Stillende willkommen heißen

julia

shz.de von
07. April 2017, 17:32 Uhr

Stillen polarisiert. Denn es geht um Körperlichkeit und Nacktheit, also um hoch sensible Themen. Dabei könnte man meinen, dass Nacktheit in einer Gesellschaft, die offen mit Sexualität umgeht, doch kein Problem mehr darstellen sollte. In der Werbung, im Fernsehen und am FKK-Strand wird Nacktheit nicht nur toleriert, sie wird sogar erwünscht. Aber von einer entblößten Brust zum Stillen eines Kindes fühlen sich viele, die vielleicht kurz zuvor noch den Playboy durchgeblättert haben, unangenehm berührt. Und vielleicht liegt genau da das Problem: Es irritiert, dass die Brust eben NICHT im sexuellen Kontext gezeigt wird, sondern ein Körperteil ist, das Nahrung liefert. Und genau dafür – und für nichts anderes – sind die weiblichen Brüste doch eigentlich da! Vor allem aber geht es der Stillenden nicht darum, ihre Brust zur Schau zu stellen. Sie stillt nicht, um sexuell konnotierte Begegnungen herzustellen. Sie tut das, weil ihr Kind hungrig ist. Und sie mit Platzverweisen, kritischen Blicken und dummen Sprüchen zu diskriminieren ist eine ganz und gar ungerechte Bestrafung.

Die Aktion der stillfreundlichen Orte ist daher absolut zu befürworten, um Mütter nicht auszugrenzen, sondern sie mitten in der Gesellschaft willkommen zu heißen. Und wenn in Zukunft an den Türen der Restaurants neben den Aufklebern der Bewertungsportale auch ein Zertifikat als „stillfreundlicher Ort“ angebracht ist, werde auch ich, mit oder ohne Kinder, gerne eintreten.

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