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Schlaganfallversorgung : Spendenaufruf mit „Geschmäckle“?

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Die Spendeninitiative „Schlaganfallversorgung Sylt“ sorgte bei Facebook für Diskussionen. Davon zeigte sich Asklepios überrascht

shz.de von
erstellt am 16.Okt.2013 | 18:48 Uhr

Sylt | Beim Spendenaufruf für eine bessere Schlaganfall-Versorgung in der Asklepios Nordseeklinik tauchen in der Sylter Netzgemeinde Fragen auf: Warum sammelt die Asklepios-Klinik-Gruppe über eine Tochter-Gesellschaft Spenden für eine sogenannte StrokeUnit auf Sylt? Für einen Kommentator hat dieser Spendenaufruf dadurch ein „Geschmäckle“. Die Sylter Rundschau hat sich mit der Kritik auseinander gesetzt.

Der Hintergrund: Die Nordseeklinik nimmt einen öffentlichen Versorgungsauftrag wahr, den sie in Art und Umfang vom Land erhält. Da das Einzugsgebiet der Klinik recht klein ist, hat sie keinen Auftrag für das Vorhalten einer hochspezialisierten „Stroke-Unit“ zur Schlaganfallbehandlung. Ein Ehepaar mit Zweitwohnsitz auf Sylt hatte den Wunsch, dass auf der Insel eine bessere Schlaganfall-Diagnostik angeboten wird und entwickelte die Idee eines Spendenaufrufs, so Rudi Schmidt, Bereichsleiter für Unternehmenskommunikation bei Asklepios.

Die Klinik habe daraufhin zugesagt, die laufenden Kosten für die Umsetzung eines Stroke-Unit-Konzeptes und die damit zusammenhängenden Personalkosten für mindestens zehn Jahre zu übernehmen. Damit die Klinik die Spende aber überhaupt annehmen kann, so Schmidt, müsse sie aus rechtlichen Gründen im Rahmen eines Forschungsprojekts über die Promedig laufen – einer gemeinnützigen GmbH, die eine 100-prozentige Tochter der Asklepios-Gruppe ist.

Von der Tatsache, dass die Spenden über diese Tochterfirma eingeworben werden, zeigten sich Mitglieder der Facebook-Gruppe Gesucht-Gefunden-Sylt überrascht. In dem Sylter Online-Forum wurde anlässlich der Berichterstattung der Sylter Rundschau eigentlich darüber diskutiert, wie man die Spendenaktion unterstützen könnte. Doch dann schlug die Stimmung zumindest bei einigen Mitgliedern um: „Mir geht’s darum, dass hier vielleicht eine Tochterfirma oder sonstige Ausgliederung eines Konzerns vielleicht Spenden einwirbt... Das fände ich dann doch schon schräg“, schrieb eine Nutzerin. Auch ein Sylter Kommunalpolitiker reagierte auf die Diskussion: „Natürlich hat es ein gewisses Geschmäckle wenn so Spender geködert werden, aber andererseits würde ohne solche Fundraisingsmaßnahmen von den privatisierten Kliniken immer nur genau noch das Minimum gemacht, was laut Versorgungsauftrag (...) deren Pflicht ist und kein Handschlag mehr.“

Andere dagegen verteidigten den Spendenaufruf: „Mal an alle, die nichts anderes als meckern können: Jetzt ist unsere Initiative gefragt: Jeder könnte selbst oder familiär mit ’nem Schlaganfall zu tun bekommen, das ist keine alte-Leute-Krankheit..!!!“

Von den Reaktionen einiger Mitglieder der Facebook-Gruppe zeigt sich Konzernsprecher Schmidt überrascht: „Es war doch eigentlich eine gut gemeinte Aktion.“ In einer Stellungnahme der Asklepios hieß es gestern: „Die Klinik wäre als Zeichen des guten Willens bereit, ihren Teil beizutragen und würde den fachgerechten Betrieb mit Personal und weiteren eigenen Ressourcen auf eigene Kosten gewährleisten, sprich: bezuschussen. Wenn nun der Klinik deswegen Vorwürfe gemacht werden und die Bevölkerung auf Sylt das wirklich mehrheitlich nicht will, dann respektiert die Nordseeklinik diesen Wunsch.“

Der Verein Sylter Unternehmer hat sich zwischenzeitlich positiv zur Spendenaktion positioniert. In einer Rundmail schreibt der Vorsitzende Karl Max Hellner: „Wir unterstützen diese Spendenaktion und würden uns freuen, wenn Sie sich beteiligen. Auch kleinere Beträge sind nützlich und führen zum Ziel.“

Wer spenden möchte: PROMEDIG gemeinnützige GmbH, HSH Nordbank, BLZ: 21050000, Kontonummer: 1000377248, Verwendungszweck: Schlaganfallversorgung Sylt

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