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Naturschutz auf Sylt : Stacheliger Zuwachs für Dünen

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Wenn aus einer touristischen Idee ein Naturschutzprojekt wird: Mehr als 400 neue Sylter Stranddisteln wurden gestern in Kampen angepflanzt

shz.de von
erstellt am 08.Sep.2015 | 05:33 Uhr

Gestern hat die Kampener Dünenlandschaft Pflanzen-Zuwachs bekommen: Genau 409 Setzlinge der Sylter Stranddistel wurden von Gemeindevertretern und Naturschützern in das Kampener Naturschutzgebiet gepflanzt. Damit fand das Gemeinde-Projekt, die Wiederanpflanzung der fast ausgestorbenen Distelart, im vierten Jahr in Folge statt. Insgesamt   1  200 Stranddistelpflanzen finden sich nun wieder in dem Dünengebiet. Wo genau, das wird jedoch nicht verraten, denn neben Kaninchen sind die Pflanzen vor allem vom Menschen bedroht, der die Pflanze als Urlaubssouvenir ausgrabe, berichtet Birgit Friese, Leiterin des Tourismus-Service Kampen und Initiatorin des Projektes. Neben dem „Verstecken“ der Pflanze als Schutz vor dem Menschen schirmen zudem Drahtgestelle die kleinen Pflänzchen vor dem Fressfeind Nummer Eins, dem Kaninchen, ab. Denn Rücksichtslosigkeit der Menschen, Kaninchenverbiss und die Verdrängung durch anderen Dünenbewachs führten im Laufe mehrerer Jahrzehnte dazu, dass die Pflanze mittlerweile auf der roten Liste der gefährdeten Arten steht.

Eine Entwicklung, der Birgit Friese entgegenwirken will. Die Idee kam ihr, als vermehrt Touristen nachfragten, was denn das Kampener Wappen für eine merkwürdige Pflanze zeige. „Kaum einer kannte die Pflanze noch. Wir verfolgen die Vision, dass die Sylter Stranddistel wieder fester Bestandteil der Insellandschaft wird“. Aus einer touristischen Idee wurde so schließlich ein Naturschutzprojekt, das zeige, dass es sich nicht immer um gegensätzliche Positionen handeln müsse.

Nur noch rund um den Lister Ellenbogen finden sich größere Bestände der Sylter Stranddistel. Dort haben auch die 409 neuen Setzlinge ihren Ursprung. Samen der Lister Disteln wurde in Lübeck zu Pflänzchen herangezüchtet, um dann in die Kampener Dünenlandschaft gepflanzt zu werden.

Die Züchterin Norma Kujath ist zusammen mit ihren „Schützlingen“ gestern auf die Insel gereist und wird die Anpflanzung fachmännisch leiten. Den Rest des Jahres verbringen die Disteln dann unter dem Schutz der Naturschutzgemeinschaft Sylt, die die Ausbreitung und das Wachstum der neuen und älteren Pflanzen genauestens dokumentiert. Dabei zeigte sich, dass die Sylter Stranddistel an von der Nordsee stärker beeinflussten Pflanzenorten, also vorrangig den küstennahen Weißdünen, besser gedeihen als in windgeschützten Dünentälern.

„Was ich besonders schön finde ist, dass das Projekt so eine breite Unterstützung auf Sylt findet und hier unkompliziert und pragmatisch umgesetzt wird“, freut sich Naturschützerin Kujath. Das sei ihrer Erfahrung nach keineswegs selbstverständlich. Die Finanzierung des Gemeinde-Projektes erfolgt durch Sponsoren, in diesem Jahr durch den Juwelier Wempe, der unter anderem Armbänder mit Stranddistel-Anhängerchen fertigt. Die Einnahmen aus diesen Verkäufen kommen dem Projekt zu Gute. „Die Kosten halten sich jedoch in Grenzen und die Arbeit wird hauptsächlich durch Ehrenamtliche und die Naturschutzgemeinschaft Sylt bewerkstelligt“, berichtet Birgit Friese.

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