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Interview zum Jahresabschluss : Steffi Böhm: Wichtig ist ein respektvoller Umgang miteinander

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Im Jahresabschluss-Interview spricht Kampens Bürgermeisterin Stefanie Böhm über harmonisches Miteinander, Weihnachten mit Glitzer und über passive Fitness.

von
erstellt am 30.Dez.2015 | 18:28 Uhr

Während sich das Inseljahr dem Ende zuneigt, hat sich die Sylter Rundschau mit allen fünf Bürgermeistern der Insel unterhalten, welche Themen sie und ihre Gemeinden 2015 bewegt haben. Heute lesen Sie zum Abschluss unser Interview mit Stefanie Böhm, der Bürgermeisterin der Gemeinde Kampen.

Eines der großen Themen inselweit ist der kommunale Wohnungsbau. Was tut die Gemeinde Kampen, um mehr Dauerwohnraum zu schaffen?

Auf dem Grundstück des ehemaligen Kindergartens ist ja mittlerweile die Baugrube ausgehoben. Damit geht es endlich los mit kommunalem Wohnungsbau auch in Kampen. Ich gehe davon aus, dass Ende kommenden Jahres, spätestens Anfang 2017, alle zwölf Wohnungen bezugsfertig sein werden. Hoffentlich werden 2016 auch die Planungen für die Dauerwohnbebauung südlich des Esling Wung konkreter. Was dort im Einzelnen entstehen soll, wird noch beraten. Ich gehe aber davon aus, dass es sich um Erbpachtmodelle, wie bereits im Möwenweg umgesetzt, handeln wird.

Um die Anzahl der Zweitwohnsitze zu beschränken und mehr Wohnraum für Insulaner zu schaffen, will die Gemeinde Sylt verstärkt Quoten wie 40/60 einführen. Ist das auch ein Modell für Kampen?

Unsere Haltung dazu ist klar: ein eindeutiges Nein. Selbst wenn sie in GRIPS als mögliches Sicherungsinstrument formuliert sind, werden wir solche Quotenregelungen aufgrund der vorhandenen Strukturen nicht anwenden. In Kampen ist das ausdrücklich nicht gewollt, wäre rechtlich auch gar nicht durchsetzbar. Betroffen wären hier ja vor allem die Letzten, die noch durchhalten. Wir setzen auf ein harmonisches Miteinander von Dauerwohnern und Zweitwohnungsbesitzern.

Gibt es in Kampen denn ähnliche Besonderheiten im Planungsrecht?

In unserer Bauleitplanung haben wir Sondergebiete für einzelne Objekte wie gastronomische Betriebe oder Hotels ausgewiesen und dafür die Grundflächenzahl erhöht. Traditionelle Unternehmen wollen wir gerne individuell unterstützen. Diese Betriebe haben über Jahrzehnte unser Dorf mitgeprägt und so soll es auch in Zukunft bleiben. Gerade hat der Bebauungsplan, in dem sich der Strönwai und ein Teil der Kurhausstraße befinden, öffentlich ausgelegen. Zum Erhalt dieser besonderen Flanier- und Restaurant-Meile bleiben im gesamten Erdgeschoss Einzelhandel oder Gastronomie erlaubt und im Obergeschoss dürfen Wohnungen sein.

Seit Mai ist Nikolas Häckel nicht nur neuer Bürgermeister der Gemeinde Sylt, sondern auch leitender Verwaltungsbeamter des Amtes Landschaft Sylt. Wie ist die Zusammenarbeit mit ihm angelaufen?

Er ist natürlich anders als seine Vorgängerin Petra Reiber, hat einen ganz anderen Stil. Ich denke, wir müssen und wir werden auch zueinander finden – das ist aber ein ganz normaler Vorgang. Allerdings: dieser wechselseitige Prozess läuft derzeit noch.

Welche Neuerungen gab es in zu Ende gehenden Jahr für die Touristen?

Baulich gesehen eigentlich nichts. Das neue WC-Häuschen sowie die befestigten Wege und Plattformen auf dem Roten Kliff wurden gut angenommen, haben sich bewährt. Den Bohlenweg möchten wir in Zukunft gerne weiterführen in Richtung Süden bis zum Campingplatz. Das wäre eine wichtige Verbesserung des Naturschutzes – dann würden noch weniger Leute die Dünen oder die Heide betreten. Seitens des Tourismus Service wurde ein Relaunch unserer Internetseite vorgenommen, reinschauen lohnt sich. Bei der Buchungsplattform hat man sich, wie auch in den anderen Inselorten, für einen anderen Anbieter entschieden. Für den Nutzer und auch für den Vermieter wird die Bedienung und Pflege bedeutend einfacher. Gerade bei den neuen Medien ist es wichtig, immer auf dem aktuellsten Stand zu bleiben. Auch unser Magazin „Pro Kampen“ erhielt eine Verjüngungskur, besonders gefällt mir die Weihnachtsausgabe mit „Glitzer“.

Wie zufrieden sind Sie mit der Saison 2015?

Na ja, der Sommer war natürlich viel zu kalt. Das haben wir schon deutlich zu spüren bekommen, zum Beispiel durch weniger Tageskurkarten oder weniger vermietete Strandkörbe. Und auch unsere Gastronomen werden das durch weniger Gäste auf ihren Terrassen gemerkt haben. Insgesamt gesehen sind die Gästezahlen jedoch erfreulicherweise fast konstant geblieben. Erfreulich ist auch, dass unsere Hoteliers und Privatvermieter jedes Jahr wieder viel Geld in die Hand nehmen, um die Vermietobjekte auf einem sehr hohen Niveau anzubieten. Auch durch Wegzug einiger Stores hier im Dorf ist der Einzelhandel nicht geschwächt, neue Premiummarken haben sich in Kampen angesiedelt. Darüber sind wir sehr froh.

Worauf sind Sie 2015 besonders stolz?

Im zu Ende gehenden Jahr, aber auch grundsätzlich darauf, dass wir in unserer Gemeindevertretung alle an einem Strang ziehen. Ich finde es niveaulos, was da im Inselsüden gerade mit Rolf Speth passiert. Wir sind doch alle im Ehrenamt tätig – da geht so etwas gar nicht. Na klar, Streit kann es immer geben, auch bei uns. Wichtig ist doch ein respektvoller Umgang miteinander und dass man sich auch nach einer Kontroverse wieder in die Augen schauen, gemeinsam an einem Tisch sitzen und ein Bier trinken kann. So, wie es unsere Vorväter uns vorgemacht haben.

Was bereuen Sie im zu Ende gehenden Jahr 2015?

Ich bereue, dass ich es dieses Jahr nicht geschafft habe, mein Sportprogramm im Milon-Fitnesszirkel durchzuziehen. Naja, über passive Mitglieder freut sich jeder Club …

Welche besonderen Wünsche haben Sie für das neuen Jahr 2016?

Die Wünsche als Bürgermeisterin habe ich ja schon genannt, besonders den Fortschritt beim Wohnungsbau. Privat wünsche ich mir vor allem Gesundheit für meine Familie und meine Freunde.

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