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Stehende Ovationen beim vierten Adventskonzert

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Kirchenmusiker Martin Stefan und seine Kantorei spielten am Sonntag ihr viertes Adventskonzert in der Westerländer Stadtkirche St. Nicolai

shz.de von
erstellt am 24.Dez.2013 | 00:33 Uhr

Die Ankündigung „Siehe, die Jungfrau wird empfangen“ löste anfangs leichte Verwirrung aus, ließ sie doch spontan an eine Hebammen-Fortbildung oder einen Kursus für werdende Mütter denken. Genaueres Lesen jedoch sowie der Blick auf das Kirchenjahr erbrachten rasch des Rätsels Lösung: Mit dem gleichnamigen Titel, einer Komposition Hermann Schroeders, eröffnete Kirchenmusiker Martin Stephan mitsamt der Kantorei sein letztes der vier Adventskonzerte am vergangenen Sonntag in Westerlands Stadtkirche St. Nicolai.

An diesem frühen Abend war zum einen viel von vorweihnachtlicher Freude die Rede, die sich textlich etwa durch Georg Friedrich Händels „Tochter Zion, freue dich“ oder „Freu' dich, Erd und Sternenzelt“ von Karl Riedel ausdrückte. Insbesondere aber vermittelte sie sich über die Musik. So durch Erhard Mauersbergers „Vom Himmel hoch, o Engelein kommt“ oder durch das äußerst melodische, wiegend-beschwingte „Mariä Wiegenlied“ Max Regers.

Der Programmzettel, mit Bedacht zusammen gestellt, schlug eine Brücke von Werken der Barockzeit bis in die Gegenwart. Und war zugleich ein enormes Pensum, das die Kantorei zu bewältigen hatte. Erneut mit großer Bravour bewies sie ihre gesanglich Ausdruckskraft und Stärke. Und brachte – mal mit Schwung und jubilierend, dann verhalten und überaus einfühlend – die Weihnachtsfreude musikalisch zum Erklingen. Das alles äußerst prononciert und dermaßen geschliffen in der Artikulation, dass die zahlreichen Besucher auch die (textlich vermittelten) Botschaften der unterschiedlichsten Kompositionen mit Bedacht verfolgen konnten. Die fleißige und sorgsame Probenarbeit durch Kantor Martin Stephan kam hier zu ihrem verdienten Erfolg.

Der Ernst und die Bußfertigkeit, die den vorweihnachtlichen Wochen im Grunde zu eigen ist, scheint in Konkurrenz zu mancher Glühweinseligkeit und den Klängen von „Jingle Bells“ mehr und mehr ins Hintertreffen zu geraten scheint. An diesem Abend jedoch kamen sie in den aufrüttelnden Kompositionen von Charles Gounod („Missa Brevis“) sowie der Schlusschor aus dem Weihnachtsoratorium von Camille Saint-Saens zum Tragen. Und nicht zu vergessen die Orgelbeiträge des international gefragten Künstlers und Kirchenmusikers Jürgen Henschen. Er begleitete nicht nur die Kantorei mit seinem Spiel, sondern brachte Orgelchoralbearbeitungen von Johann Sebastian Bach versiert zu Gehör.

Mit „Stille Nacht, heilige Nacht“ als Zugabe bedankte sich die Kantorei bei den Besuchern. Die standen allesamt bei diesem bewegenden Gesang in ihren Bänken, den Blick auf die Empore gerichtet. Still und ergriffen die einen, gesenkten Hauptes oder nachdenklich drein blickend die anderen. Allesamt aber lauschend, sinnend, summend oder gar leise mitsingend. Welch ein erhebendes, Herz und Gemüt gleichermaßen erfüllendes Konzert fand hier seinen Abschluss.Kann es eine schönere Einstimmung auf das Weihnachtsfest geben?

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