Schulsystem auf Sylt : Sport treiben, Musik machen, Kind sein: G9 ist mehr als Schule

Rechtsanwältin Karin Prien (52) ist seit Juni 2017 Ministerin des Landes.
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Rechtsanwältin Karin Prien (52) ist seit Juni 2017 Ministerin des Landes.

Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien erklärt in einem Gastbeitrag, warum Kinder mehr im Kopf haben sollen als Schule.

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08. Januar 2018, 05:50 Uhr

Alles zurück auf Anfang: Am Westerländer Gymnasium wurde 2014 auf Turboabi nach acht Jahren umgestellt, doch nun hat die neue Kieler Landesregierung zum Schuljahr 2019/20 wieder G9 zum Standard erklärt. Das Sylter Gymnasium muss also wieder umstellen – es sei denn, in der Schulkonferenz findet sich eine Dreiviertelmehrheit für den Status quo. Wie werden sich die 36 Vertreter von Lehrern, Eltern und Schülern im Februar entscheiden? In unserer neuen Serie berichtet die Sylter Rundschau über die verschiedenen Meinungen – und wir rufen unsere Leser auf, sich an der Diskussion zu beteiligen. In einem Gastbeitrag erklärt heute Karin Prien, die Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Schleswig-Holstein, worauf es bei dem neuen G9 ankommt.
Bei G 9 geht es um unsere Kinder und Jugendlichen. Sie wollen und sollen mehr als die Schule im Kopf haben, sie wollen Sport treiben, ein Musikinstrument lernen, schlicht Kind sein, sich vielleicht in einem Verein oder in einer politischen Partei betätigen. Und manche brauchen Zeit für ein Ehrenamt. Das alles ist wieder besser möglich, wenn sich die weiterführende Schule neun Jahre Zeit nimmt bis zum Abitur. „Es wird wieder G9 in Schleswig-Holstein geben“ - dieser Satz ist daher für Viele eine gute Nachricht.

Ich freue mich, dass ich von Eltern, Lehrkräften und von Schülerinnen und Schulen viel Gutes über diese Umsteuerung höre. Es gibt – anders als bei der Einführung von G8 – keine Protestwelle, nicht einmal ein untergründiges Gemurmel oder gar Gegrummel. Das ist gut für eine funktio-nierende Lernumgebung und ich bin zufrieden, dass ich sagen kann: Wir haben Wort gehalten! Das Gesetz zur Änderung des Schulgesetzes mit dem Ziel der Wieder-Einführung des neunjährigen gymnasialen Lernens ist unterschrieben. Wir hatten bei Regierungsübernahme einen klaren Zeitplan, wir haben es angepackt und wir haben es in diesem Zeitplan hinbekommen.
Vorangegangen sind konstruktive und engagierte Gespräche mit allen Beteiligten. Ich danke allen Schulleitern, Lehrkräften, Eltern, Schülern, Verbänden, Schulträgern und den Abgeordneten im Landtag für die intensive, disziplinierte und sachliche Debatte. Es hat sich bewährt, einen klar an der Sache orientierten und umfangreichen Beteiligungsprozess zu organisieren. Natürlich gibt es noch genug zu tun: Das neue G9 heute muss ein modernes G9 werden, keine unreflektierte Fortschreibung des alten G9 aus dem 20. Jahrhundert. Andererseits muss das Rad nicht neu erfunden werden, Bewährtes hat Bestand. Die Basis ist da: Es gibt die G9-Lehrpläne und es gibt Gymnasien, die auch vor der Gesetzesänderung G9 gut gemacht haben und von deren Erfahrungen jetzt andere profitieren können. Jetzt wird es darum gehen, dass Gymnasien und Gemeinschaftsschulen ihre Profile schärfen. Einzelne Schulträger machen sich auch Sorgen wegen möglicher zusätzlicher Kosten im Zusammenhang mit der G9-Umstellung. Das verstehe ich, und darüber wird zu sprechen sein. Von Spe-kulationen mit Zahlen oder gar Panikmache halte ich aber nichts. Wir packen auch das an. Und wir werden es hinbekommen.


Am Mittwoch, 10. Januar, um 19 Uhr kommt Karin Prien, die Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Schleswig-Holstein, auf Einladung des CDU-Ortsverbands Sylt zu einer öffentlichen Veranstaltung über das Thema „G8/G9“ in das Congress Centrum Sylt (CCS), Raum „Frisia“, Friedrichstraße 44 in Westerland, zu der sämtliche Beteiligten und Interessierten herzlichst eingeladen sind.





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