gab der Bürgermeister der Befürchtung Ausdruck, dass das Grundstück noch jahrelang brach liegen könne, wenn Gemeinde und Grundeigentümer nicht zueinander fänden. "Wir müssen uns neu aufstellen und mit den Investoren verständigen." Die Ablehnung vor einem Jahr bedeute nicht, "dass eine neue Runde nicht auch ein anderes Ergebnis bringt". Dass die Gemeinde unter Zeitdruck steht, machte Edeka-Pächter Axel Petersen deutlich. Da sein Vertrag am jetzigen Standort Ende 2015 auslaufe, müsse rechtzeitig klar sein, ob er umziehen könne. Andernfalls würde er seinen Vertrag um fünf Jahre verlängern. Petersen: "Und einen zweiten Supermarkt wird es in List nicht geben."

Gegenüber der Sylter Rundschau betonte auch Investor Sven Paulsen die Notwendigkeit, "den Knoten zu durchschlagen" sowie die eigene Kompromissbereitschaft. "Auch wir wollen dort gerne einen kleinen Marktplatz schaffen, doch ohne einen Zusatznutzen für uns werden sich die Wünsche der Gemeinde nicht realisieren lassen."

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