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Bahnchaos auf Sylt : Staatssekretär: Deutsche Bahn und RDC sollen einen Weg finden

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Staatssekretär Frank Nägele besuchte Sylt, um über das Bahnchaos zu sprechen. Fazit: Eine Lösung ist nicht in Sicht.

von
erstellt am 18.Feb.2016 | 00:00 Uhr

Westerland | Das drohende Sylter Bahnchaos beschäftigt die Nordfriesen und nun auch die Landesregierung. Das sollte zumindest beim Besuch von Staatssekretär Frank Nägele am Donnerstag beim Verein Sylter Unternehmer deutlich gemacht werden. Vor großem Presseaufgebot sollte Nägele für das Kieler Verkehrsministerium erläutern, was das Land nun hinsichtlich des drohenden Bahnchaos auf der Strecke Niebüll-Westerland unternehmen kann und will. Eines wurde deutlich: Die Landesregierung hat so gut wie gar keine Möglichkeiten, auf die Geschehnisse Einfluss zu nehmen. Eine schnelle Lösung ist weiterhin nicht in Sicht.

Der Kampf um den Hindenburgdamm der beiden Bahnunternehmen Railroad Development Corporation (RDC) und DB Syltshuttle zieht sich seit Langem hin. Weil viel mehr Züge als bisher auf der teils eingleisigen Strecke fahren sollen, werden sie sich in den Bahnhöfen Westerland und Niebüll gegenseitig blockieren, so die Befürchtung.

Nägele nutzte seinen Insel-Besuch vor allem dazu, öffentlichkeitswirksam an die „Vernunft der Beteiligten“ zu appellieren: Die konkurrierenden Autozugbetreiber Deutsche Bahn und RDC sollen schnellstmöglich einen Weg finden, wie der Bahnverkehr von und nach Sylt unter den gegebenen Bedingungen möglichst reibungslos ablaufen kann. Schließlich sei der Hindenburgdamm die „Lebensader“ der Insel – diese „Lebensader“ jedoch stehe aufgrund des Wettbewerbs auf der Schiene kurz vor dem „Kollaps“.

Dass sich die Konkurrenten RDC und DB wirklich zusammenraufen, bevor RDC den Betrieb auf dem Hindenburgdamm aufnimmt, hält zumindest Nägele aufgrund des Drucks, der sich gegen die beiden Unternehmen formiert, nicht für ausgeschlossen. Langfristig will die Landesregierung auf verschiedene Änderungen der Bundesgesetzgebung hinarbeiten, damit die Trassenvergabe auf der Sylt-Strecke künftig nach sinnvolleren Kriterien erfolgt.

Weiterhin die Idealvorstellung der Landesregierung: Für diese Strecke fällt der Wettbewerb flach, das Land kann entscheiden, wie der Autozugverkehr sinnvoll betrieben wird. Ob und vor allen Dingen wann sich solch eine Gesetzesänderung durchsetzen lässt, ist allerdings fraglich. Einen Teil der nun vergebenen Trassen dürfen die Unternehmen bekanntermaßen noch die kommenden neun Jahre fahren. „Die Änderung sollte deutlich früher greifen als in neun Jahren“, so Nägele. Gegebenenfalls müsse die Bundesregierung die Bahnunternehmen schlicht abfinden. Das sei eventuell auch im Sinne der Unternehmen: „Wir reden hier über Vernunft. Die beiden Unternehmen wollen sich ja nicht neun Jahre lang eine Schlammschlacht liefern.“

Vor seinem Besuch des Vereins Sylter Unternehmer hatte sich Nägele die Sorgen und Probleme einer Delegation von Sylter Pendlern angehört. Sie sind Teil einer über 2000 Mitglieder starken Gruppe, die sich auf Facebook organisiert hat. Obwohl der Staatssekretär auch dort nur sehr begrenzt Hoffnung vermitteln konnte, zeigte sich Pendler-Sprecher Achim Bonnichsen mit dem Besuch aus Kiel dennoch zufrieden: „Wir sind darin bekräftigt worden, weiterzumachen.“ Was seine Pendlergruppe allerdings konkret plane, um auf die Situation auf den Schienen aufmerksam zu machen, sagte Bonnichsen nicht.

Im Vorfeld des Besuchs aus Kiel hatte sich unter anderem der Bundestagsabgeordnete Ingbert Liebing (CDU) geäußert. In einem Schreiben kritisiert er die akuten und drohenden Verspätungen und fordert das Land „als Besteller des Nahverkehrs“ dazu auf, „einen Interessenausgleich zwischen allen Beteiligten zu befördern“.

Auch Sylts Tourismusdirektor Peter Douven formuliert seine Sorgen in einem weiteren Brief an das Kieler Ministerium. Unter anderem macht er deutlich, dass es dem Tourismus der Insel massiv schade, sollte sich die Erreichbarkeit weiter verschlechtern, statt sich endlich zu verbessern. Wichtig sei für ihn zum einen der zweigleisige Ausbau der Strecke Niebüll-Westerland. Zum anderen spricht auch er die Hoffnung an, dass die Vergabe der Trassen künftig „nicht erlös-optimiert, sondern vielmehr versorgungsoptimierend und unter dem Aspekt der Daseinsvorsorge“ erfolge. Nach seiner Rechts-Interpretation würde Sylts außergewöhnliche Lage Ausnahmen zulassen.

 

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