Facebook-Forum : So entstand "Gesucht-Gefunden-Sylt"

Von Zuhause oder vom Smartphone aus pflegt Björn Nielsen seine Facebook-Seite. Foto: Deppe
Von Zuhause oder vom Smartphone aus pflegt Björn Nielsen seine Facebook-Seite. Foto: Deppe

Der Sylter Björn Nielsen ist ein Facebook-Aktivist der ersten Stunde: Seine Seite "Gesucht-Gefunden-Sylt" hat eine große Anhängerschaft. Im Interview verrät er, wie das Forum entstanden ist.

Avatar_shz von
16. April 2012, 09:00 Uhr

Sylt | Wann hattest du die Idee zu dem Facebook-Forum "Gesucht Gefunden Sylt"?
Ziemlich genau vor einem Jahr habe ich die Gruppe gegründet. Die Idee kam mir, als ich auf der Insel verzweifelt nach einem Monty Python Film gesucht habe. Damals habe ich meine Freunde über Facebook angeschrieben - nach 30 Minuten hatte mir ein Kollege den Film dann am Arbeitsplatz hinterlegt. Da habe ich mir gedacht: davon müssten alle profitieren. Das gab´s auf der Insel bis dahin nicht.
Momentan hat die Gruppe fast 2800 Mitglieder - hat dich der Erfolg überrascht?
Der Erfolg hat mich definitiv überrascht! Die Mitglieder sind ja fast alle Sylter. Einige sind weggezogen und einige sind natürlich auch Festländer, die sich dafür interessieren, was hier vorgeht. Natürlich sind auch viele Chefs dabei, die das Forum auch zu einer Stellenbörse machen.
In der Gruppe darf nichts verkauft werden?
Nein! Dafür ist die Gruppe nicht vorgesehen - es geht darum, sich gegenseitig zu helfen. Hier findet man zum Beispiel Helfer für Umzüge oder Mitfahrgelegenheiten - also in erster Linie praktische Hilfe. Bei mir darfst du nur Sachen verschenken - zum Verkaufen gibt es die Seite "Ich-habe-etwas-das-du-gebrauchen-kannst".
Teilweise werden in der Gruppe nach Ladendiebstählen sogar kleine Fahndungen gestartet. Wie weit geht das?
Ja, das ist natürlich mit ein bisschen Vorsicht zu genießen. Man versucht, seine Leute eben zu warnen. Die berühmtesten Ladendiebe sind wohl "Lolek und Bolek" - ich habe ihnen den Spitznamen verpasst. Mittlerweile nennt sie sogar die Polizei so. Die sind jetzt bekannt wie bunte Hunde (lacht).
Wie steht es mit Zensur - wann werden Einträge in deiner Gruppe gelöscht?
Bei mir gibt es keine Zensur - nur bestimmte Regeln. Die Leute sollen gefälligst freundlich sein. Wenn die Dinge mal aus dem Ruder laufen, dann muss natürlich auch mal eingegriffen werden. Allerdings musste ich in einem Jahr nur zwei Nutzer aus der Gruppe schmeißen.
Wie viel Arbeit bringt die Pflege der Gruppe am Tag mit sich?
Am Tag sind das ungefähr 30 Minuten.
So wenig?
Ja, ich bin ja nicht 24 Stunden online. Ich checke die Einträge in regelmäßigen Abständen: morgens, mittags und abends. Dafür habe ich halt immer mein Smartphone dabei und statt in die Zeitung, schaue ich in der Mittagspause dann auf mein Handy. Außerdem gibt es da noch meinen Freund André Kennel, der sich auch um den Betrieb kümmert. Trotzdem hätte ich gerne mal vier Wochen Urlaub von Facebook (lacht).
Wie sieht die Zukunft von "Gesucht-Gefunden-Sylt" aus?
Naja, mittlerweile gibts die Gruppe auch schon für Mallorca, Bredstedt, Südtondern und so weiter. Jeder der das machen will, der kann sich die Unterlagen in der Gruppe runterladen. Ich denke, die Idee ist so gut, dass es weitergetragen werden muss.
Schon mal daran gedacht, aus der Idee Geld zu machen?
Ich glaube, dass wird nichts. Ich will das auch gar nicht. Die Menschen sind eh bei Facebook und wollen doch auch nicht wechseln. Nein, Geld spielt bei der Sache keine Rolle. Es freut mich, wenn ich den Menschen helfen kann und ich möchte, dass die Sylter zusammenhalten.
Wie sahen die kuriosesten Einträge des ersten Jahres aus?
Da gab´s ein junges Mädchen, das nach einer Mikrowelle suchte - für ihre neue Wohnung. Das kommentierte der Vater dann ganz ungläubig. Der wusste davon gar nichts. Oder eine Frau berichtete, dass ihr das Kennzeichen gestohlen worden war - am nächsten Tag lag es auf ihrem Autodach.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen