Strandbereisung 2018 : So steht’s um Sylts Strände

Von Hörnum nach List – immer am Strand entlang:  Um sich ein genaues Bild von den Verhältnissen am Strand zu machen, legte die Gruppe in regelmäßigen Abständen Pausen ein.
Von Hörnum nach List – immer am Strand entlang: Um sich ein genaues Bild von den Verhältnissen am Strand zu machen, legte die Gruppe in regelmäßigen Abständen Pausen ein.

Wie ist die aktuelle Sand-Lage am Sylter Weststrand, wo soll in diesem Jahr aufgespült werden und wie viel Geld wird das kosten?

Julia Lund von
23. März 2018, 06:00 Uhr

Es war ein besonderer Anblick, der sich gestern Vormittag den Spaziergängern am Sylter Weststrand bot: Elf allradangetriebene Geländewagen schoben sich in einem langen Konvoi wie eine Herde Bullen von der Hörnum Odde bis nach List. An Bord der Offroadfahrzeuge: Steffi Böhm, Bürgermeisterin von Kampen, die Bürgermeister Ronald Benck (List) und Rolf Speth (Hörnum), die Tourismusdirektoren Boris Ziegler (List) und Henning Sieverts (Wenningstedt-Braderup) sowie etliche Mitarbeiter der Sylter Gemeinden. Dazu zwei Fernsehteams regionaler Sender und Journalisten. Sie alle wollten dabei sein, wenn die Fachleute vom Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung (Melund) und die Mitarbeiter vom Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN) demonstrieren, wo entlang der Sylter Küste in den kommenden Monaten wie viel Sand aufgespült werden soll (siehe Infokasten unten rechts).

Fest steht: Die Experten sind über weite Strecken mit dem aktuellen Zustand der Küste zufrieden. „Die Strände sahen schon mal wesentlich schlechter aus“, betonte Arfst Hinrichsen, Geophysiker beim LKN. Allerdings gäbe es neuralgische Punkte, an denen nach jedem Winter Sandnot herrsche, ergänzte Dr. Johannes Oelerich, Direktor des Landesbetriebes. „In Hörnum, Kampen und List sind die Strände sehr ausgemagert, dort müssen wir dringend wieder aufspülen“, so der Fachmann.

Küstenschutzexperten: Dietmar Wienhold, Johannes Oelerich und Arfst Hinrichsen.
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Küstenschutzexperten: Dietmar Wienhold, Johannes Oelerich und Arfst Hinrichsen.

Das vergangene Jahr sei zwar „wahrgenommen stürmisch“ gewesen, es habe allerdings keine starke Sturmflut gegeben, betonte Dietmar Wienhold, Abteilungsleiter Wasserwirtschaft im Melund. Allerdings habe es sieben kleinere Sturmfluten gegeben, die 1,0 bis 1,8 Meter über dem mittleren Hochwasser gelegen hätten. „Insgesamt hatten wir dazu mehr Westwind als üblich. Durch den hohen Energieeintrag wurden die Strände der Sylter Küste fast überall ausgeräumt. Bei List und Hörnum wurden auch die Dünen und bei Kampen das Kliff angegriffen“, so Wienhold, und Johannes Oelerich erklärte: „Noch vor drei Wochen haben wir ein sehr erschreckendes Bild an der Küste vorgefunden.“ Dann sei allerdings für zwei Wochen scharfer Ostwind aufgezogen und der Sand habe sich wieder dort eingefunden, wo die Insel ihn am dringendsten braucht: an ihrer Westseite. „So hat sich die Situation von alleine beruhigt und die Dünung brachte überall Sand an die Strände, so dass sie sich erholten“, erläuterte Wienhold. Er wies die Beteiligten darauf hin, dass trotz des ständigen Angriffs der See in den vergangenen Jahrzehnten kaum größere Schäden an der Sylter Westküste aufgetreten seien, weil der Sand seit 1983 regelmäßig ersetzt werde.

In diesem Jahr sollen in fünf Abschnitten insgesamt 820 000 Kubikmeter Sand auf den Sylter Strand gespült werden. Die Kosten dafür betragen fünf Millionen Euro. Sie werden überwiegend von Bund und Land aus der Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes getragen. Zusätzlich beteiligt sich die Europäische Union mit Mitteln aus dem Europäischen Fonds für die Entwicklung ländlicher Räume (ELER) an den Kosten.

Dietmar Wienhold hofft allerdings, dass es nicht bei den fünf Millionen Euro bleibt. „Wir müssen jetzt schauen, ob wir noch mehr Geld bekommen können“, erklärte er. Denn auch, wenn das Geld zunächst für die wichtigsten Maßnahmen reicht, „es reicht nicht, um Reserven an empfindlichen Stellen aufzuspülen“, so der Abteilungsleiter. Die Bundesregierung sei gerade erst angetreten, es gebe noch keinen Haushalt. „Wenn es endlich einen Bundeshaushalt gibt, werden wir im Laufe des Sommers prüfen, ob wir weitere Gelder beantragen können.“ Dass überhaupt schon feststehe, dass zeitnah für fünf Millionen Euro aufgespült werden kann, läge an dem seit 2017 bestehenden Vierjahresvertrag mit dem Land zur Sicherung der Küste.

Die Sandgewinnung wird mit so genannten Hopperbaggern durchgeführt, die den Sand aus einem acht Kilometer vor Westerland gelegenem Gebiet, das die Fachleute „Westerland 3 “ nennen, entnehmen. Die Arbeiten sollen Anfang Mai beginnen und spätestens im Oktober abgeschlossen sein.

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