Baumaßnahme : Stillstand in Rantum

Seit April Baustelle, doch nach Abschluss der Asphaltarbeiten herrscht Stillstand bei den Arbeiten an der Landesstraße 24 vor dem Dorfhotel in Rantum.
Seit April Baustelle, doch nach Abschluss der Asphaltarbeiten herrscht Stillstand bei den Arbeiten an der Landesstraße 24 vor dem Dorfhotel in Rantum.

Baustelle an der Einmündung in die Hafenstraße sollte eigentlich im Juni abgeschlossen sein.

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28. Juli 2018, 05:30 Uhr

Erst wurde jahrelang nichts gebaut, jetzt entwickelt sich die Baustelle zum Dauerärgernis: Die Linksabbiegerspur am Rantumer Dorfhotel wird und wird nicht fertig. Dabei hieß es bei Baubeginn im April noch, dass bis Juni alles erledigt wäre. Pustekuchen – die Anlieger der Rantumer Hafenstraße müssen immer noch mit einem Provisorium leben. Einem gefährlichen Provisorium, denn die Umleitung führt direkt am ADS-Landschulheim vorbei, in dem bis zu 350 Kinder untergebracht sind.

Dass die Rantumer Hafenstraße eine neue Einmündung in die Sylter Nord-Süd-Achse, die Landesstraße 24, erhalten sollte, stand schon im Fusionsvertrag der Gemeinde Sylt von 2008. Doch die Finanzierung ließ auf sich warten. Im Frühjahr ging es endlich los. Die Linksabbiegespur soll den Verkehr entlasten und an der Kreuzung für mehr Sicherheit sorgen. 297 000 Euro hat die Gemeinde Sylt für das Projekt veranschlagt.

Währenddessen wird der Verkehr in die Hafenstraße ungeleitet. Wer ins Dorfhotel, ins Meerkabarett oder zum Rantumer Hafen möchte, muss ein Stück südlicher in die Straße Am Torbogen einbiegen und wird dann am ADS-Schullandheim vorbeigeführt.

Mitte Mai lobte Hoteldirektor Gabor Hnizdo noch den schnellen Einsatz der Handwerker, doch damit ist es vorbei. Seit Wochen scheint sich nichts mehr zu bewegen, obwohl die Asphaltarbeiten abgeschlossen sind und auch die Verkehrsinseln installiert wurden. Auch gestern war weit und breit kein Bauarbeiter zu sehen.

Hnizdo ist genervt: „Ich habe um die 600 Gäste im Hotel, die alle ohne Ampel in Lebensgefahr die Kreuzung zum Strand überwinden müssen. Für Fahrradfahrer, die zu Hauf diese Kreuzung queren, ist ebenfalls nicht gesorgt. Die teilen sich mit Fußgängern den provisorischen Weg. Es gibt zwar einen Weg über unseren Parkplatz durch den Wald zur Ampelkreuzung Bushaltestelle Rantum Nord, doch der wurde als Umleitung für Fußgänger nicht gekennzeichnet. Daher weiß das so gut wie niemand.“

Aus seinem Büro kann Hoteldirektor Hnizdo die Straße einsehen. „Ich bin oft am Tag Zeuge, wie häufig es zu Vollbremsungen und Hupen kommt, weil Autofahrer und Fußgänger die Gefahr nicht erkennen.“

„Es kommt häufig zu gefährlichen Situationen“, bestätigt Kirsten Schmale, die Leiterin des ADS-Schullandheims, an dem der Verkehr vorbeigeführt wird. An der Hafenstraße gebe es viele Gewerbebetriebe mit Lieferverkehr – das Dorfhotel, Eier-Petersen, die Sylt-Quelle, den Kiosk, den Sansibar-Shop, mehrere Tischlereien, nicht zuletzt ihr Schullandheim. Alle müssten durch die verkehrsberuhigte Straße. An das Tempolimit 30 km/h hielten sich die wenigsten. Einige Autofahrer würden sogar auf dem kurzen Stück überholen und dann nicht links dem Umleitungsschild folgen, sondern erst am ADS-Gebäude links abbiegen. Die Heimleitung habe die Gemeinde darauf hingewiesen, woraufhin der Bauhof sofort zusätzliche Tempo-30-Schilder aufgestellt habe. „Doch das ändert nichts an der gefährlichen Situation“, sagt Kirsten Schmale. Durch die Umleitung sei vor ihrer Tür eine Rennstrecke entstanden – und das mitten in der Saison. Wenn am 13. August in den ersten Bundesländern wieder die Schule beginnt, wird das Schullandheim wieder mit 350 Schulkindern und 40 bis 50 Lehrern voll ausgebucht sein.

Aber auch im Rathaus weiß niemand, wie lange der Zustand noch anhalten wird. „Auch wir sind hoch unzufrieden und ich hätte mir gewünscht, dass bereits vor dem Beginn des Meerkabaretts die Maßnahme abgeschlossen worden wäre“, sagt Bürgermeister Nikolas Häckel. Die Ursache liege allein bei den bauausführenden Firmen. „Deren Leistung ist – auch wegen Personalmangel – im Sommer sehr schwierig.“ Die Gemeinde habe mehrfach den umgehenden Abschluss der Baustelle angemahnt. Der Termin für die Markierungsarbeiten sei von der Firma verschoben worden, ein neues Datum trotz mehrfachen Drängens der Gemeinde noch nicht mitgeteilt worden. Häckel verspricht: „Wir sind und bleiben am Ball.“

Bei der Firma Sylt Bau Feddersen weist man den schwarzen Peter von sich. „Wir haben keinen genehmigten Plan für die Markierungen und die Beschilderung“, sagt Schachtmeister Mario Gatzsch. Ursache der Verzögerung sei eine Änderung in der Fahrrad- und Fußgängerführung. „Wir drängeln schon länger, aber nächste Woche gibt es einen Termin mit dem Planer.“

Verärgert über die Dauerbaustelle ist auch Frank Zahel, der sowohl dem Bauausschuss als auch dem Rantumer Ortsbeirat vorsteht. „Das ist unter aller Kanone“, sagt Zahel, sieht aber auch das Rathaus in der Verantwortung. „Mir fehlt eine anständige, nachvollziehbare Erklärung, warum diese Baumaßnahme, die zuerst so gut und störungsfrei funktioniert hat, jetzt so lange brach liegt.“

So oder so kommt nächste Woche Bewegung in die Baustelle. Die Verkehrsführung ist vom Kreis nur bis zum 31. Juli genehmigt.

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