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Kirche St. Jürgen in List auf Sylt : Solange die Finger laufen ...

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Hans Borstelmann feierte diesen Herbst gleich zwei Jubiläen: der Kirchenmusiker wurde 80 Jahre alt und ist seit 30 Jahren Organist in St. Jürgen

shz.de von
erstellt am 14.Okt.2014 | 05:17 Uhr

Ob ihm die Musik im Blut liegt? Ganz gewiss! Verschrieb sich doch schon sein Vater der Musik, spielte Banjo und liebte das Musizieren über alles. Und er selbst, mittlerweile im 80. Lebensjahr stehend, bekennt mit Blick auf sein eigenes musikalisches Engagement: „Es wäre schön, die Menschen mit meiner Musik zu erfreuen.“ Um dann unumwunden nach vorne zu blicken: „Solange die Finger laufen, will ich das gerne weiter pflegen.“

Die Rede ist von Hans Borstelmann, (80), Kirchenmusiker der evangelischen Kirchengemeinde St. Jürgen in List, Sylts nördlichster Gemeinde. Seit dreißig Jahren versieht Borstelmann hier die kirchenmusikalische Arbeit. Er spielt in sämtlichen Gottesdiensten, gestaltet Amtshandlungen wie Taufen, Trauungen und Beerdigungen musikalisch und bereichert so manchen Gottesdienst durch Einlagen seines, ebenfalls bereits in die Jahre gekommenen Kirchenchores. „Damals, als die Marine hier noch stationiert war,“ erzählt er mit einer gewissen Wehmut, „da war mein Chor drei- bis viermal stärker als heute. Stolz waren wir auf die vielen Männerstimmen. Das ging quer durch alle Dienstgrade.“ Und nach so manchem Kirchenkonzert, so Borstelmann, „kam seinerzeit regelmäßig Eberhard von Brauchitsch zu mir, um sich für die Musik zu bedanken.“ Der aus altem schlesischem Adel stammende von Brauchitsch war in den 1970er Jahren einer der mächtigsten deutschen Industriekapitäne und regelmäßiger Gottesdienst- und Konzertbesucher. Heute kann sich der Kantor bei den wöchentlichen Proben lediglich auf seine Sopran- und Altstimmen stützen. „Die anderen Stimmen,“ bekennt Borstelmann, „ersetze ich durch mein Orgelspiel.“

In einem festlichen Gottesdienst würdigte unlängst Lists Pastorin Petra Hansen das mittlerweile drei Jahrzehnte währende Engagement ihres Organisten in der Gemeinde. Mit den Worten: „Ich bin sehr froh, dass wir Herrn Borstelmann haben,“ dankte sie ihrem seit drei Jahren – bedingt durch eine Krankheit, bei der er sein Gehör verlor – taub die Orgel spielenden Mitarbeiter. Gattin Elsa ist darum seither bei allen musikalischen Einsätzen seine stetige Begleiterin. Sie sitzt bei ihm auf der Orgelempore, zeigt ihm durch Handzeichen eventuelle Veränderungen der Lautstärke an und fungiert auch als sprachliche Vermittlerin. Mit der am Altar amtierenden Geistlichen erfolgt der Austausch mittels eines Spiegels und verabredeter Signale.

„Wir sind beide echte Sylter,“ erzählen die beiden Achtzigjährigen nach einem Gottesdienst in der Nordgemeinde und machen es sich dabei auf der Orgelbank bequem. Das ist ihnen vertrautes Terrain. Und dann beginnen sie aus ihrem erlebnisreichem Leben zu berichten. Der 1934 in Keitum geborene Borstelmann war im Hauptberuf eigentlich selbständiger Uhrmachermeister. Immer wieder aber zog es ihn an die Orgel. Gemeinsam mit seinem Bruder Willi spielte er von 1952 bis 1964 in Keitums Kirche St. Severin zu den Gottesdiensten und Amtshandlungen. Seine musikalischen Andachten, die er 1954 mit dem damaligen Pastor Kähler einführte, dürften wohl als Vorläufer der heute so bedeutsamen Konzertreihen in St. Severin gelten, die sein Bruder Willi dort seit Ende der 1950er Jahre mit großem Einsatz und Geschick kontinuierlich organisierte. Viele Benefiz-Konzerte der beiden Brüder dienten dem Ausbau der Orgel. Und in Morsums Kirche St. Martin sind die mittlerweile nicht mehr weg zu denkenden Orgelvespern auf die Initiative von Hans Borstelmann und Pastor Jochim Hartung zurück zu führen.

Impulse in der musikalischen Ausbildung und Vervollkommnung erhielt er in jungen Jahren durch Paul Hasenclever, den Bruder des expressionistischen Schriftstellers Walter Hasenclever. Von 1958 bis 1960 studierte Borstelmann dann an der Lübecker Musikakademie und schloss mit dem C-Kirchenmusiker-Examen ab. Nach einem kurzen Einsatz in Klanxbüll wirkte er 16 Jahre lang – von 1968 bis 1984 – als Kantor und Organist in Deezbüll. Gleichzeitig war er im gesamten damaligen Kirchenkreis Südtondern ein gefragter Vertretungsorganist.

Borstelmanns Einsatz für die Musik im Allgemeinen und für die Kirchenmusik im Besonderen ist geradezu beispielhaft. Auch seine beiden Kinder verbindet die Liebe zur Musik. Sohn Jürgen ist ebenfalls Kirchenmusiker in der Gemeinde Hörnum/Rantum und ein weit über die Insel hinaus bekannter und gefragter Organist und Komponist. Tochter Wiebke singt im Kirchenchor und hat sich darüberhinaus dem Klavierspiel verschrieben. Dem Jubilar sind weiterhin viele Lebensjahre für und inmitten der Musik zu wünschen. Zur eigenen Freude und Erfüllung, aber auch zum Segen seiner Lister Gemeinde und aller Sylter.

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