Westerland : "Staatsbürgerin" Vatandas verstärkt die Sylter Kripo

Die neue Kripo-Beamtin vor der Polizeistation: Hava Vatandas (29) ist seit dem 1. August auf der Insel.  Foto: andresen
Die neue Kripo-Beamtin vor der Polizeistation: Hava Vatandas (29) ist seit dem 1. August auf der Insel. Foto: andresen

Ihr Name und ihre Wurzeln sind türkisch, doch Hava Vatandas ist Hamburgerin durch und durch

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24. September 2011, 08:22 Uhr

westerland | Hava Vatandas - der Name der neuen Sylter Kripo-Beamtin lässt aufhorchen. "Vatandas ist türkisch und bedeutet ins Deutsche übersetzt Staatsbürger", verrät die 29-Jährige. Hava Vatandas ist jedoch keine türkische, sondern deutsche Staatsbürgerin mit türkischen Eltern.

Auf die Frage, ob sie sich aufgrund ihrer türkischen Wurzeln als Deutsche oder Türkin fühle, sagt sie: "Ich bin Hamburgerin." Die in der Hansestadt geborene Vatandas kennt ihre Wurzeln, findet aber auch, dass es wichtig ist, sich seinem Umfeld anzupassen. Als Hanseatin ist sie ein großer St.-Pauli-Fan und zählt Jan Delay zu ihren Lieblingsmusikern.

Dennoch verließ die Hamburgerin Anfang August ihre Heimatstadt, um künftig auf Sylt auf Verbrecherjagd zu gehen. "Es war eine positive Überraschung ", sagt die Großstädterin. Allerdings sei es sehr schwer gewesen, eine Wohnung zu finden, und sie suche nach einer Alternative zu ihrer jetzigen Bleibe in Westerland.

Nach der Ausbildung zur Krankenschwester wollte Hava Vatandas sich weiterbilden und drückte noch einmal die Schulbank. Sie machte das Abitur nach und absolvierte das dreijährige duale Studium für den gehobenen Polizeidienst.

Glücklich über den gelungenen Aufnahmetest bei der Polizei war auch Vatandas Mutter, trotz anfänglicher Sorgen. "Auch wenn meine Mutter nicht hinter meiner Entscheidung gestanden hätte, hätte ich es gemacht. Es ist aber schön, dass sie jetzt stolz auf mich ist." Für die Aufnahmeprüfung habe sie einige Monate trainiert, heute hält sie sich mit Schwimmen und Laufen fit.

Die Arbeit bei der Polizei sei deshalb reizvoll, weil man meistens etwas erreicht. "Mir ist bewusst, dass ich nicht jedem helfen kann. Das wäre nicht real", sagt die junge Frau. Als Dienstanfängerin sei sie manchmal zwar unsicher, handele aber nach dem Motto "einfach ausprobieren und am besten keine Angst haben."

In der Ausbildung haben sie und ihre Kollegen gelernt, wie sie bei dem "Fall der Fälle" reagieren sollten. "Das echte Leben ist aber anders", weiß Hava Vatandas. Sie wurde zwar gut vorbereitet - Schießtraining und Selbstverteidigung gehören zur Grundausbildung -, weiß jedoch nicht genau, wie sie beispielsweise bei einem Konflikt zwischen türkischen Mitbürgern auf diese wirken würde. "Ein Vorteil wäre, dass wir dieselbe Sprache sprechen, aber dass ich eine Frau bin, könnte auch von Nachteil sein." Es komme immer darauf an, mit welchem Menschentyp man es zu tun habe. "Da spielt die Nationalität dann keine Rolle."

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