Naturschutz auf Sylt : Sinnvolle Plaggerei in Morsumer Heide

Roland Klockenhoff (rechts) erklärt die brandneuen Regeln des Heide-Triathlon.
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Roland Klockenhoff (Mitte) erklärt die brandneuen Regeln des Heide-Triathlon.

Teilnehmer beim ersten Heide-Triathlon der Naturschutzgemeinschaft Sylt konnten Bäume ausreißen.

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05. Oktober 2015, 05:30 Uhr

„Der kürzlich auf der Insel veranstaltete Triathlon eines Getränkeherstellers nervte uns Naturschützer“, sagt der Vorsitzende der Naturschutzgemeinschaft Sylt, Roland Klockenhoff, während er schweißgebadet medizinballgroßes Wurzelwerk aus der Heide zerrt. „Also haben wir uns eine Alternative überlegt, die mehr Sinn macht.“ So kamen am Sonntagmittag rund 40 Sylter zu den Heideflächen oberhalb vom Morsumer Kliff und nahmen an einer sportlichen Premiere der besonderen Art teil: Dem ersten Heide-Triathlon, der Kopf, Muskeln und Bauch der Sportler anregt, in erster Linie aber der Natur zugute kommt. Weil die Heidepflanzen dort zunehmend von jungen Gehölzen, Rosen und Brombeeren überwuchert werden, bestand die Hauptaufgabe darin, unter Einsatz von Muskelkraft störrisches Wurzelwerk aus der Erde zu ziehen. Bevor die Aktiven bei schönstem Herbstwetter ans Werk gingen, war zuvor der Part Kopf zu meistern, das Briefing für die Disziplin Muskel. Dazu brauchten die Öko-Triathleten lediglich zwei gesunde Ohren und die Auffassungsgabe eines Vorschulkindes: Bäume ausreißen. Je mehr, desto besser. Und Rücken gerade halten beim Herausziehen der Pflanzen.

Handschuhe und Spaten wurden bei Bedarf vom Veranstalter gestellt, in kleinen Gruppen verteilten sich die Aktiven auf der Heidefläche und zupften Birken, Ebereschen und alles andere aus der Erde, was eigentlich nicht in eine Heidelandschaft gehört. Rund 350 Schafe, die zuvor in der Braderuper Heide für den Triathlon trainiert hatten, folgten ebenfalls der Einladung von den Naturschützern und zupften emsig Gras aus der Heide. „Am liebsten hätten wir auch die Sylter aus den Fitness-Studios hier gehabt“, sagt Klockenhoff mit einem Schmunzeln. „Der Vorlauf war zu kurz, aber beim nächsten Mal möchten wir auch die motivieren, beim Heide-Triathlon dabei zu sein.“ Nach zwei Stunden effektiver Plaggerei folgte die Disziplin Bauch: Für alle fleißigen Helfer gab es zur Stärkung eine deftige Suppe. Gewonnen haben alle, die dabei waren.

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