Personennahverkehr auf Sylt : Stadtbus vor dem Aus bewahrt

Zu groß und nicht ausgelastet – die bisherigen Fahrzeuge der Stadtbuslinien A und B sollen künftig auf anderen SVG-Strecken eingesetzt werden.
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Zu groß und nicht ausgelastet – die bisherigen Fahrzeuge der Stadtbuslinien A und B sollen künftig auf anderen SVG-Strecken eingesetzt werden.

Die Linien A und B sind zwar unrentabel, sollen aber durch Gemeindezuschüsse erhalten bleiben, die SVG will künftig kleinere Busse einsetzen.

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14. Januar 2015, 06:00 Uhr

Gute Nachricht für alle Benutzer des Stadtbusses: der Verkehr der beiden Linien A und B soll bis Ende September 2017 fortgeführt werden – allerdings mit deutlich kleineren Fahrzeugen als gegenwärtig. So lautet die Beschlussempfehlung der Mitglieder des Ortsbeirats Westerland vom vergangenen Donnerstag und darüber wird bereits in dieser Woche zwischen der Gemeindeverwaltung und der Sylter Verkehrsgesellschaft (SVG) verhandelt.

Der beiderseitige Vertrag für den Stadtbusverkehr war bereits zum 30. Juni 2014 nach zehn Jahren abgelaufen und wurde im gegenseitigen Einverständnis zunächst bis zum 31. Dezember vergangenen Jahres verlängert. Der Umwelt-, Küstenschutz- und Verkehrsausschuss hatte in seiner Sitzung am 1. Dezember 2014 einer Verlängerung des Vertrages, eventuell auch unter Berücksichtigung einer „angemessenen Preissteigerung“, bis zum Ablauf der Konzession der SVG für den Busverkehr auf der Insel insgesamt am 30. September 2017 zugestimmt. Die Sylter Gemeindevertreter hatten deshalb Mitte Dezember 2014 den Beschluss gefasst, die Vertragsmodalitäten mit der SVG in diesem Sinne neu auszuhandeln.

Rechtzeitig vor dem Stichtag in drei Jahren soll für alle Sylter Buslinien eine Ausschreibung durchgeführt werden. Zuständig dafür ist – auch im Auftrag der Gemeinden List, Kampen, Wenningstedt-Braderup und Hörnum – das Umweltamt der Gemeinde Sylt. Grundsätzlich sollte bis zu diesem Zeitpunkt auch entschieden werden, ob das Stadtbussystem überhaupt in der bisherigen Form weitergeführt werden kann oder ob es zum Beispiel in das übrige Liniennetz integriert wird. Der Hintergrund für diese Überlegungen sind die rückläufigen Beförderungszahlen der Buslinien A (Südring) und B (Nordring) in den vergangenen beiden Jahren. Während seit dem Stadtbus-Start 2005 die Zahlen relativ stabil bei 46  000 bis knapp 50  000 so genannten Beförderungsfällen lagen, sind diese Werte 2013 und 2014 für beide Linien auf durchschnittlich 40  000 gesunken. Zum Vergleich: Nachdem der „Kleine Tinnumer“ im Frühjahr 2012 in Betrieb genommen wurde, haben sich dort die Beförderungszahlen stetig von 20 000 auf zuletzt 25 000 pro Jahr erhöht.

SVG und Verwaltung vermuten jedoch, dass einer erneuten oder sogar verstärkten Beförderungszunahme im Stadtbussystem Grenzen gesetzt sind. Aufgrund der fahrradfreundlichen Entfernungen im Westerländer und Tinnumer Gebiet und der Flexiblität, die eine Benutzung des Fahrrad und auch des Autos bieten, habe das „eher schwerfällige Stadtbussystem“ seine Nachteile. Unstrittig ist jedoch, dass diese Busverbindungen für alle Menschen, die Autos oder Fahrräder zum Beispiel aus Altersgründen nicht selbst nutzen können, eine sehr wertvolle Möglichkeit darstellen, um mobil zu bleiben. „Für einige Menschen ist es aus Kosten- oder Gesundheitsgründen vielleicht sogar die einzige Mobilitätsalternative“, sagt Reiner Brudnitzki, der zuständige Abteilungsleiter Verkehrsplanung des Inselbauamtes. Deshalb sei es auch ein Ziel der Verhandlungen zwischen Verwaltung und Sylter Verkehrsgesellschaft, den jetzigen Preis von 1,85 Euro je Fahrt mit dem Stadtbus auf jeden Fall bis 2017 zu halten. Allerdings seien die drei Linien für die SVG eigentlich unrentabel, bestätigt deren Betriebsleiter Sven-Olaf Seddig. Deshalb zahlt die Gemeinde für den Stadtbus und auch für den Kleinen Tinnumer von Beginn an jährlich einen Betriebskostenzuschuss an die SVG.

„Aber dennoch müssen wir weiter sparen, vor allem Sprit für die eingesetzten Fahrzeuge“, sagt Seddig. Auf Anfrage der Verwaltung habe die SVG ein überarbeitetes Stadtbus-Konzept mit einem kleinen Mercedes-Sprinterbus vorgelegt. Es handelt sich um ein Fahrzeug mit zwölf Sitz- und 13 Stehplätzen, das dem in Tinnum eingesetzten Typ ähnelt. Weil jede Busfahrt derzeit durchschnittlich nur mit vier bis sechs Personen besetzt ist, hätte dieser neue Fahrzeugtyp dann noch ausreichende Kapazitäten, falls die Beförderungszahlen wieder deutlich ansteigen würden. Allerdings sei aufgrund der Auswertung monatlicher Zahlen davon auszugehen, dass Touristen und Gäste das Stadtbussystem wenig in Anspruch nehmen. Reiner Brudnitzki schlägt deshalb vor, die Marketing-Maßnahmen für das Stadtbussystem zu analysieren und zu verbessern. Die Ergebnisse sollten möglichst schon in den noch abzuschließenden Fortführungsvertrag zwischen Gemeinden und SVG einfließen. Außerdem wünscht sich der Verkehrsplaner, dass mit Beginn des Sommerfahrplans am 30. März die Verbindungen zwischen den Tinnumer und Westerländer Stadtbuslinien am ZOB besser verknüpft und kürzere Übergänge geschaffen würden.

Das sei durchaus machbar, sagt SVG-Betriebsleiter Seddig. „Wir verbessern im neuen Fahrplan zum Beispiel auch die Busverbindungen nach Archsum und Morsum. Da gab es Kritik von Schülern, dass sie nach der 8. oder 9. Stunde nicht mehr so gut in den Inselosten kamen.“ Im Zusammenhang mit der Wichtigkeit des Erhalts der Stadtbusse gerade für ältere Personen, weißt Seddig darauf hin, dass die Verkehrgesellschaft in Zusammenarbeit mit der Landschaftszweckverband seit längerem allen über 90-jährigen Bürgern jährlich eine 90plus-Karte anbietet, mit der diese sämtliche Inselbusse kostenlos nutzen können. Gleiches gelte für alle Personen, die aus Alters- oder Gesundheitsgründen freiwillig ihren Führerschein zurückgeben – dann allerdings nur für das erste Jahr.

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