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Meerkabarett auf Sylt : „So viele verschiedene Künstler wie nie“

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Trotz neuer Mitbewerber hatte das Meerkabarett 3000 Besucher mehr als im Vorjahr. Die finanzielle Unterstützung durch Gemeinde Sylt jedoch läuft aus.

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erstellt am 07.Sep.2015 | 05:30 Uhr

Seit fast einem Vierteljahrhundert holt das Meerkabarett jeden Sommer viel Kultur auf die Insel. Im Interview mit der Sylter Rundschau blickt Meerkabarett-Chef Joachim Wussow zurück auf den Veranstaltungssommer 2015 und erzählt, was noch in diesem Herbst in der Eventhalle am Rantumbecken geplant ist und auch, wie es nächstes Jahr weitergehen soll.

Herr Wussow, wie zufrieden sind Sie mit der diesjährigen Sommersaison?

Sehr zufrieden! Wir hatten deutlich mehr Abwechslung dieses Jahr und so viele verschiedene Künstler zu Gast wie nie zuvor. Darunter echte Highlights, die zum ersten Mal nach Sylt kamen, wie Ute Lemper oder Axel Prahl mit seinem Orchester. Solche Namen bedeuten natürlich einen hohen Aufwand und ein erhöhtes Risiko. Aber es hat sich gelohnt. Es waren fantastische Konzerte – und sie waren restlos ausverkauft. Da war unser Saal mit seinen 600 Plätzen dann doch zu klein ...

Hätte dann nicht manche Veranstaltung open air stattfinden sollen?

Da bin ich hin und her gerissen. Für ein oder zwei Konzerte ist der Aufwand open air sehr hoch. Andererseits hätte ich mir für das einzige unbestuhlte Konzert im Saal, mit der Band Juli, doch deutlich mehr Besucher gewünscht. Draußen wären es sicher doppelt so viele gewesen. Wir werden die Formate in dieser Richtung ändern. Auch, um die Zielgruppe der Jüngeren und ebenso die Insulaner besser zu erreichen.

Stichwort Änderungen: Sie haben dieses Jahr ihr Team umstellen müssen und auch im Saal sowie im Vorzelt einiges umgebaut ...

Die personellen Veränderungen fanden ja hinter den Kulissen statt. Ich denke, das hat kaum ein Gast so richtig gemerkt. Anders als bei den räumlichen Änderungen: Wir haben eine größere Bühne aufgebaut und den Saalplan verändert, um damit bessere Sichtlinien vor allem für die Seitenbereiche zu schaffen. Außerdem haben wir die Einlass-Situation verändert. Sind weggegangen von der häufig doch nervigen, Staue verursachenden Ticketkontrolle in dem Schlauch zum Saal. Zwar mussten wir deshalb den Außenbereich abgrenzen, aber es hat sich bewährt, hat alles entspannter gemacht – und wird deshalb auch fortgesetzt. Insgesamt ist ja das Ambiente mit dem ganzen angenehmen Drumherum ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal zu den anderen Sälen der Insel. Wir wollen nicht nur ein tolles Programm machen, sondern dem Gast auch einen schönen Abend bieten.

Die Konkurrenz ist größer geworden: Erst wurde der Friesensaal erfolgreich als Veranstaltungsort reaktiviert, jetzt ist auch noch der Kursaal³ im Haus am Kliff dazu gekommen. Macht Ihnen das zu schaffen?

Ach wissen Sie: Wir hatten mit zirka 15000 Besuchern ungefähr 3000 Besucher mehr als im Vorjahr. Der Schnitt ist also keineswegs gesunken, trotz der Mitbewerber. Es gibt Tage mit vier oder fünf Abendveranstaltungen auf der Insel, an denen es bei allen gut läuft – und es gibt Tage mit nur einem Angebot, das trotzdem nicht ankommt. Dabei spielt natürlich das Wetter eine wichtige Rolle, aber auch die Grundstimmung der Gäste.

Was meinen Sie damit?

Durch das vergrößerte Angebot ist es für die Gäste komplizierter geworden, die Übersicht zu erhalten. Und auch die Entscheidungsfindung ist deutlich schwieriger. Wenn es zu viel zu gleicher Zeit gibt, da sagt sich so mancher: Dann mach’ ich lieber gar nichts.

Was könnten die Veranstalter untereinander dagegen tun? Früher gab es ja mal eine Art Terminbörse ...

Traditionell gibt es eine freundschaftliche Verbindung zwischen dem Meerkabarett und dem Kampener Tourismus-Service mit seinem Literatur- und Musiksommer. Damit wir uns besonders bei Lesungen – wir hatten ja zum Beispiel Axel Hacke und Roger Willemsen als Gäste im Meerkabarett – nicht ins Gehege kommen. Ähnliches könnte ich mir auch mit dem ISTS, dem Kulturhaus Sylt in Keitum und dem Kursaal³ in Wenningstedt vorstellen: gegenseitige Absprachen im Vorfeld, aber auch Kooperationen bei Veranstaltungen. Das wäre gar nicht schlecht, ich werde in dieser Richtung weiter aktiv bleiben. Allerdings muss dabei auch der Markenkern Meerkabarett geschützt werden. Und ebenso wichtig: In der Hochsaison ist bei uns das tägliche Programm, außer an den freien Montagen, einfach notwendig – schon aus Kostengründen.

Hat sich die Sommersaison denn gerechnet? Oder muss die Gemeinde Sylt wieder Verluste ausgleichen?

Für 2013 und 2014 haben wir diese finanziellen Hilfen in Anspruch nehmen müssen, das ist richtig. Zu 2015 kann ich aber noch gar nichts sagen. Es ist das letzte Jahr, für das uns vor zwei Jahren der ISTS Unterstützung zugesagt hatte. Wir müssen noch stärker nach Partnern suchen, die das Meerkabarett als Werbeplattform nutzen wollen oder die zu einer Art von Tagessponsoring bereit sind. Damit wollen wir versuchen, eine in der bisherigen Höhe wegfallende Unterstützung zu kompensieren.

Oder Sie müssen noch mehr Veranstaltungen durchführen, nicht nur in der Hochsaison ...

Das haben wir ja schon gemacht – und das werden wir auch dieses Jahr wieder machen. Ab 12. Oktober startet unser zweiwöchiges Herbstprogramm: Mit der Schmidt Show on Tour, präsentiert von Lilo Wanders oder Elke Winter, mit Jörg Knör, Horst Schroth, Gitte Haenning und den Queenz of Piano. Und mit dem phantastischen Programm „Psycho“ von Schauspieler Matthias Brandt – das war Mitte Juli ein solcher Erfolg, das hat bei den Besuchern und auch bei mir solche Gänsehaut verursacht. Da habe ich dann noch am gleichen Abend darüber verhandelt, dass Matthias Brandt mit seinem Partner Jens Thomas am Klavier wieder zu uns kommt – und es hat geklappt.

 

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