Sylter Kulturerbe : Söl’ring appelliert an Gemeinderat

Bedrohter Blick: Die mächtige Erhöhung im Hintergrund ist der vermutlich 2000 Jahre alte Ringwall der Tinnumburg. Dort, wo die Pferde grasen, soll das neue Gerätehaus entstehen.
Bedrohter Blick: Die mächtige Erhöhung im Hintergrund ist der vermutlich 2000 Jahre alte Ringwall der Tinnumburg. Dort, wo die Pferde grasen, soll das neue Gerätehaus entstehen.

Schutz der Tinnumburg sollte vor dem Bau eines Feuerwehr-Gerätehauses Vorrang haben

shz.de von
09. Mai 2018, 04:18 Uhr

Um den Neubau eines Feuerwehr-Gerätehauses für Tinnum ist ein Streit entbrannt. Der Bauplatz am Kampende, den die Gemeinde Sylt und die Feuerwehr ins Auge gefasst haben, liegt 400 Meter von der Tinnumburg entfernt. Der Ringwall gilt als eines der bedeutendsten archäologischen Kulturdenkmäler auf Sylt. In einer Stellungnahme der Söl’ring Foriining appelliert der Sylter Heimatverein an das Verantwortungsbewusstsein der Gemeinderatsmitglieder:

Die Söl’ring Foriining wird, ebenso wie die freiwilligen Feuerwehren der Insel Sylt, maßgeblich durch das Ehrenamt am Leben erhalten. In Anbetracht der vereinseigenen beiden Museen unter Reet in Keitum schätzen wir den Einsatz der Bürger in den Wehren sehr hoch ein und begrüßen die Bestrebungen um einen bestmöglichen Standard der Brandbekämpfung in den Dörfern ausdrücklich.

Die Söl’ring Foriining hat unter anderem die Aufgabe, sich für die Natur- und Landschaftsschutzgebiete und Denkmale der Insel einzusetzen und Stellung zu beziehen, sollte es nötig sein.

Sowohl in der Sitzung des Beirates des Vereines als auch im Vorstand wurde der vom Ortsbeirat Tinnum geforderte Neubau einer Feuerwache in der Sichtachse der Tinnumburg angesprochen.

Nachdem die Bebauungspläne für ortsübliche Häuser zunächst von der Naturschutzbehörde abgelehnt wurden, wird nun doch an dieser Stelle ein höheres, die freie Sicht behinderndes Gebäude mit einem großen flächenversiegelnden Parkplatz vorgesehen. Das erfüllt uns mit großer Sorge.

Wir möchten uns auf den Landschaftsrahmenplan des Ministeriums für Umwelt, Natur und Forsten berufen. Dieser besagt, dass es Ziel der Natur- und Landschaftspflege ist, neben historischen Kulturlandschaften auch Kulturdenkmale nach dem Denkmalschutzgesetz als wichtige Zeugnisse zu erhalten und zu schützen und nicht zuletzt für die Erholung und den Tourismus zu nutzen.

Die Tinnumburg und die Lembecksburg auf Föhr sind in Schleswig-Holstein die einzigen archäologischen Ringwälle aus der Zeit um Christi Geburt. Auf Föhr liegt die Lembecksburg frei als landschaftsprägendes Denkmal und wird für den Tourismus als ein „Wahrzeichen“ der Insel Föhr beworben.

In der Nähe des in Tinnum anvisierten Grundstückes liegen die historische Landvogtei und das Geburtshaus des Malers Andreas Dirks sowie weitere schützenswerte Reetdachhäuser. Würde das Errichten von Gebäuden auf der Biotop-Wiese nicht die Chance zunichtemachen, einen touristisch attraktiven Ortskern zu bilden, der langfristig auch die Attraktivität Tinnums fördern könnte? Die Gründung des Tinnumer Vereins zeigt doch, dass es bereits engagierte Bürger des Dorfes gibt, die Ihren durch Gewerbegebiete stark geprägten Ort gerne positiver positionieren möchten.

Der Vorstand der Söl’ring Foriining möchte anmahnen, maßvoll mit den gebotenen Möglichkeiten der Gemeinden umzugehen und abzuwägen, ob der Schutz der letzten Ressourcen der Insel Vorrang haben sollte vor rationalem Denken. Auch wenn die von der Naturschutzbehörde als „Biotop in Form von Wertgrünland“ eingestufte Wiese als attraktivste Lösung erscheint, möchten wir an das Verantwortungsgefühl der Gemeinderatsmitglieder appellieren, auf eines der weiteren in Betracht kommenden Grundstücke zu Gunsten der begrenzten Kulturlandschaft der Insel zurückzugreifen.

Das wertvolle Denkmal Tinnumburg muss laut Aussage des Archäologischen Landesamtes im Jahre 1998 aus denkmalpflegerischer Sicht im „topographischen Bezug zur Landschaft dominant, erkennbar und erlebbar bleiben.“

Ein Einlenken der Gemeinde Sylt zugunsten des Denkmal- und Umgebungsschutzes würde wegweisend im Hinblick auf weitere Vorhaben auf Sylt sein.

Bereits zu viele landschaftsprägende Denkmale sind auf Sylt der ausufernden Bautätigkeit zum Opfer gefallen.

Söl’ring Foriining e. V.
Sylter Vereinigung seit 1905

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