zur Navigation springen

Sylter Kirchen : St. Peter: Junge Reetdach-Kirche mit dramatischer Vorgeschichte

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Der neunte Teil der SR-Serie über die Geschichte und Architektur der Sylter Gotteshäuser widmet sich der Kirche St. Peter in Rantum – der fünften ihres Namens.

Mit ihren Mauern aus rotem Backstein und dem Reetdach erinnert die Rantumer Kirche St. Peter den ehemaligen Pastor Friedhelm Bechmann an einen „guten Freund“ – während er die gradlinige, kühne Architektur des Hörnumer Gotteshauses mit einer „kühlen Geliebten“ vergleicht.

Die Geschichte der Rantumer Kirchen, die alle den Namen St. Peter trugen, ist allerdings alles andere als behaglich. Vier von ihnen wurden von Dünen verschüttet oder vom Meer weggespült. In ihrem neuen Sylt-Lexikon schreiben Harry Kunz und Thomas Steensen, vermutlich die Allerheiligenflut habe 1436 die sogenannte „Westersee-Kirche“ fortgespült. 1652 sei dann die zweite Kirche untergegangen und die dritte Kirche habe 1725 zwar noch weit entfernt von den Dünen gestanden, sei aber bereits 1757 von Sand begraben worden. In der vorletzten Kirche fand der letzte Gottesdienst am 18. Juni 1801 statt. „Zu dem Zeitpunkt mussten die Menschen schon durch die Fenster einsteigen, weil der Sand das Gebäude zugeschüttet hatte“, erzählt Pastor Bechmann.

Noch heute ist die ungefähre Lage der alten Kirche bekannt: Im Norden des Ortes sollen die Kirchenfundamente unter der Düne „ual säärk“ (sylterfriesisch für „alte Kirche“) begraben sein. Das Gotteshaus wurde 1801 von dem Westerländer Fischer Ebe Pohn ersteigert, der sich aus den Steinen ein neues Haus in der Bastianstraße baute. Auch die Innenausstattung der Kirche ging in seinen Besitz über. Darunter auch das Bild „Segen von oben“ – „eine ganz naiv-rührende Darstellung des Abendmahls, die ein Laienmaler angefertigt hat“, wie Beckmann sagt. Das Gemälde dekorierte einige Zeit die Schiffskajüte Pohns und dann dessen Haus. 1965, ein Jahr nach der Fertigstellung der heutigen Kirche, übergaben seine Nachfahren das Bild wieder der Kirchengemeinde. Jetzt ist der „Segen von oben“ das Herzstück des Flügelaltars.

Erst einmal waren die Rantumer aber 136 Jahre lang ohne eigenes Gotteshaus. Das „sterbende Dorf“, wie es damals auf Sylt genannt wurde, hatte Ende des 19. Jahrhunderts nur noch sieben Häuser. Eine eigene Kirche lohnte sich für so wenige Menschen nicht und die Einwohner gingen in Westerland zum Gottesdienst. Als die Gemeinde Rantum nach dem Zweiten Weltkrieg aber zeitweise bis zu 3000 Flüchtlinge aufnahm und nach und nach auch als Urlaubsziel immer beliebter wurde, wuchs der Wunsch nach einer eigenen Kirche. Zunächst gab es einen Kirchsaal im Schulblock der ehemaligen Rantumer Kasernen. Dann wurde der Bau in Angriff genommen. Vorgesehen war zunächst ein Grundstück in der Nähe des heutigen Supermarktes. Gewünscht war von der Gemeinde aber ein zentralerer Ort und so kam die Kirche durch einen Grundstückstausch zu ihrem heutigen Standort gleich neben der Kurverwaltung.

Es gab aber noch ein anderes Problem, denn die Rantumer wollten unbedingt ein Reetdach haben. „Dagegen hat sich die Kirche zunächst gesträubt, schließlich ist ein Reetdach sehr teuer“, erzählt Pastor Bechmann. Schließlich aber setzten die Rantumer ihren Wunsch durch und zwischen 1962 und 1964 entstand unter der Leitung des Architekten Heinrich Bartzen die einzige Reetdach-Kirche der Insel. Natürlich erhielt sie ebenso wie ihre Vorgänger den Namen St. Peter. Kirchen mit dem Namen des Apostels hatten stes eine zentrale Stellung, wie Pastorin Annette Gruennagel sagt: „Man denke nur an St. Peter in Rom.“ Diese Namensgleichheit führte allerdings in der Vergangenheit auch zu Verwirrungen – „viele Gäste glaubten, St. Peter sei katholisch“, erzählt Bechmann.

Mittlerweile gibt es die neueste Rantumer Kirche seit 50 Jahren. In dieser Zeit gab es einige Veränderungen. Beispielsweise verließ das Bild „Segen von oben“ seinen unscheinbaren Platz am Westende Kirchenschiffs und wurde zum Mittelpunkt des Flügelaltars. Der Karlsruher Maler Emil Wachter schuf zwischen 1995 und 1997 zusätzlich ein siebenteiliges Werk und verband beides zu einem stimmigen Gesamtkunstwerk.

1984 gelang es der Gemeinde außerdem, genügend Geld für einen reetgedeckten Glockenstapel zu sammeln. „Das ging ganz schnell“, erzählt Pastor Bechmann, der selber den Entwurf für den Bau anfertigte. „Besonders, als die bereits gegossene Glocke ein Jahr lang die Spendenbereitschaft stumm anfeuerte.“

zur Startseite

von
erstellt am 03.Jan.2014 | 00:33 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen