Sylter Gemeindefinanzen und Corona: : Steuereinbruch kleiner als befürchtet

Im Westerländer Rathaus wird mittlerweile mit geringeren finanziellen Auswirkungen der Coronakrise gerechnet.
Im Westerländer Rathaus wird mittlerweile mit geringeren finanziellen Auswirkungen der Coronakrise gerechnet.

Statt 90 Prozent rechnet Sylt nun mit höchstens 60 Prozent Mindereinnahmen bei der Gewerbesteuer.

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07. Juli 2020, 19:00 Uhr

Westerland | Alles nicht so schlimm mit Corona? Die drastischen finanziellen Befürchtungen für das Gemeindesäckel scheinen sich jedenfalls nicht zu bestätigen. Nach aktuellen Schätzungen muss die Gemeinde Sylt zwar mit deutlichen Mindereinnahmen rechnen, aber nicht mehr mit einem 90-prozentigen Ausfall der Gewerbesteuer, den Bürgermeister Nikolas Häckel zu Beginn der Krise befürchtet hatte.

Die Gewerbesteuer ist der größte Einnahmeposten der Gemeinde Sylt. Lagen die Gewerbesteuereinnahmen im Jahr 2019 noch mit knapp 20 Millionen Euro auf Rekordniveau, so erwartet die Kämmerei aktuell zumindest 7,6 Millionen Euro Einnahmen – also 60 Prozent weniger als 2019. „Und wenn im Herbst nichts passiert und wir keine zweite Corona-Welle bekommen, könnten die Gewerbesteuereinnahmen wieder auf 60 Prozent, vielleicht sogar auf 80 Prozent steigen“, erklärte Finanzausschuss-Vorsitzender Wolfgang Jensen (CDU) auf Anfrage der Sylter Rundschau. „Aber das wage ich heute noch nicht zu sagen.“

Zu Beginn der Coronakrise habe die Gemeinde die Gewerbesteuereinnahmen erst auf zehn Prozent vom Vorjahresaufkommen (1,9 Millionen Euro) eingeschätzt, später dann auf 20 Prozent (3,8 Millionen Euro). „Damit wären wir nicht zurechtgekommen“, erklärte „Finanzminister“ Wolfgang Jensen, „wir hätten einen Kassenkredit aufnehmen müssen.“

Mittlerweile blicken die Kommunalpolitiker also etwas positiver in die Zukunft, zumal Bund und Land in ihrem Konjunkturpaket am 29. Juni angekündigt haben, die coronabedingten Gewerbesteuerausfälle der Gemeinden auszugleichen. Mit der Gemeindekämmerin Kerrin Feddersen sei vereinbart worden, die aktuelle Entwicklung im September in einem Nachtragshaushalt abzubilden, berichtete Jensen. Alle finanziellen Auswirkungen der Coronakrise ließen sich aber frühestens Mitte 2022 überblicken.

Der kommunale Eigenbetrieb Insel Sylt Tourismusservice GmbH (ISTS), bei dem viele Mitarbeiter weiterhin in Kurzarbeit sind, erwartet durch das spürbare Anziehen des Tourismus nun wieder höhere Einnahmen. Dort waren noch im Mai für die Monate Juli und August 40 Prozent niedrigere Gästezahlen erwartet worden – diese düstere Prognose hat sich offenkundig nicht bewahrheitet.

In der ISTS-Aufsichtsratssitzung am Montag, 6. Juli, fiel die Einschätzung des Geschäftsführers Peter Douven denn auch deutlich positiver aus. Voraussetzung für eine positive Entwicklung ist aber eine weiterhin geringe Infektionsrate und damit das penible Einhalten der Hygiene- und Abstandsregeln. Mit einer baldigen Wiederöffnung der Sylter Welle ist also nicht zu rechnen.

Auch der dritte aktuelle „Krisenreport“ der Energieversorgung Sylt GmbH (EVS), die mehrheitlich im Gemeindeeigentum steht, vermittelt deutlich mehr Zuversicht als seine beiden Vorgänger. Der Finanzausschuss berät den Lagebericht in seiner Sitzung am Mittwoch, 8. Juli, um 19 Uhr im Rathaus, aber voraussichtlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Die EVS hatte für ihr Geschäft mit Strom, Gas, Wasser, Abwasser und Fernwärme einen deutlichen Rückgang erwartet, aber auch mit zahlungsunfähigen Kunden gerechnet. Eine erste Prognose ging von einer Reduzierung des Jahresüberschusses von rund 1,8 Millionen Euro aus, bei einem erwarteten Gewinn von gut zehn Millionen Euro. Aktuell erwartet man nun eine Verschlechterung von gut einer Million Euro. „Von einer Krise kann keine Rede sein“, so die Einschätzung von Mitgliedern der Gemeindevertretung.

„EVS und ISTS werden wie alle Gewerbetreibenden finanzielle Einbußen haben“, ist Bürgermeister Nikolas Häckel überzeugt. Damit reduziere sich auch die Gewinnabführung an die Gesellschafter – und damit das Finanzvolumen der Gemeinde Sylt für die Jahre 2020 bis 2022. „Die Gemeinde wird die Corona-Auswirkungen schlussendlich noch mehrere Jahre einkalkulieren müssen.“

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