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Sylter Rundschau

13. Dezember 2017 | 21:55 Uhr

Flüchtlinge in Hörnum : So geht es nicht

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Ein Kommentar von Michael Stitz, Chefredakteur der Sylter Rundschau

shz.de von
erstellt am 01.Okt.2015 | 05:30 Uhr

Wer nimmt, wer gibt, wer zeigt sich human, vorurteilsfrei, politisch korrekt?

In der Flüchtlingsdebatte sind Positionen Weltanschauungen, werden aus Freunden Feinde, aus Familien Debattierklubs.

Gefühle, Ahnungen, Ängste und Argumente durchmischen sich, entwerfen Bilder und Szenarien. Und dann noch die aktuellen Nachrichten von den gewalttätigen Konflikten unter den Asylsuchenden in ihren (erbärmlichen) Camps, Containern, Notfallunterkünften ...

Auf Sylt kennen wir die schöne Seite des Lebens. Sie ist ein „Produkt“ dieser Insel, ein triftiger Grund, sie zu besuchen. Hier will man das unbeschwerte Leben genießen. Für einen Moment, für die Zeit, die der Urlaub zulässt. Flüchtlinge, die weder Wohlleben noch Wohlstand ausstrahlen, passen für manche da nicht ins Bild. „Wir kommen nicht mehr, wenn die Insel voller Flüchtlinge ist“. Das ist es, was sich zur Zeit manche Gastgeber anhören müssen.

Und doch geht man auf Sylt mit großer Souveränität mit dem Thema Flüchtlinge um. An vielen Orten sind sie herzlich willkommen. Es gibt ihn, den Willen humanitär eingestellter Insulaner, den oft durch-die-Hölle-Gegangenen den Zugang zu einem sicheren Leben und neuer Arbeit zu ermöglichen.

Und doch auch das: Wir werden nicht in Frieden mit einander leben können, wenn wir in unsere Hilfsbereitschaft überfordert sind, wenn die Masse zu groß, der Mix an Weltanschauungen und Ansprüchen zu gegensätzlich sind. Wenn wir nicht Strukturen schaffen können, die Widersprüche kanalisieren, Konflikte schnell erkennen und beilegen können, die Bewohner eines Inseldorfes und ihren (wirtschaftlich wichtigen) Gästen das Gefühl von Sicherheit vermitteln können, stehen uns (vorsichtig gesagt) schwierige Zeiten bevor. Aber gerade deshalb müssen wir auch unsere Grenzen der Belastbarkeit, der Toleranz und wirtschaftlichen Belastung klar machen, klar sagen.
Das Uetersener Ansinnen, ihre Flüchtlingskontingente nach Sylter zu verschieben, ist clever. Nicht human, sondern berechnend. Denn das Jugenderholungsheim in Hörnum freut sich (natürlich) über die gut subventionierten Interimsbewohner, kann so die eigentliche Schließzeit des Heimes zur lukrativsten des Jahres entwickeln. Kompliment Uetersen!

Für den, in seiner Infrastruktur sehr ausgedünnten, Inselort Hörnum würde die geplante Unterbringung von bis zu 300 Asylsuchenden eine schwer zu kalkulierende Herausforderung, das Dorf verändern. Bisher hat auf Sylt die Beherbergung von Asylsuchenden verhältnismäßig gut funktioniert, weil man hier Ghettobildung vermieden hat. Dabei sollte es dringend bleiben.

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