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Gemeinde Sylt : Startschuss für das Handyparken

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Seit gestern können Autofahrer in der Gemeinde Sylt ihre Parkgebühren mit einer Smartphone-App bezahlen / Mindestens 19 Cent Aufschlag

Der Parkgroschen hat ausgedient – die Zukunft der Parkgebühren ist digital. Bürgermeister Nikolas Häckel und Ole von Beust von der Firma Smartparking haben gestern den Startschuss für das Handyparken auf Sylt gegeben. Die Autofahrer müssen sich künftig nicht mehr mit widerborstigen Parkautomaten herumschlagen, sondern bezahlen die Stellplatzgebühr mit einer App auf dem Smartphone. Doch den Komfort gibt es nicht umsonst.

Wer den Stress mit dem Parkautomaten vermeiden möchte, muss sich zunächst für eine von drei Apps entscheiden. Vom Start weg sind Easypark, Park Now und Trafficpass im Boot, in wenigen Wochen sollen noch Travipay und Yellowbrick folgen. Nach der Installation auf dem Smartphone (alle Anbieter bieten Apps für iPhones und Android-Geräte, Easypark auch für Windows Phone) muss man sich zunächst mit Namen und Adresse, Kfz-Kennzeichen und Zahlungsdaten registrieren. Dabei sind meist Zahlungen per Lastschrift als auch per Kreditkarte oder Paypal möglich.

Ein orangefarbener Aufkleber an den Parkautomaten in der Gemeinde Sylt weist seit gestern auf die Handypark-Option hin. Statt ein Parkticket am Automaten zu lösen, startet der Autofahrer den Parkvorgang in der App. Dabei gibt er die Nummer der Parkzone vom Aufkleber an und legt einen Parkzeitraum fest – genauso wie am Automaten, mit der gleichen Taktung zum gleichen Preis. Für die Gemeinde Sylt gelten die Parkzonen 259001 bis 259004. 259001 gilt für die Parkplätze mit einer stündlichen Parkgebühr von 1 Euro, 259004 für das Parken am Straßenrand für 1,50 Euro/Stunde. Die Zonen 259002 und 259003 gelten auf dem Flughafen und auf den Park-and-Ride-Bahnhöfen in Keitum und Morsum.

Praktisch bei der Park-App: Die Parkzeit kann nach Bedarf gestoppt oder verlängert werden und die Apps warnen auch vor Ablauf der gebuchten Parkzeit. Autofahrer müssen also nicht mehr zu viel Geld in den Automaten stecken, um vor einem Strafzettel sicher zu sein, oder sich abhetzen, wenn die Parkzeit abgelaufen ist.

Für diesen Komfort berechnen die App-Anbieter jedoch Zuschläge auf die kommunalen Parkgebühren – laut Smartparking-Sprecher Philipp Zimmermann mindestens 19 Cent (Trafficpass). Bei der BMW-Tochter Park Now sind es mindestens 25 Cent, bei Easypark 15 Prozent der Parkgebühr, aber mindestens 49 Cent. Für Vielparker können sich Abonnements lohnen, bei denen stattdessen eine monatliche Grundgebühr in Rechnung gestellt wird. Einige Anbieter erheben auch noch Zuschläge für das Zahlen per Kreditkarte oder per Paypal.

Ob ein Auto ein gültiges Ticket für seinen Parkplatz hat, erkennen die Mitarbeiter des Ordnungsamtes, sobald sie das Kennzeichen auf ihrem Smartphone mit einem zentralen System abgleichen. Dabei funktioniert das Smartparking-Angebot bereits in rund 40 Städten in Deutschland und Österreich. Im Norden sind auch Lübeck und Hamburg an die Plattform angeschlossen, Kiel soll in diesem Monat folgen. Komfortabel ist das App-Parken auch für ausländische Sylt-Gäste. Die beiden europäischen Marktführer Park Now und Easypark sind in Skandinavien und den Niederlanden stark vertreten, für das Parken in Deutschland müssen ihre Kunden sich nicht extra anmelden.

Mit VW, Volvo und BMW gibt es mittlerweile auch Autohersteller, die das bargeldlose Parken in ihre Navi-Systeme integriert haben. Auch dahinter stecken die Abrechnungssysteme der fünf App-Anbieter.

Bei unserem Test funktionierte der Zugang über Park Now gestern noch nicht – die App kannte die Sylter Tarifzonen 259001 bis 259004 noch nicht. Heute im Laufe des Tages soll aber auch die Gemeinde Sylt in die App integriert werden.

Wer sich die Gebühren sparen möchte, kommt an der Barzahlung nicht vorbei. Dabei empfiehlt sich Kleingeld – die Sylter Automaten geben kein Wechselgeld, die Funktion gilt als störungsanfällig. Dass die Barzahlung an Parkautomaten hierzulande jemals abgeschafft werden könnte, glaubt Smartparking-Sprecher Philipp Zimmermann nicht: „Davon sind wir in Deutschland noch sehr weit weg.“ Anders als etwa in den skandinavischen Ländern, wo viele Automaten längst keine Kronen- und Öre-Münzen, dafür aber Kreditkarten akzeptieren.

Die Kartenzahlung soll laut Bürgermeister Häckel bei neuen Parkscheinautomaten in der Gemeinde Sylt integriert sein. Wann sie tatsächlich kommen, verriet Häckel nicht: „Die Gemeinde beschafft sukzessive neue Parkscheinautomaten, bei deren Ausschreibung die Kartenzahlfunktion berücksichtigt werden wird.“

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erstellt am 07.Jun.2017 | 12:20 Uhr

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