Umbau des Rathauses Westerland : Spielbank Sylt: Ungewisse Zukunft für Casino

Spielbank und Galerie (Bildmitte) im historischen Westerländer Rathaus stehen bei den Entwürfen für den Umbau und die Sanierung zur Disposition.
Spielbank und Galerie (Bildmitte) im historischen Westerländer Rathaus stehen bei den Entwürfen für den Umbau und die Sanierung zur Disposition.

Kein Preisträger des Architekten-Wettbewerbs hat in Entwürfen Platz für die Spielbank vorgesehen. Der Casino-Chef ist enttäuscht über die Vorgaben.

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14. April 2018, 05:28 Uhr

Sind die bevorstehende Um- und Anbauten des Westerländer Rathauses gleichbedeutend mit einem endgültigen Aus für die Spielbank Sylt? Diese Vermutung liegt nahe, seit Anfang der Woche die Architektenentwürfe für den neuen zentralen Standort der Verwaltung in einer Ausstellung öffentlich präsentiert werden. Keiner der drei ausgewählten Preisträger – und nur einer der insgesamt zehn Teilnehmer des Wettbewerbs – hatte in seinen Plänen den Verbleib der Spielbank im Rathaus der Inselmetropole berücksichtigt. Obwohl es in den Auslobungsunterlagen geheißen hatte, das Casino und auch der Galeriebereich seien nicht Bestandteil des Wettbewerbs.

Dies führte offensichtlich im Vorfeld zu Irritationen bei den Bewerbern. In einem Rückfragenkolloquium wurde deshalb festgestellt, dass die aufgrund eines Beschlusses der Gemeindevertretung noch bis Ende 2021 von der Spielbank genutzten Flächen „optional durch die Wettbewerbsteilnehmer überplant und zukünftig für Verwaltungszwecke genutzt“ werden können. Eine Entscheidung dafür oder dagegen obliege den Teilnehmern; es dürften jedoch keine zwei Varianten (mit oder ohne Casinoflächen) entwickelt werden. Die Wettbewerbsteilnehmer sollten sich vielmehr bewusst für eine der beiden Möglichkeiten entscheiden.

„Seitens der Politik gibt es keinen Beschluss zur dauerhaften Zukunft der Spielbank im Rathaus“, sagte Bürgermeister Nikolas Häckel auf Anfrage der Sylter Rundschau, „der aktuelle Pachtvertrag ist befristet.“ Politisch habe Einigkeit bestanden, den Beteiligten im Wettbewerbsverfahren offen zu lassen, ob sie die Pachtfläche des Casinos einbeziehen oder nicht. Auf Grund der Entwürfe sollte dann eine politische Meinungsbildung erfolgen. Nach den Bietergesprächen am 2. Mai werde das weitere Vorgehen beraten und beschlossen – damit wäre auch direkt oder indirekt eine Entscheidung über die Fortsetzung des befristeten Pachtverhältnisses verbunden. Ausdrücklich erklärte Häckel, es handle sich um ein Wettbewerbsverfahren: „Selbstverständlich wird es im Zuge einer Realisierung der Verwaltungszentralisierung noch Veränderungen des Entwurfes zur Ausführungsplanung geben.“ Er betonte aber ebenso: „Es gab und gibt Bemühungen seitens der Gemeinde Sylt, der Spielbank gegebenenfalls auch einen geeigneten neuen Standort anzubieten.“

Spielbank-Direktor Knut Pauker ist enttäuscht von den Vorgaben für den Architekten-Wettbewerb: „Wir bedauern, dass die Ausschreibung nicht so gestaltet wurde, dass ein Verbleib der Spielbank in den jetzigen Räumlichkeiten gewährleistet wurde.“ Ein Umzug an einen neuen Standort sei für die Betreiber jedoch aufgrund des hohen Investitionsbedarfs nicht darstellbar. „Für den Verbleib der Spielbank auf Sylt müsste die Gemeinde uns bezugsfertige Räumlichkeiten zu unseren aktuellen Mietkonditionen zur Verfügung stellen. Dies ist nicht zu erwarten“, so der Casino-Direktor.

Die Spielbank, die im Juni 2019 ihr 70jähriges Jubiläum auf der Insel feiert, verzeichnet laut Pauker mehr als 20.000 Besuche im Jahr. „Mit der Schließung würde die Insel neben einer besonderen touristischen Attraktion auch 19 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze verlieren“, beklagt der Casino-Chef. „Sichere Einnahmen in Höhe von jährlich zirka 250.000 Euro für den Gemeindehaushalt würden ebenfalls wegfallen.“ Endgültig die Flinte ins Korn schmeißen will er jedoch nicht: „Wir hoffen, dass bei der politischen Meinungsbildung doch noch Raum für einen Verbleib der Spielbank am jetzigen Standort gesehen wird.“
 

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