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Sylter Rundschau

19. August 2017 | 22:57 Uhr

Spielereien

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Wir flanieren durch Kampen. „Runde 1: Die Dame auf zwei Uhr mit der cognac-farbenen Tasche, der weißen Hose und den Reiterstiefeln. Definitiv Kampen. Ich tippe auf das Golf- und Landhaus wegen ihres sportlichen Chics“. Carstens Kopf schnellt nach rechts. Wir spielen unser Sylter-Lieblingsspiel „WLW“. Wer logiert wo. Es war einst Carstens Idee. Seine Theorie: man könne anhand der Klamotten erkennen, wer wo auf der Insel eingecheckt hat.

Ich erläutere meinen Tipp: „Die Tasche ist eine Kelly Bag von Hermès, Preis ab 5.000 Euro. Sie trägt aufgrund des vielen Kopfsteinpflasters hier flache Stiefel, die übrigens ebenfalls so teuer wie ein Kleinwagen aussehen. Und: weiße Hosen = Kampen. Irrtum ausgeschlossen.“ Carsten schaut skeptisch auf den Golden Retriever, den sie stolz an der Leine führt. „Ich bin nicht sicher. Sind in dem Hotel Hunde erlaubt? Ich tippe eher, dass sie einen Zweitwohnsitz in Rantum hat und sich einfach nur für Kampen schick gemacht hat.“ Wir werden es leider nie erfahren. Das ist das einzig blöde an unserem Spiel.

Die zweite Runde spielen wir in einem Westerländer Café mit Blick auf die Einkaufsstrasse. Carsten: „Auf 11 Uhr kommt ein Ehepaar. Er mit blauer Wetter-Jacke, sie mit roter Weste und großer Tasche. Beide haben ein Fischbrötchen von Gosch in der Hand. Sie wohnen in Hörnum. Da gibt’s keinen Zweifel“. Er sei sich sicher, dass die Herrschaften von „weiter her“ kommen würden, da sie den praktischen Zwiebellook tragen. „Sie sind heute Morgen in Hörnum mit Ziel Westerland losgefahren und haben sich so angezogen, dass sie nicht wieder nach Hause müssen, sollte das Wetter tagsüber umschlagen.“ In der großen Tasche hätten die beiden ihre Schals sowie Getränke für Zwischendurch, mutmaßt Carsten weiter. „Kann sein“, erwidere ich, „aber sie könnten doch auch aus List kommen.“ Carsten ist empört. „Können sie nicht. HALLO!!! Sie essen HIER in Westerland ein Fischbrötchen von Gosch. Das täten sie nicht, wenn sie die in List tagtäglich vor der Tür hätten.“ Gutes Argument. Und gut beobachtet. Sollte Carsten mal keinen Bock mehr auf Radio haben, werde ich ihm empfehlen, sich bei der Kripo zu bewerben. Oder bei Aktenzeichen xy ungelöst. Bis dahin spielen wir aber erstmal weiter. Quasi zu Übungszwecken.

Runde drei findet auf dem Parkplatz eines Supermarktes statt. Wir spielen hier allerdings die abgewandelte Form. Sie heißt „WFWA“: Wer fährt welches Auto? Auch hier kann man prima von den Klamotten aufs Auto schließen. Freakiger Surfertyp = VW Bulli. Der Klassiker. Gut, der war einfach. Jetzt wird es schon schwieriger: Ehepaar, beide schätzungsweise Mitte 60, flott gekleidet, aber eher ein wenig dezent = schwarzer Mercedes Kombi. Treffer!

Gut, nur die Farbe zu raten wäre zu leicht. Auf Sylt sind gefühlt mindestens 80 Prozent der Autos schwarz. Wenn man manchmal am Parkplatz der Buhne 16 vorbeikommt könnte man meinen, dass sich dort eine Trauergesellschaft versammelt hat. Auch auf den Supermarktparkplätzen herrscht eine gewaltige Schwarz-Dichte. Vor uns schiebt ein eleganter Herr im Anzug mit schwarzer, dünner Funktionsjacke seinen Einkaufswagen. Carsten flüstert mir zu „Der schwarze Volvo, das ist seiner“. Wie kommt er so fix darauf ? Bei dieser Vielzahl an schwarzen Autos? Piep, piep. Der Herr betätigt seinen Schlüsselöffner und siehe da, er steuert auf den Volvo zu. Ich bin baff. „Woher wusstest...“ Die letzten Worte bleiben in meinem Mund stecken, als mein Blick erst auf seine Jacke, dann auf die Beschriftung auf der Heckscheibe fällt. „Hamburg Mannheimer“.

Jeden Sonnabend beschreibt Miriam Köthe exklusiv für die Sylter Rundschau, was ihr auf Sylt so auffällt und gefällt. Die Kieler Journalistin besucht mit ihrem Mann, dem R.SH-Morningman Carsten Köthe, in jeder freien Minute die Insel.

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erstellt am 26.Okt.2013 | 00:32 Uhr

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