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Sylter Rundschau

16. Dezember 2017 | 23:27 Uhr

Sommermärchen

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

von
erstellt am 30.Mai.2014 | 09:21 Uhr

Ich hätte es nicht zu träumen gewagt, dass ich mich bereits vor Himmelfahrt am beach auf meinem Strandlaken hin und her räkeln kann. Und zwar im Bikini. Und das gleich mehrfach. Das waren sie doch schon mal, die ersehnten Traumtage, oder? War das schön am letzten Wochenende und zu Wochenbeginn! Endlich mal vor dem Kleiderschrank keinen Kopf um die Klamottenauswahl (T-Shirt, kurze Büx, Flip Flops - fertig!) und das Tagesprogramm (Strand - fertig!) machen. Mehr geht nicht.

Wobei, der erste Tag am Strand ist dann doch noch sehr gewöhnungsbedürftig, da er ja meistens so plötzlich kommt, trotz Wetterapp. Meine Freundin (hat uns vergangenes Wochenende besucht) wurde völlig von diesem Wetter überrumpelt. „Hätte ich dass gewusst, hätte ich mir vorher gewiss noch einen Pediküre-Termin geben lassen.“ Ich habe ihr geraten, die Zehen am Strand einfach in den Sand zu graben. Nützt ja nix. Eine Beachball-Runde hat sie mir aus besagtem Grund schlichtweg verweigert.
Das ganzkörperliche Eincremen mit Sonnenmilch empfinde ich das erste Mal als anstrengender als eine Yogastunde. Linke Schulter vorne, hinten, Hals, unterer Rücken... am Morgen danach hatte ich Muskelkater(!). Und, noch viel schlimmer, am oberen Rücken überall kleine verbrannte Hautstreifen. Man konnte wunderbar sehen, wo meine Finger aufgrund von winterlicher Sportfaulheit nicht angekommen waren. Ich sah aus, als ob mir jemand beim Sonnenbaden in Bauchlage drei Stunden lang seine Hand mit gespreizten Fingern auf den Rücken gelegt hatte. Jeder Finger war einzeln zu sehen. Peinlich.

Am darauffolgenden Tag ist man dann quasi schon Strandprofi. So schnell geht das. Man cremt sich gegenseitig ein (warum ist man auf die Idee nicht gleich am ersten Tag gekommen?), man hat an eine Zeitschrift zum Blättern und sogar an eine Wasserflasche gedacht. Ansonsten ist am Sylter-Strand alles wie immer. Alle, die bereits baden, sind definitiv zwischen 3 und 12 Jahren alt (13 Grad Wassertemperatur! Kinder sind echt schmerzbefreit) und im Strandkorb neben uns wird lautstark (eine Stufe unter Brüllen) telefoniert. „Desch isch ‚n Traum hier. Mir sitze hier im Strandkorb, die Sonne brennt un die Möwe schreie.“ Nee, Du schreist. „Und grüss alle schö.“ Ja, von mir auch.

Ab und an verirrte sich übrigens auch mal ein übrig gebliebener Harley-Fahrer an den beach - in schwarzer Lederkluft. Respekt. Denen muss das Wasser in Rinnsalen über den Körper gelaufen sein, bei den Temperaturen an Sonntag und Montag. Warum steigen die nicht mal auf ein zartes hellblau oder gar weiß um? Apropos weiß. Die ersten Tage muss man bei seinen Märschen vom Strand zur Toilette ausgesprochen vorsichtig sein, damit man auf niemanden drauf tritt. Die noch ungebräunten Körper sind im hellen Strandsand nämlich kaum zu erkennen. Bis auf einen. Den einer Dame (ich glaube, sie ist Sylterin), die seit ca. 15 Jahren am selben Strandabschnitt liegt. Sie hat einen Dauerstrandkorb. Ich vermute, dass der erste Korb, der im März an den Strand gebuckelt wird, ihrer ist. Sie ist dann bereits im April brauner, als ich es jemals werden könnte, selbst, würde man mich mit Tiroler Nussöl ohne Sonnenschutzfaktor (kennen Sie das noch? Damit hat man sich in den 80ern eingeölt) ein Jahr auf einer sonnigen Insel in der Südsee absetzen.

Also ich sag mal so: die Strand-Feuertaufe ist überstanden. Meinetwegen kann es wettertechnisch so weitergehen. Ich bin gerüstet.

Auf einen Jahrhundertsommer 2014, ein neues „Sommermärchen“!

Jeden Sonnabend beschreibt Miriam Köthe exklusiv für die Sylter Rundschau, was ihr auf Sylt so auffällt und gefällt. Die Kieler Journalistin besucht mit ihrem Mann, dem R.SH-Morningman Carsten Köthe, in jeder freien Minute die Insel.


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