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Dauerwohnraum : So vergibt Sylt seine Wohnungen

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Das Kommunale Liegenschafts-Management (KLM) hat seine Vergabekriterien überarbeitet - die Verteilung der gemeindeeigenen Wohnungen soll gerechter werden.

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erstellt am 11.Apr.2014 | 06:00 Uhr

Um seltene Dinge, die viele gern hätten, ranken sich schnell Legenden. Auf Sylt gehört zu den sicher nicht leicht zu ergatternden Dingen eine bezahlbare Wohnung. Und für viele Menschen bleiben bei „bezahlbar“ oft nur die Wohnungen der Gemeinde Sylt, die vom Kommunalen Liegenschafts-Management (KLM) verwaltet werden. Eine der bekanntesten KLM-Legenden: Man muss nur lange genug auf einer Warteliste stehen, dann erhält man irgendwann eine Unterkunft. Doch so läuft das nicht. Wie die seit einem halben Jahr veränderten KLM-Vergabe-Kriterien aussehen, erklärt KLM-Betriebsleiter Markus Kopplin.

Und räumt erst einmal mit einer weit verbreiteten Mähr auf: „Es gibt keine Warteliste.“ Stattdessen steht beim neuen Vergabesystem vor allem die Dringlichkeit im Vordergrund, mit der jemand eine Wohnung braucht: „Es kann sein, dass hier jemand rein kommt, der wirklich dringend eine Unterkunft braucht und gleich bei der nächsten Vergabe eine geeignte Wohnung angeboten bekommt“, erklärt Kopplin. Bewerber, bei denen ein Umzug nicht so notwendig sei, können dagegen ihre Chancen auf eine KLM-Wohnung nicht durch reine Wartezeit steigern. Grundsätzlich haben Bewerber mit Kindern eine höhere Priorität als Bewerber ohne Kinder.

Grundvoraussetzung, um überhaupt in Betracht für eine der 850 kommunalen Wohnungen zu kommen, ist, dass der Bewerber innerhalb der vergangenen fünf Jahre zwei Jahre seinen Hauptwohnsitz auf der Insel hatte. Anders als im vorherigen Vergabeverfahren muss er nicht in der Gemeinde Sylt gelebt haben, nun können sich auch Wenningstedter, Lister und Co. bewerben. Außerdem muss eine „Mangelsituation“ vorliegen. Unter den Begriff können beispielsweise eine der folgenden Szenarien fallen: Der Verlust einer Wohnung droht, die derzeitige Miete ist im Verhältnis zum Einkommen nachweislich zu hoch, oder die derzeitige Wohnung ist überbelegt.

„Außerdem gilt für uns der erstmalige Auszug aus dem Elternhaus als Kriterium, das eine Dringlichkeit für den Bezug einer kleinen Wohnung begründen kann“, fügt Kopplin hinzu. Damit sollen junge Insulaner, die sich keine eigene Wohnung leisten können, auf der Insel gehalten werden. Ob jemand die Kriterien erfüllt, wird im Vergabeausschuss entschieden. Beschließt der Ausschuss, dass der Bewerber die KLM-Kriterien erfüllt, landet er auf einer von vier Listen: Auf der für die rund 200 frei finanzierten KLM-Wohnungen, der für öffentlich geförderte Unterkünfte, der 1-Zimmer-Wohnungs-Liste oder der sogenannten Erdgeschoss-Liste, auf der ältere Menschen oder Menschen mit Behinderungen eingetragen werden. Insgesamt stehen momentan 209 Bewerber auf diesen Listen. „Die Reihenfolge legen wir nach der Dringlichkeit fest.“

Wird dann eine passende Wohnung für den Bewerber frei – 2012 wechselten in 65 KLM-Wohnungen die Mieter – setzt sich der Vergabeausschuss mit denjenigen auseinander, die auf den vordersten Plätzen der passenden Liste stehen, und entscheidet, wem die Wohnung als erstes angeboten wird. Wer wirklich dringend eine Wohnung braucht, sollte dann zugreifen. Denn: „Wenn derjenige die Wohnung ohne überzeugende Gründe ablehnt, wird er für zwei Jahre bei KLM gesperrt“, sagt Kopplin, „denn dann kann die Not ja nicht so groß sein.“

Er hält das neue, komplexere Vergabeverfahren im Vergleich zu früher als fairer. Damals wurde die Dringlichkeit der Bewerber nur anhand eines einfachen Punkteystems bewertet. Jetzt werde sich mit den Bewerbern detaillierter auseinander gesetzt. Trotzdem macht Kopplin sich nichts vor: „Eine hundertprozentige Gerechtigkeit kann es nicht geben.“

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