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Sylter Rundschau

24. Oktober 2017 | 14:15 Uhr

Marschbahn : Sie sind wieder da

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Nach 21 Wochen Betriebspause kehren die ersten 16 von 90 Personenwaggons auf die Schiene zurück/ Bis Ende des Jahres folgt der Rest

von
erstellt am 07.Apr.2017 | 04:37 Uhr

Mit Verspätung, aber auch mit guten Nachrichten traf Verkehrsminister Reinhard Meyer gestern Mittag in Westerland ein. Sein Zug war nicht pünktlich – keine Seltenheit auf der Strecke. Wichtiger für Pendler, Sylter und Gäste ist seine Botschaft: Ab heute rollen wieder die ersten blauen NOB-Züge zwischen Hamburg und Westerland. 16 Reisezugwagen gehen wieder in Betrieb. Der erste ist für 8.31 Uhr ab Niebüll eingeplant.

Seit die Flotte der 90 Reisezugwagen am 11. November 2016 von der Nord-Ostsee-Bahn wegen Kupplungsschäden aus dem Verkehr gezogen wurde, mussten die Fahrgäste mit einem Sammelsurium von 108 alten Personenwaggons vorlieb nehmen. Zwar sank die Zahl der Zugausfälle und die Pünktlichkeit wurde wieder besser, aber die Kritik an überfüllten Abteilen, schwergängigen Türen, kaputten Toiletten und verschmutzten Zügen verstummte nicht – ganz zu schweigen von der fehlenden Barrierefreiheit für Menschen mit Behinderungen. Im März brach die Zuverlässigkeitsquote dann noch einmal von 94 Prozent auf 80 Prozent ein, weil an der Strecke gebaut wurde. In dieser Woche – wir berichteten gestern – strandeten mehrfach Reisende in Morsum, weil der Bus für ihren Schienenersatzverkehr nach Westerland nicht bereitstand.

Am heutigen Freitag tritt der Sommerfahrplan in Kraft – ein guter Termin für die Rückkehr der ersten blauen Zugwaggons. Nach 21 Wochen Betriebspause geht ein Fünftel der für den Betrieb benötigten 80 Personenwagen wieder auf die Schiene: 16 Reisezugwagen, bei denen die Gutachter des Tüv Süd Rail keine Risse an den Kupplungen festgestellt haben – genug Wagenmaterial für drei Züge, die zu unterschiedlichen Zeiten in Hamburg-Altona oder Westerland abfahren. In der nächsten Woche, versprach Verkehrsminister Meyer, käme ein vierter Zug mit sechs weiteren Waggons hinzu. Damit steht insbesondere für die Pendlerzüge wesentlich mehr Kapazität zur Verfügung. Mussten sich zeitweise 500 bis 900 Fahrgäste in den 6.31-Uhr-Regionalzug mit 360 Sitzplätzen hineinzwängen, so bietet der Sechser-Zug nun 500 Plätze, rechnete Meyer vor. Im Zehnerzug sind es 839 Plätze. Der Rest der Fahrzeugflotte werde bis Ende des Jahres wieder zur Verfügung stehen. In der Pressekonferenz im Seminarraum der Sylter Unternehmer war gestern auch mehrfach eine Entschädigung für Zeitkartenbesitzer Thema – ein Nachlass für den „minderen Komfort“ werde geprüft.

„Wir freuen uns natürlich, dass die neuen Marschbahn-Wagen wiederkommen“, meinte Achim Bonnichsen von der Pendlerinitiative. An den oft vollen Bahnsteigen herrsche ein „Gesetz des Dschungels“, das werde sich jetzt normalisieren. Bonnichsen wies aber auch daraufhin, dass die letzte Entschädigungszahlung vom 31. Januar bei vielen Pendlern noch gar nicht angekommen sei.

Für Sylt-Gäste wichtig: An den kommenden drei Wochenenden werden an den Bahnhöfen freiwillige Helfer im Einsatz sein – eine Forderung, die Bürgervorsteher Peter Schnittgard immer wieder erhoben hatte. Die Bahn konnte dafür Mitarbeiter finden, die in ihrer Freizeit nach Sylt kommen werden, berichtete DB-Regio-Chef Torsten Reh. Je zwei sollen in Westerland, Niebüll, Husum und Hamburg-Altona im Einsatz sein. Sogar aus Frankfurt und Berlin werden die Freiwilligen anreisen, um den Fahrgästen auf den Sylter Bahnhöfen zu helfen.

„Es gibt Licht am Ende des Tunnels“, sagte Karl Max Hellner vom Verein Sylter Unternehmer. Zufrieden sei man auf der Insel noch nicht. Allerdings: „Wir erhoffen uns eine Linderung für unsere Pendler und Gäste.“ Die Ostertage seien eine Bewährungsprobe.

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