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Naturtag auf Sylt : „Sprechen Bäume bäumisch?“

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Für die Drittklässler der St. Nicolai-Schule und ihrem Standort am Nordkamp ist jeder Montag „Naturtag“.

shz.de von
erstellt am 11.Mai.2017 | 10:02 Uhr

Vor drei Jahren wurde die Idee von einem regelmäßigen „Naturtag“ für Schülerinnen und Schüler an der Schule St. Nicolai und dem Standort am Nordkamp entwickelt. Ziel sollte es sein, den Sylter Kindern nicht nur die Natur ihrer Insel und deren Phänomene näher zu bringen, sondern auch andere Kompetenzen zu fördern: Die Kinder sollten lernen, mit anderen zusammen zu arbeiten und gemeinsam zu planen, Regeln zu akzeptieren und einzuhalten sowie vor allem mit ihrer Umwelt verantwortlich umzugehen.

Sven Lappoehn von der Söl’ring Foriining erläutert kindgerecht und unterhaltsam, wie Bäume sich mit Tieren oder miteinander verständigen
Sven Lappoehn von der Söl’ring Foriining erläutert kindgerecht und unterhaltsam, wie Bäume sich mit Tieren oder miteinander verständigen

Um mit dem „Naturtag“ starten zu können, mussten zunächst die Eltern überzeugt werden. Die Sorgen, ihre Kinder würden Unterrichtsstoff verpassen, bis hin zu der Befürchtung, sie könnten durch den Aufenthalt im Freien bei Wind und Wetter schneller und häufiger krank werden, standen im Raum. „Wir haben Kinder erlebt, die noch nie mit den Füßen im Wasser waren“, berichtet Lehrer Dirk Hohhäusel, nachdem das Projekt jetzt erfolgreich läuft, „und das, obwohl sie auf einer Insel wohnen.“

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Susanne Rohde, die von Seiten der Naturschutzgemeinschaft Sylt die regelmäßigen Montagsausflüge begleitet, sieht leider eine grundsätzliche Tendenz bei Eltern, ihre Erziehungsverantwortlichkeiten wegzuschieben. Das Fahrradfahren- oder Schwimmen-Lernen gehöre beispielsweise für sie dazu – Aufgaben, die heute die Eltern nicht mehr selbstverständlich übernähmen. Und eben die Ausflüge mit den Kindern in die Natur.

Am vergangenen Montag stand der Besuch der Vogelkoje in Kampen auf dem Programm des „Naturtages“. Da das Bildungszentrum des Landes Schleswig-Holstein den Mai zum „Aktionsmonat Naturerlebnis“ erklärt hat, an dem auch die Vogelkoje teilnimmt, passte die Wahl ganz besonders gut. Profimäßig ausgestattet mit Regenhose, Brotdose und Trinkflasche nahmen die Drittklässler das dortige Museum der Söl’ring Foriining in ihren Besitz. Die Anlage im Wald fordert durch ihre Wegführung, die interaktiven Erklärungstafeln und teilweise geheimnisvollen Plätzen von sich aus schon zur Bewegung auf. Stillsitzen unnötig, nur Zuhören, wenn der Geschäftsführer der Söl’ring Foriining, Sven Lappoehn, anfängt zu erklären. Das macht der zweifache Vater sehr kindgerecht und unterhaltsam. Wissenschaftliche Fakten werden spannend verpackt – so auch die Frage, wie Bäume sich mit Tieren oder auch miteinander „unterhalten“ können.

Zuerst Ratlosigkeit und Kopfschütteln, niemand hat ein Baum bislang sprechen hören und die Sprache „Bäumisch“ gibt es auch nicht. Dafür allerdings Duftstoffe, die von den Pflanzen abgesondert werden und so Mitteilungen aussenden. „Da kann der Baum dem Käfer, der seine Blätter fressen will, dann schon mal deutlich machen: ‚Hau hier lieber ab, meine Blätter schmecken nicht!‘“, schmunzelt Sven Lappoehn mit einem großen Augenzwinkern und die Kinder folgen ihm weiter gespannt durch das Gelände.

An dem Herzstück der Vogelkoje ist Feingefühl angesagt. Mit dem Süßwasserteich wurden Enten angelockt, um sie in Reusen zu lotsen und zu töten. Die Sylter litten im ausgehenden 18. Jahrhundert an Fleischmangel, deshalb waren die durchziehenden Wildenten eine höchst willkommene Ergänzung des Speiseplans. Bis 1921 war die Kampener Vogelkoje als eine von insgesamt drei Vogelfanganlagen auf Sylt in Betrieb, jährlich wurden bis zu 25  000 Wildenten gefangen.

Auch diese Klippe nimmt Sven Lappoehn sehr kindgerecht, jedoch mit dem klaren Verweis, dass die Menschen, die Fleisch essen, sich immer bewusst machen sollten, dass dafür ein Tier getötet worden ist. Das verstehen die Kinder ,ohne sich vor den Vorgängen, die hier stattgefunden haben, zu ängstigen.

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Am Ende des Rundgangs steht eine Rallye über das gesamte Gelände an. Dieses Mal dürfen sich die Kinder allein in kleinen Gruppen auf den Weg machen, um die Antworten zu entdecken. Rennen scheint die beste Möglichkeit hierfür zu sein, müde sind die Schülerinnen und Schüler noch lange nicht.

Bewegung ist ein bewusster Inhalt des „Naturtages“, der nicht zufällig auf den Montag gelegt wurde. „Nach dem Wochenende ist dieser außerschulische Lernort für viele Kinder ganz besonders wichtig“, erläutert Dirk Hohhäusel. „Das Wochenende liegt hinter ihnen und oftmals haben sie wenig Bewegung gehabt oder nicht so schöne Situationen zuhause erlebt. Das können sie in dieser Atmosphäre kompensieren. Für uns als Lehrer bieten die gemeinsamen Ausflüge die Möglichkeit, mehr von den Kindern zu erfahren und sie so besser verstehen und fördern zu können.“

Und wie finden die Schülerinnen und Schüler den „Naturtag“? „Schon die Zweitklässler sind ganz aufgeregt deswegen, weil sie im nächsten Jahr endlich selbst dran sind“, lacht Dirk Hohhäusel. Dann geht es ihnen vielleicht wie ihrem Mitschüler Soner, für den der „Naturtag“ an jedem Montag ein neues Abenteuer bedeutet.

 

 


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