Speerspitze der Riesling-Renaissance

Sommelier Nils Lackner
Sommelier Nils Lackner

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07. Juni 2019, 08:21 Uhr

Während der Belle Epoque und auch noch einige Jahre später war deutscher Riesling einer der begehrtesten und teuersten Weine der Welt. Einige Flaschen aus dem Rheingau erzielten Preise jenseits der bekannten Bordeaux-Weine wie Chateau Margaux und Lafite. Zusammen mit den Süßweinen aus der ungarischen Tokaj-Region und den französischen Burgundern, Champagnern und besagten Bordeaux war unsere heimische Rebsorte der Superstar der internationalen Weinszene. Königin Riesling wurde sie genannt.

Doch dann kamen Kriege dazwischen und zerstörten das Ansehen der deutschen Weine enorm. Tatsächliche Kriege wie der Zweite Weltkrieg, aber auch Rangeleien um Marktanteile und den Endverbraucher zwischen den Winzern und Weingütern. Dies führte zu Preiskämpfen und zwangsläufig zu einer rasant nach unten stolpernden Qualität. Weintrinken galt in Deutschland als schick, dafür aber vernünftiges Geld zu zahlen eher nicht.

Möglichst billig sollte er sein, der Vino. Kein Wunder, dass die Produzenten irgendwann mit einer „Masse statt Klasse“-Philosophie reagierten. Die schwarzen Jahre des deutschen Weinbaus wird die Periode in den 70er und 80er Jahren oft genannt. Doch noch ist nicht alles verloren. Eine neue Generation von Winzern ist gerade dabei, unserem deutschen Riesling wieder zu internationalem Glanz zu verhelfen. Und das auch im trockenen Bereich, fernab von Eiswein und TBA.

An vorderster Front steht dabei ein Weingut aus dem rheinhessischen Flörsheim-Dalsheim. Klaus Peter und Julia Keller gelten als die derzeitige Speerspitze der Riesling-Renaissance. Ihr Spitzenprodukt G-Max (der Name steht für Urahnen Georg und die jüngste Generation, Sohn Maximilian) erzielt problemlos vierstellige Preise bei Auktionen. Das Magazin Spiegel betitelte ihn vor ein paar Tagen als eine eigene Liga. Extrem kraftvoll und komplex ist er, dabei dennoch leicht und elegant.

Der G-Max sorgt aber auch für Kritik, rüttelt er doch an den Prinzipien der Geiz-ist-geil-Trinkgemeinde. "Muss ich denn einen so teuren Wein trinken?", habe ich schon fragen gehört. Nein, musst Du nicht. Du musst auch keine Autos aus Zuffenhausen fahren, wenn du nicht willst. Was wir aber müssen, ist dankbar zu sein für solche Produkte. Für die Leuchttürme ihrer Zunft. Denn sie kreieren eine Bugwelle, in deren Fahrwasser viele andere folgen, mit gleichermaßen hohem Qualitätsanspruch und etwas geringeren Price-Tags. Also nicht gleich jammern, sondern wertschätzen.


Nils Lackner ist Sommelier und international gebuchter Wein-Dozent. Auch auf seiner Heimatinsel Sylt kann man ihn für Proben, Events oder

Touren durch die Sylter Weinberge buchen: nl@nilslackner.com ,

0152-28759836

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