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Kommentar: Letzte Aktion von Petra Reiber : Sie macht das Richtige

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Ohne Alternative: Die Gemeinde Sylt muss Platz schaffen für die Flüchtlinge. Drastische Mittel scheinen da angebracht.

von
erstellt am 30.Apr.2015 | 17:59 Uhr

So schnell kann sich die Stimmung ändern: Im Juli 2013 sorgte der Sylter Piraten-Politiker Christian Thiessen für bundesweite Schlagzeilen, weil er in einer Sitzung des Sozialausschusses fragte, ob die Gemeinde nicht im Notfall Häuser für die Unterbringung von Asylbewerbern „zwangsenteignen“ könne. Aufschreie. Schlagzeilen. Nachdem die Bild-Zeitung eine Fotomontage mit reetgedeckten Containern in Kampen veröffentlichte, stellte Thiessen klar, was er eigentlich gemeint hatte: Bei drohender Obdachlosigkeit könnte die Gemeinde leer stehende Häuser oder Wohnungen zwangsweise anmieten. Damals sorgte dieser Vorschlag tendenziell für Kopfschütteln und für den Kommentar „Grober Unfug“ vom stellvertretenden Bürgermeister.

Das würde von den politisch Verantwortlichen heute wohl keiner mehr sagen. Ein Grund für die veränderte Stimmungslage ist, dass der Druck, unter dem die Kommunen in Sachen Flüchtlingsunterbringung stehen, seit Monaten immer weiter wächst. Die Gemeinde Sylt mit ihrer bekannten Wohnraumproblematik steht ja mit der Frage, wo all diese Menschen adäquat untergebracht werden sollen, nicht alleine da. Vielleicht auch deshalb hat Petra Reiber für die Beschlagnahmung des Keitumer Polizeihauses vor einigen Wochen landesweit große Zustimmung erhalten. Dass dieser Zuspruch beim Haus Quickborn abflauen wird, ist nicht zu erwarten.

Auch wenn es dem einen oder anderen sauer aufstoßen mag, dass sich die Bürgermeisterin an Privateigentum vergreift: Sie macht das Richtige. Schließlich steht das Gebäude seit Monaten leer – und daran wird sich in Anbetracht der B-Plan-Problematik voraussichtlich auch in der näheren Zukunft nichts ändern. Zudem fehlt es auf der Insel schlicht an Alternativen, die Menschen ordentlich zu beherbergen. Selbst wenn sich noch einzelne Wohnungen finden lassen – das Ordnungsamt ist personell ohnehin schon an seiner Kapazitätsgrenze, was die Betreuung der Flüchtlinge angeht. Eine zentrale Unterbringung in Westerland würde die Mitarbeiter entlasten. Außerdem tut diese Aktion niemandem wirklich weh. Höchstens dem süddeutschen Investor, der gegebenenfalls von seinem Rücktrittsrecht Gebrauch machen muss. Aber seine Ursprungspläne hätte er in dem Gebäude ja offenbar ohnehin nicht umsetzen können.Der DAK stünde es gut an, jetzt nicht in einen Rechtstreit mit der Gemeinde zu treten, sondern sich auf eine gütliche Einigung einzulassen.

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