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Sylter Rundschau

17. Oktober 2017 | 04:46 Uhr

Stillende Mütter willkommen

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Auf Sylt werden Räume gesucht, die sich als stillfreundliche Orte zertifizieren lassen möchten / Eine Initiative der Hebammen

shz.de von
erstellt am 07.Apr.2017 | 17:31 Uhr

„Stillen in der Öffentlichkeit ist auch auf der Insel ein großes Problem“, sagt Anke Bertram. Und die Sylter Hebamme weiß, wovon sie spricht: „Ich spreche oft mit Müttern, die mir erzählen, dass sie extra zum Stillen nach Hause, ins Büro des Mannes oder zu den Eltern gehen, weil viele in der Öffentlichkeit schlechte Erfahrungen gemacht haben. Einigen wurden in Restaurants sogar Platzverweise erteilt, weil sich Leute am Nachbartisch durch das Stillen gestört fühlten oder das Stillen nur auf einer Toilette möglich war“, sagt sie. „Für Stillende bedeutet das eine Diskriminierung als Mutter und Frau, die von einem Teil des gesellschaftlichen Lebens ausgeschlossen wird.“ Es rege sich niemand auf, wenn ein Kind in der Öffentlichkeit die Flasche bekommt, betont sie. „Generell scheint in der öffentlichen Wahrnehmung alles, was ich meinem Kind kaufen kann, gut zu sein. Allerdings hat die Brust kein Qualitätssiegel.“

Pünktlich zur Osterzeit, wenn das Leben in den Straßencafés und auf öffentlichen Plätzen wieder beginnt, möchte die Hebamme die Menschen auf Sylt für das Stillen in der Öffentlichkeit sensibilisieren. Mit einer besonderen Aktion, die ihren Anfang im Rahmen der Weltstillwoche 2016 in Niedersachsen fand. Dabei geht es um Plätze, die Kriterien für einen stillfreundlichen Ort erfüllten und dafür mit einem Zertifikat ausgezeichnet wurden. „Wir Hebammen möchten das Stillen an öffentlichen Orten fördern“, berichten Elena Riechert, kreisdelegierte Hebamme für den Kreis Leer und Christina Harms-Janßen, kreisdelegierte Hebamme für Friesland/Wilhelmshaven. Die Aktion fand großen Anklang und die Zertifizierungen laufen seither kräftig weiter.

Anke Bertram möchte die „stillfreundlichen Orte“ nun nach Sylt bringen. „Es ist eine tolle Idee, die sich lohnt, auf Sylt und in Schleswig-Holstein aufgegriffen zu werden, um so eine Brücke zwischen Friesland und Nordfriesland zu schlagen“ , so die 1. Vorsitzende des Hebammenverbandes Schleswig Holstein. Sie möchte die Karte der stillfreundlichen Orte weiter füllen. „Aktuell suchen wir Cafés, Restaurants, Geschäfte, öffentliche und private Einrichtungen sowie andere geeignete Orte, in die sich Mütter zurückziehen und ihrem Kind die Brust geben können“, sagt Anke Bertram weiter. So liege bereits eine Anfrage der „Strandmuschel“ in Rantum vor, die die Hebamme gerne als „stillfreundlichen Ort“ auszeichnen wird. Auch Marco Oliver Pohl von der Lebenshilfe Sylt will seine Einrichtung zertifizieren lassen: „Wir sind nicht nur begeistert von der Aktion, wir bieten mit unseren Räumlichkeiten auch ideale Bedingungen für stillende Mütter“, findet der Geschäftsführer der Lebenshilfe Sylt.

Anke Bertram ist von dem Erfolg der Aktion überzeugt: „Gerade auf Sylt ist das für Familien mit Kindern im Urlaub sehr interessant. Und die Möglichkeiten sind unbegrenzt: Im niedersächsischen Jever ist sogar das Rathaus als stillfreundlicher Ort zertifiziert.“

Die Initiative und alle, die dabei mitmachen, haben prominente Unterstützer und nicht zuletzt positive Vorbilder. So fordert die 1994 von der Bundesregierung gegründete Nationale Stillkommission ein Umdenken, um das Stillen an öffentlichen Orten zu fördern. Auch die Antidiskriminierungsstelle der Bundesrepublik spricht sich klar für Maßnahmen zu Gunsten von Müttern aus, um ihnen das Stillen in der Öffentlichkeit zu ermöglichen.

Teilnehmen können alle auf Sylt, beziehungsweise in Schleswig-Holstein, die in ihren Räumen eine (still-) freundliche Atmosphäre bieten können. Besondere räumliche Vorgaben gebe es nicht, erklärt Bertram. Für die Zertifizierung wäre es bereits ausreichend, wenn folgende Anforderungen erfüllt werden:

> Sitzmöglichkeit zum Stillen
>Toiletten
> die Unterstützung bzw. Schutz bei unhöflichem Verhalten Dritter
> kostenloses Getränk wie zum Beispiel Leitungswasser für die Stillende

> Möglichkeit zum Wickeln wäre optimal, ist aber nicht zwingend.

Erfolgreich teilnehmende Unternehmen und Einrichtungen erhalten eine Urkunde über die erfolgte Zertifizierung als stillfreundliche Einrichtung, eine offizielle Plakette als stillfreundlicher Ort für die Außenwerbung sowie den Eintrag als stillfreundliche Einrichtung auf einer Karte im Internet, auf der alle Orte gekennzeichnet und aufgeführt sind.


Für die kostenlose Zertifizierung als stillfreundliche Einrichtung auf Sylt kann man sich bewerben unter stillfreundlich.sylt@gmail.com

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