Sylter Weinlese : So früh wie noch nie

Zahlreiche Rebstockpächter kamen nach Keitum, um eigenhändig ihre Trauben zu lesen
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Zahlreiche Rebstockpächter kamen nach Keitum, um eigenhändig ihre Trauben zu lesen

Rekordverdächtiger Reifegrad dank Jahrhundertsommer / Söl’ring 2018 kommt im Mai nächsten Jahres in Läden und Lokale

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10. September 2018, 18:11 Uhr

Die vielen Sonnenstunden des vergangenen Sommers haben sich nicht nur positiv auf den Teint von Syltern und Gästen ausgewirkt, auch die Sylter Weinernte profitierte von dem Jahrhundertsommer: Rund 100 fleißige Helfer trafen sich am vergangenen Sonntag an den Rebstöcken vor der Keitumer Kirche zur Weinlese des 2018er „Söl’ring“ – so früh wie noch nie: „Wir haben uns bisher frühestens Ende September hier getroffen“, erinnert sich Christian Ress vom Weingut „Balthasar Ress“ aus Hattenheim im Rheingau.

Doch nicht nur der Lesetermin profitierte in diesem Jahr von dem guten Wetter: „Die Trauben sehen aus wie gemalt – der trockene Sommer hat eine sehr gesunde Ernte hervorgebracht. Im vergangenen Jahr haben wir aufgrund der Feuchtigkeit viele faule Trauben aussortieren müssen, diesen Arbeitsaufwand können wir uns in diesem Jahr ersparen.“ Mit einem Mostgewicht von über 90 Grad Oechsle haben die Trauben schon jetzt einen rekordverdächtigen Reifegrad erreicht: „Das verspricht, ein sehr kräftiger Wein zu werden.“

2009 wurde das kleine Sylter „Anbaugebiet“ in Keitum geschaffen, in diesem Jahr fand die fünfte reguläre Weinlese statt: „Es gab zwar 2013 bereits eine Lese, aber die war so klein, dass wir sie nicht mitzählen.“ Insgesamt 1725 Rebstöcke galt es von ihren Trauben zu befreien, 555 von ihnen langfristig verpachtet an Weinkenner und Freizeitwinzer. Zu den rund 50 erschienenen Rebstockpächtern und ihrer Begleitung gesellten sich an diesem Vormittag auch wieder etwa 15 Auszubildende aus dem Hotel- und Restaurantfach, um am eigenen Leib zu erfahren, wie die Arbeit in einem Weinberg sich gestaltet. Die weiteste Anfahrt hatten Michael Roiss und Lisanne Grünherz aus Zürich: „Wir sind auf Sylt, um zu heiraten – der Rebstock war unser Hochzeitsgeschenk“, freute sich das Paar. „Dass der Termin für die Weinlese so nah an unserem Hochzeitstermin lag, war ein äußerst glücklicher Zufall.“

Dank der guten Ernte werden nicht nur die Rebstockpächter vom neuen Jahrgang des Sylter Weines probieren dürfen: „Wir rechnen damit, etwa 1000 Flaschen produzieren zu können“, berichtet Christian Ress. „Es werden also auch einige Flaschen im Sylter Handel erhältlich sein.“

Voraussichtlich im Mai kommenden Jahres wird der 2018er „Söl’ring“ zum Preis von etwa 75 Euro in den Regalen von Getränke Möller und im Edeka-Markt Johannsen in Keitum zu finden sein, außerdem in ausgewählten Restaurants und Weinbars.

Bis es soweit ist, haben die Keitumer Trauben der Sorte „Solaris“ noch einen weiten Weg vor sich: Nachdem sich die fleißigen Helfer gegen Mittag mit einem warmen Eintopf stärken konnten, ging es anschließend nach Tinnum zur Kelterstation bei Getränke Möller, wo die Teilnehmer beim Pressen der Trauben zuschauen konnten. In den kommenden zwei Wochen findet dann die Gärung statt, erst danach wird der Tank samt Inhalt zur Reifung in den Rheingau transportiert. „Nur, wenn die Gärung auch in Schleswig-Holstein stattfindet, darf anschließend die Bezeichnung ‚Schleswig-Holsteinischer Landwein‘ auf den Flaschen stehen“, erklärt Christian Ress. Die Bezeichnung „Sylter Wein“ wäre zwar noch schöner, ist aber gesetzlich nicht zulässig: „Es gibt im Gesetz definierte Anbaugebiete wie Rheingau, Pfalz und Mosel. Nur dort darf ich für einen Wein geografische Bezeichnungen verwenden, die das Anbaugebiet näher bestimmen, als nur das Bundesland. Aber zum Glück wissen wir ja alle: Der ‚Söl’ring‘ kommt von unserem schönen Keitumer Weinberg.“

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